Wohlstands-Blues im edelsten Juke Joint der Stadt

19. Juli 2009, 18:43
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    foto: robert newald

    B. B. King (83) hat den Blues. Immer noch und immer wieder, fühlt er sich doch so verdammt gut an.
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Der legendäre Blueser B. B. King gastierte in Wien

Wien - Dass er sich von den existenzialistischen Formen des Genres längst hin zum Wohlstands-Blues entwickelt hatte, machten schon die Rahmenbedingungen klar. B. B. King, der letzte große Blues-Musiker der Generation von John Lee Hooker, Muddy Waters oder Howling Wolf, gastierte am Freitag im großen Juke Joint des Wiener Konzerthauses. Das bedeutete im Saal wie auf der Bühne feines Tuch, Prosecco vor dem Konzert und pflichtbewusstes Jazz-Klatschen nach diversen Soli der achtköpfigen Begleitband.

Im Zentrum des Geschehens saß der 83-jährige gutmütige Riese mit seiner Gitarre "Lucille" und ließ diese weinen, jubilieren - oder pausieren. Nämlich wenn der als Riley B. King nahe dem Kaff Indianola im US-Bundestaat Mississippi Geborene zu singen begann und G'schichtln druckte. Denn schnell wurde klar: King ist ein ebenso überzeugender Storyteller wie Gitarrist. Zwar überstrapazierte er da sein Alter beziehungsweise das seiner Mitstreiter als Thema doch etwas, andererseits: Wenn einer das darf, dann Blues Boy King.

Zumal nicht damit zu rechnen war, ihn noch einmal auf einer heimischen Bühne zu erleben. Hatte er doch 2006, mit 80, seinen Rückzug bekanntgegeben. Im Vorjahr erschien jedoch One Kind Favor, ein von Produzent T-Bone Burnett überwachtes neues Album, das für King offenbar der Anlass war, seinen Ruhestand zu unterbrechen - auch wenn er kaum Stücke aus dem sehr guten Album spielte.

Nach zwei Aufwärmrunden, die lediglich von der Band bestritten wurden, führte man King in den Saal: Standing Ovations, während derer er - davon angetan - Platz nahm und erklärte, warum er sitzen würde: "Bad knee, bad back and the head no good either." Doch spätestens Let The Good Times Roll ließ diverse Unpässlichkeiten vergessen. Daran änderte auch das Eingeständnis Everyday I Have The Blues nichts.

Sogar der Blind-Lemmon-Jefferson-Klassiker See That My Grave Is Kept Clean wurde live zum Happy-Go-Lucky-Schunkler, die ausgestellte gute Laune also schon auch ein wenig übertrieben. Ansonsten bot King eine Greatest-Hadern-Show, die stellenweise in elegant-swingenden Rhythm 'n' Blues überführt wurde, den der vierköpfige Bläsersatz in zurückhaltender Art veredelte. Da träumte man sich kurz Bobby "Blue" Bland dazu, einst Kings Chauffeur und von diesem dazu ermutigt, selbst Sänger zu werden, was neben diversen Meilensteinen auch zwei Live-Alben gemeinsam mit King zeitigte.

Hingegen wirkte seine Deutung der inoffiziellen Hymne des US-Bundesstaats Louisiana, You Are My Sunshine aus der Feder von Jimmie Davies, wie ein Schuss ins (ohnehin schon lädierte) Knie. The Thrill Is Gone, die ewige Weltnummer Kings, überzeugte hingegen auch bei ihrer geschätzten 78.423. Aufführung noch mit Wehmut und anhaltender Würde. Gleichzeitig strafte es jene Skeptiker Lügen, die meinten, der Song beziehe sich längst schon auf Kings eigenes Werk. (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 20.07.2009)

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Posting 1 bis 25 von 33
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individuumdei
52
21.7.2009, 12:35
Frage:

Ist eigentlich noch jemandem aufgefallen, dass b.b. king sein instrument auf anfängerniveau spielt? nach 60 jahren üben und konzertieren immer noch dieses bedenklich uninspirierte umkreisen der der pentatonik ("b.b. king blues box", wie mitarbeiter in music stores das zu denotieren pflegen), dazu das tirillieren auf einem der hohen bünde und - dann nichts, fünf minuten pause, er hält das instrument umklammert, singt (gut!), lässt die (wie immer ausgezeichnete) bläsersektion die arbeit machen. habe king noch nie einen richtigen akkord spielen sehen (vielleicht terzen, oder a dur-shape akzente).
bitte helft mir: was ist gut an b.b. king?

