Hochwasser-Sanierung

Bauliche Genesis nach der Sintflut

17. Juli 2009, 19:37

Wenn der Pegelstand gesunken und der Keller ausgepumpt ist, muss die Sanierung der Schäden rasch in Angriff genommen werden

Auf den meisten Kosten bleibt der Häuslbauer trotz Versicherung jedoch sitzen.

***

In den meisten Teilen des Landes hat sich das Hochwasser längst zurückgezogen. Der endgültige Schaden, der im südlichen Niederösterreich, im Raum Amstetten, entlang der Steyr, im Burgenland sowie in der Steiermark aufgrund der starken Regenfälle entstanden war, ist allerdings noch nicht beziffert. Während der versicherte Schaden bei 100 Millionen Euro liegen dürfte, liegt der Gesamtschaden nämlich weit höher. Die exakte Summe wird dem Österreichischen Versicherungsverband erst nächste Woche vorliegen.

Doch Fakt ist: Auch wer eine private Versicherung gegen hochwasserbedingte Schäden hat, sollte nicht mit einer Volldeckung rechnen, denn bei Wohnhäusern sind die Leistungen der Versicherer begrenzt. Laut einer Studie von Joanneum Research blieben nach dem Hochwasser 2002 Häuslbauer auf bis zu 75 Prozent des Schadens sitzen. Aus diesem Grund empfehlen Fachleute, die Polizzen alle paar Jahre von einem unabhängigen Versicherungsmakler überprüfen zu lassen. Unter Umständen kann man auf neuere und bessere Produkte umsatteln.

Katastrophenfonds verspricht Hilfe

Zusätzliche finanzielle Hilfe verspricht der Katastrophenfonds. Im Regelfall kann man mit einer Erstattung von 20 bis 30 Prozent des erlittenen Sachschadens rechnen. In Härtefällen werden bis zu 80 Prozent abgedeckt. Anlaufstellen dafür sind die jeweiligen Gemeinden. Empfehlenswert ist eine möglichst rasche Meldung bei der Versicherung sowie bei der Gemeinde. Der Schaden muss in jedem Fall exakt dokumentiert werden.

Die Arbeit des Baumeisters kann beginnen, sobald Sofortmaßnahmen wie Auspumpen des Kellers und Entfernung des Schlamms abgeschlossen sind. "Im Massivbau ist es wichtig ist, den schadhaften Putz in Höhe des eingedrungenen Wassers abzuschlagen", sagt Gerhard Lahofer, Baumeister und stellvertretender Landesinnungsmeister von Niederösterreich. Im Anschluss beginnt die langwierige Prozedur der Trockenlegung mittels entsprechender Geräte und guter Durchlüftung des Hauses.

"Wenn das sach- und fachgerecht durchgeführt wird, sind keine bleibenden Schäden zu erwarten. Mauerwerk ist sehr geduldig", so Lahofer. Anders sieht es bei einer beschädigten Heizanlage aus. Da das Öl das Mauerwerk langsam zersetzt, müssen die betroffenen Mauern ausgetauscht werden.

Lange Trocknungszeiten

Beim Innenausbau muss differenzierter vorgegangen werden: Türstöcke müssen repariert oder ersetzt werden, der Fußbodenaufbau muss in jedem Fall abgetragen und erneuert werden. Bei Wandleichtbauten hingegen reicht es laut einer Studie der Holzforschung Österreich, die Wände bis zu einer Höhe von 30 Zentimeter über der Hochwassermarke zu öffnen und die betroffenen Gipskartonplatten sowie den darin befindlichen Dämmstoff zu entfernen. "Die Schadensbegutachtung sollte man von einem Holzbauunternehmen durchführen lassen", erklärt Manfred Brandstätter, Institutsleiter der Holzforschung Österreich, "je rascher die Konstruktion freigelegt wird, desto besser."

Bei einer Kellerüberflutung eines rund 100 Quadratmeter großen Wohnhauses könne man mit Gesamtkosten zwischen 12.000 und 15.000 Euro rechnen. Die baulichen Sanierungsarbeiten nehmen bis zu drei Wochen in Anspruch. Mitsamt den Trocknungszeiten für die Mauern und den neuen Estrich sind die Häuser ungefähr drei Monate lang beeinträchtigt.

Bester Schutz ist Vorbeugung

Der beste Schutz gegen Hochwasser ist und bleibt eine clevere Vorausplanung. Zu den vorbeugenden Maßnahmen in gefährdeten Gebieten zählen unter anderem wasserfeste Kellerfenster und -türen. Bei leichtem Hochwasser helfen auch ein umlaufender Betonsockel entlang der Grundstücksmauer und ein mobiler Hochwasserschutz im Bereich der Zufahrt.

