Wenn der Pegelstand gesunken und der Keller ausgepumpt ist, muss die Sanierung der Schäden rasch in Angriff genommen werden
Auf den meisten Kosten bleibt der Häuslbauer trotz Versicherung jedoch sitzen.
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In den meisten Teilen des Landes hat sich das Hochwasser längst zurückgezogen. Der endgültige Schaden, der im südlichen Niederösterreich, im Raum Amstetten, entlang der Steyr, im Burgenland sowie in der Steiermark aufgrund der starken Regenfälle entstanden war, ist allerdings noch nicht beziffert. Während der versicherte Schaden bei 100 Millionen Euro liegen dürfte, liegt der Gesamtschaden nämlich weit höher. Die exakte Summe wird dem Österreichischen Versicherungsverband erst nächste Woche vorliegen.
Doch Fakt ist: Auch wer eine private Versicherung gegen hochwasserbedingte Schäden hat, sollte nicht mit einer Volldeckung rechnen, denn bei Wohnhäusern sind die Leistungen der Versicherer begrenzt. Laut einer Studie von Joanneum Research blieben nach dem Hochwasser 2002 Häuslbauer auf bis zu 75 Prozent des Schadens sitzen. Aus diesem Grund empfehlen Fachleute, die Polizzen alle paar Jahre von einem unabhängigen Versicherungsmakler überprüfen zu lassen. Unter Umständen kann man auf neuere und bessere Produkte umsatteln.
Katastrophenfonds verspricht Hilfe
Zusätzliche finanzielle Hilfe verspricht der Katastrophenfonds. Im Regelfall kann man mit einer Erstattung von 20 bis 30 Prozent des erlittenen Sachschadens rechnen. In Härtefällen werden bis zu 80 Prozent abgedeckt. Anlaufstellen dafür sind die jeweiligen Gemeinden. Empfehlenswert ist eine möglichst rasche Meldung bei der Versicherung sowie bei der Gemeinde. Der Schaden muss in jedem Fall exakt dokumentiert werden.
Die Arbeit des Baumeisters kann beginnen, sobald Sofortmaßnahmen wie Auspumpen des Kellers und Entfernung des Schlamms abgeschlossen sind. "Im Massivbau ist es wichtig ist, den schadhaften Putz in Höhe des eingedrungenen Wassers abzuschlagen", sagt Gerhard Lahofer, Baumeister und stellvertretender Landesinnungsmeister von Niederösterreich. Im Anschluss beginnt die langwierige Prozedur der Trockenlegung mittels entsprechender Geräte und guter Durchlüftung des Hauses.
"Wenn das sach- und fachgerecht durchgeführt wird, sind keine bleibenden Schäden zu erwarten. Mauerwerk ist sehr geduldig", so Lahofer. Anders sieht es bei einer beschädigten Heizanlage aus. Da das Öl das Mauerwerk langsam zersetzt, müssen die betroffenen Mauern ausgetauscht werden.
Lange Trocknungszeiten
Beim Innenausbau muss differenzierter vorgegangen werden: Türstöcke müssen repariert oder ersetzt werden, der Fußbodenaufbau muss in jedem Fall abgetragen und erneuert werden. Bei Wandleichtbauten hingegen reicht es laut einer Studie der Holzforschung Österreich, die Wände bis zu einer Höhe von 30 Zentimeter über der Hochwassermarke zu öffnen und die betroffenen Gipskartonplatten sowie den darin befindlichen Dämmstoff zu entfernen. "Die Schadensbegutachtung sollte man von einem Holzbauunternehmen durchführen lassen", erklärt Manfred Brandstätter, Institutsleiter der Holzforschung Österreich, "je rascher die Konstruktion freigelegt wird, desto besser."
Bei einer Kellerüberflutung eines rund 100 Quadratmeter großen Wohnhauses könne man mit Gesamtkosten zwischen 12.000 und 15.000 Euro rechnen. Die baulichen Sanierungsarbeiten nehmen bis zu drei Wochen in Anspruch. Mitsamt den Trocknungszeiten für die Mauern und den neuen Estrich sind die Häuser ungefähr drei Monate lang beeinträchtigt.
Bester Schutz ist Vorbeugung
Der beste Schutz gegen Hochwasser ist und bleibt eine clevere Vorausplanung. Zu den vorbeugenden Maßnahmen in gefährdeten Gebieten zählen unter anderem wasserfeste Kellerfenster und -türen. Bei leichtem Hochwasser helfen auch ein umlaufender Betonsockel entlang der Grundstücksmauer und ein mobiler Hochwasserschutz im Bereich der Zufahrt.
Vor den Folgen sintflutartiger Regenfälle, wie das diesen Sommer der Fall ist, schützt aber einzig und allein das aufgeständerte Haus - eine Bauform, die in betroffenen Gebieten noch viel zu selten zum Einsatz kommt. Langfristig betrachtet ist dies eine Lösung, die Kosten und Nerven spart. (Sabine Lintschinger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.7.2009)