toberfrau1
01
24.7.2009, 23:46

was ist gut an b.b. king? b.b. king !!

mommer
13
22.7.2009, 14:50
sind sie selbst musiker?

ich hoffe nicht...

ansonsten ist diese kritik (wie so oft von hrn. fluch) kein weiteres statement wert. wer selbst dort war und ahnung von musik (blues) hat, wird verstehen was ich meine.

black reader
06
22.7.2009, 13:13
Na und?

Schon gemerkt, dass Zappa nicht über Changes improvisieren konnte (und trotzdem im dictionary of musical instruments als einer von vier Gitarristen unter "electric guitar" genannt wird - zu Recht)? Dass viele strenge Jazzpolizisten der Meinung sind, dass auch Miles Davis "eigentlich nicht spielen konnte"? Dass Maceo Parker seit 40, was sag ich, 50 Jahren die gleichen Phrasen und Licks spielt - dafür kann er sie jetzt und entfastet eine Wirkung wie kein anderer.
Technik sagt nichts über Musicianship aus, sowenig wie Komplexität über den Wert einer Musik.

individuumdei
20
22.7.2009, 16:15
kurze antwort

sie haben ja recht, und ich mag diese leute ja (als songwriter) aber ich kann da nur recht schmucklos replizieren: es is halt einfach langweilig, so als würde man am klavier die schwarzen keys nicht verwenden.

Kendall Von Tharn
00
23.7.2009, 07:41

es kommt darauf an, was man daraus macht. einige der schönsten melodien (egal ob europäische klassik oder jazz) beruhen auf einfachen tonfolgen und sind mit wenig tasten spielbar.

DieBo
04
22.7.2009, 10:35
Eine 13` oder 14`er E Saite einen Ganzton hochzuziehen ist ja auch schon mal ganz ordentlich.

Ich-wars-nicht
 
11
22.7.2009, 08:44
was..

...sind denn SIE für einer..?? posten Sie doch bitte auf anderen Seiten aber nicht hier, wo es um BLUES geht...!!

Kendall Von Tharn
04
22.7.2009, 07:50

blues ist leben

und sonst betrachtet: blues entstammt entstammt einer ganz anderen musikalischen tradition als die europäische musik, da geht es nicht um verkopfung, technik und sonstiges, einfach um feeling und lebenserfahrung.

toberfrau1
00
24.7.2009, 23:50

den blues hat man oder hat man nicht - b.b. hat ihn!

PuBär
00
24.7.2009, 11:14

unterschreibe ich blind. Ein wie immer zutreffender Kommentar von Herrn von Tharn.

individuumdei
20
22.7.2009, 16:03
segmentum II

technisch besser als er selbst. da stellt sich mir als (na ja, musiker ist übertrieben) "musikant", der ab und zu schon ein paar klägliche cent mit seinem gedudel verdient hat, folgende frage: was bleibt einem echten talent denn über? da spielt in unterhapfing einer (ich meine nicht mich) tausendmal besser und schneller als alle mclaughlins (von kings spreche ich hier gar nicht) der welt zusammen und muss sich eigentl. die kugel geben, weil er andauernd lesen muss wie göttlich denn irgendwelche nullen auf ihren instrumenten spielen, und sich niemand für ihn interessiert.

wie stehen sie denn zu santana, werte mit-poster? wie mittelmäßig sich sein spiel gestaltet merkt man m. E. am besten in der gemeinsamen aufnahme mit mclaughlin.

PuBär
00
24.7.2009, 11:16

Schnelligkeit am Instrument ist noch lange kein hinreichendes Kriterium, um als guter Gitarrist zu gelten.

Und wenn sich Santana mit McLaughlin zusammentut ist er selber schuld.

