Krankenanstaltenverbund verteidigt Projektplanung, Opposition kritisiert Vorgehen
Wien - Vor vier Jahren rechnete die Stadtregierung noch mit 300 Millionen Euro Gesamtkosten für das neue Krankenhaus im Nordosten Wiens. Ein Jahr später sprach Finanzstadträtin Renate Brauner (SP) bereits von 600 Millionen für das neue "Wohlfühlspital", in das das Krankenhaus Floridsdorf, die Semmelweis-Frauenklinik, das Orthopädische Krankenhaus Gersthof sowie einige Abteilungen des Otto-Wagner-Spitals, des Wilhelminenspitals und des Krankenhauses Hietzing übersiedeln sollen.
Neuerdings werden 850 Millionen Euro für den 865 Betten fassenden Neubau, dessen Fertigstellung ursprünglich für 2011 vorgesehen war, kolportiert. Der Direktor des Wiener Krankenanstaltenverbundes, Wilhelm Marhold, will diese Summe für das Projekt allerdings nicht bestätigen - über den Errichtungspreis werde noch verhandelt. "Ich war viel zu optimistisch, als ich angenommen habe, dass das Spital 2011 fertig sein wird", sagt Marhold. Aufgrund der Einsprüche im Vergabeverfahren habe man ein Jahr verloren.
Gerüchte, dass das Kontrollamt einen Prüfauftrag gefordert und Marhold bereits vorgeladen habe, sind laut Marhold "völliger Quatsch". Er setze sich regelmäßig mit dem Kontrollamtsdirektor zusammen um Meinungen auszutauschen. "Ich schätze seine Expertise sehr."
Kritik an der Projektplanung kommt indes von der Rathausopposition: "Es ist unprofessionell, dass Marhold als Auftraggeber keine genauen Angaben zu Kosten und Finanzierung machen und auch keinen Zeitplan vorlegen kann", sagt die grüne Planungssprecherin Sabine Gretner. Sie will demnächst ein Maßnahmenpaket vorlegen, mit dem "steuerfinanzierte Bauflops" künftig verhindert werden sollen. VP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec hält die rote Stadregierung bei gesundheitspolitischen Großprojekten für "schlichtweg überfordert."
Wie viel es kostet, ist zwar noch offen, dass das neue Spital nicht an die U-Bahn angeschlossen ist, ist hingegen fix. Der Bau, der ein neues Zeitalter in der Wiener Gesundheitspolitik einläuten soll, ist nur mittels Schnellbahnline 3 sowie den Straßenbahnen 30 und 31 zu erreichen. Eine Verlängerung der U6 in den Nordosten kommt aus Geldmangel derzeit nicht infrage. Sicherheitshalber wurde der Standort für einen U-Bahn-Ausgang beim Spital aber dennoch in der Architekturwettbewerbsausschreibung festgehalten. (Martina Stemmer, DER STANDARD Printausgabe, 18./19.07.2009)