Botschafter in Wien wegen Forderungen nach demokratischen Reformen gemaßregelt
Ouagadougou - In der westafrikanischen Republik Burkina Faso hat der seit 22 Jahren herrschende Staatschef Blaise Compaoré einen seiner engsten Gefolgsmänner, den stellvertretenden Chef der Regierungspartei "Kongress für Demokratie und Fortschritt" (CDP), Salif Diallo, ausschalten lassen, nachdem dieser politische Reformen und die Schaffung eines parlamentarischen Systems gefordert hatte. Diallos Mitgliedschaft in "sämtlichen Organen und Instanzen" der Mehrheitspartei sei ab sofort suspendiert, hieß es in einer am Samstag in der Hauptstadt Ouagadougou veröffentlichten Erklärung des Parlamentspräsidenten Roch Marc Christian Kaboré.
Der 52-jährige Diallo hatte sich in einem am 8. Juli veröffentlichen Interview für einen "institutionellen Neustart" durch Auflösung des Parlaments, Bildung einer Regierung der nationalen Einheit, Abhaltung allgemeiner Wahlen und Errichtung eines parlamentarischen Systems ausgesprochen, um eine "Paternalisierung" des Regimes zu vermeiden. Diallo ist seit Anfang des Jahres Botschafter in Wien, wo er sein Land auch bei den internationalen Organisationen vertritt und in fünf weiteren Ländern mitakkreditiert ist.
Compaore hatte 1987 als Armeehauptmann in Burkina Faso, dem ehemaligen Obervolta, mit Unterstützung der früheren Kolonialmacht Frankreich und des Nachbarstaates Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste) den linksgerichteten Präsidenten Thomas Sankara gestürzt. Seit 1992 wurden formal Mehrparteienwahlen abgehalten, aus denen das Lager des Staatschefs stets mit großer Mehrheit hervorging. (APA)