Sie wollen aber von sich als Musikant nicht behaupten, daß Sie schneller oder besser spielen als Santana oder BBKing.

individuumdei
10
22.7.2009, 15:55
das hab ich erwartet ;-)

ich antworte einfach jenem posting, mit dessen inhalt ich am ehesten einverstanden bin.
schaun se, werte damen und herren: ich mag die musik ja, spiele selbst gitarre, liebe den blues und erachte die afroamerikanische musiktradition von ihren anfängen bis hin zu ihren vielen verästelungen im 20. jhdt als wundervolle, vielleicht sogar schönste zeitgenössische form innerhalb der musik.
aber: leute wie king als große gitarristen, oder gar als gitarrengötter zu bezeichnen (siehe die dummen rankings à la rolling stone magazine) ist wirklich eine beleidigung für echte könner. gutes beispiel: clapton, tolle arrangements, großartiger sound - immer noch! - aber (das merkt man bei der unplugged dvd ganz gut) seine zweitgitarristen sind meistens

PuBär
10
24.7.2009, 11:20

Clapton wir absolut überbewertet. An die Qualität des Gitarre Spielens von Bramhall, Fairweather Low oder Derek Trucks oder früher Duane Allman (Layla-Riff!!!) kommt er nicht ran.
Dafür hat Clapton hervorragende Nummern geschrieben, die ins Songbook der Ewigkeit eingehen werden.

mommer
00
27.7.2009, 10:38
darauf habe ich gewartet...

kaum bringt jemand clapton ins spiel taucht auch schon der ominöse pubär auf, um ihn - ohne argumente vorbringen zu können - schlecht zu reden. das nervt! wer sich intensiv mit clapton und seiner (live!) musik beschäftigt wird bei dem posting nur den kopf schütteln können...

clapton wird richtig bewertet. nicht über oder unter. er ist einer DER gitarristen überhaupt. und hat auch heute noch seine qualitäten und eine künstlerische "berechtigung" - falls es sowas gibt... also hören sie mit dieser ständigen penetranten schlechtrederei auf!

p.s.: wer fairweather low als qualitätsgitarristen über clapton stellt hat mit musik nicht viel am hut- hoffentlich...

mommer
00
23.7.2009, 11:32
zwar off-topic aber...

auf welche unplugged-cd claptons spielen sie denn an? "mtv-unplugged" mit fairweather low oder "sessions for robert j" mit bramhall II? wenn sie hier die zweit-gitarristen als (technisch) besser erachten... naja... gerade beim klassischen akustic-blues ist clapton schon top!

nochmal: blues (und eigentlich alle genres) = feeling nicht (nur) technik!

ich war beim konzert und "lucille" geht einfach unter die haut (vibratos, bendings,...). das lässt einem die häärchen auf den armen zu berge stehen. und darum gehts doch!

Kendall Von Tharn
00
22.7.2009, 17:33

zustimmung: king ist ein großartiger bluesman, aber sicher kein supergitarrist - was ja dem blues abträglich ist, da der eben davon nicht lebt.
was ich nicht verstehe: falls sie von john mclaughlin schreiben. der ist ein genie auf seinem instrument
santana hat meiner meinung zwei sehr gute scheiben abgeliefert: welcome und live mit wayne shorter, abraxas ist nett, aber black magic woman ist von peter green (bzw. fleetwood mac) und auch im original viel besser

rhabarbapapa
02
21.7.2009, 15:00

genau das!

Chief Cohiba
016
19.7.2009, 23:09
Wenn erst...

...einmal Nick Cave im Rahmen des Jazz Fest 2019 im Konzerthaus spielt, und Frau Fiona Strasssteinovski beglückt mit der Perlenkette rasselt, während der restlich Saal bei Mercy Seat fröhlich mitschunkelt - dann ist der Blues in Österreich endgültig den Sängerknaben zum Opfer gefallen!

Wenn aber die Abonnement-Besitzer den Saal verlassen, und dann im Parkett die Whiskeyflasche kreist - dann hat der Blues gewonnen...

Tante Herbert
01
19.7.2009, 23:16
Bon!

und grün!

Dumpstaphunk
42
19.7.2009, 21:40

diese kritik ist zum kotzen

Easy Rawlins
05
20.7.2009, 09:50

Tja, das ist der Fluch der Standard-Konzertkritiken.

Kendall Von Tharn
03
20.7.2009, 07:42

hat auch ein weisser geschrieben, bruder

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