Vor den Folgen sintflutartiger Regenfälle, wie das diesen Sommer der Fall ist, schützt aber einzig und allein das aufgeständerte Haus - eine Bauform, die in betroffenen Gebieten noch viel zu selten zum Einsatz kommt. Langfristig betrachtet ist dies eine Lösung, die Kosten und Nerven spart.  (Sabine Lintschinger, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.7.2009)

Kommentar posten
10 Postings
Norbert Müller
 
03
20.7.2009, 09:39
"unabhängigen Versicherungsmakler"

hahhaha............


, sorry, mich hats gerade vom sessel gschmissen, geht schon wieder.

ich bin seit über 20 jahre in der versicherungsbranche, leute glaubts es mir, so was kann es schon rein technisch gar nicht geben.

Antun Zonger
00
18.7.2009, 17:12
Selbst schuld ist der,

der sofort mit dem Putzabklopfen beginnt: Zentralheizung an, Dauerbrandofen mit Koks füllen und einheizen!
Meist trocknet die Mauer ohne Schäden wieder aus, sofern solide gebaut war. Wir jedenfalls haben 2006 bereits das Flußwasser geheizt. Und den Keller nur dann auspumpen, wenn er dicht ist....
Bei Gipskartonwänden und Ähnlichem ist der Schaden allerdings schon bei der Planung verursacht worden...

Igor Gassner
00
20.7.2009, 07:42
Der Geruch mein Lieber Freund der Geruch

Jan Nesbeda, MPr
00
20.7.2009, 20:45

Der Geruch ist harmlos gegen den Geruch von Kalk- und Zementstaub. Und vor allem verschindet er, sobald alles trocken ist.
Der schlimmste Geruch ist übrigens der nach Salz. Denn da weiß man, daß man das Entfeuchtungsgerät verwendet, um das Haus möglichst effizient zu zerstören. Ich habs sofort ausgeschaltet und zurückgegeben. Heizen, heizen, was anderes hilft nicht oder es ist zu teuer.

Norbert Müller
 
00
20.7.2009, 09:57
ziegelmassivhäuser kannst locker austrocknen, wenns ganz trocken ist ist auch der geruch weg. gibt auch spezielle fraben welche den geruch stoppen.

..aber holzriegelhäuser kannst immer total abreissen, da gibts kein reparieren. hab einen bankannten in spitz, dem ist in seinem fertigteilhaus nur ein paar zentimenter über der fundamentplatte das wasser gestanden, nun muss das haus abgerissen werden. versicherung zahlt aber soviel er mir gesagt hat fast nichts. Mir ist bis heute nich klar wie man sich überhaupt ein fertigteilhaus bauen kann.

blablablub
03
18.7.2009, 16:17
nur ein gedanke..

..für bekannt Hochwasser gefährdete Gebiete/Flächen nur eine Baugenehmigung für z.B.: ebensolche aufgeständerten Häuser oder wenn Hochwasserschutz miteingeplant wurde?

so einfach ist's (wahrscheinlich) auch wiedr nicht..obwohl..

aber auf Dauer sicher billiger solche Bauweisen zu fördern (staatlich) als fast jedes Jahr Hab und Gut zu verlieren, zu sanieren/reparieren usw.. RT

Antun Zonger
00
19.7.2009, 09:07
Auch nur ein Gedanke: Der sparsame Umgang mit Hochwasser!

Die Effizienzsteigerung im technischen Wasserbau führte bereits zu beachtlichen Ergebnissen: Dammbauten aus den Jahren nach 1850 führten dazu, daß bei Dammbrüchen bereits Gebiete überflutet wurden, die vorher immer trocken gewesen waren. Woraufhin ab 1908 ff. die Dämme verstärkt wurden. Was dazu führte, daß 1941 die Dämme erhöht wurden. Was dazu führte, daß das Hochwasser 1997 bei selbem Durchfluß wieder einen Meter höher war und der letzte Weinkeller zugeschüttet wurde. Und die Dämme wurden - diesmal nur am linken Ufer - erhöht. Und 2006 war man bereits 2 Meter höher als 1941. Das nenne ich Effizienz im sparsamen Umgang mit Hochwasser!

dhl
00
21.7.2009, 09:16
Vor meinen Augen wird gerade eine von vielen

winzigen Ortschaften von einem großen Unternehmen asphaltiert. Auftraggeber ist die Gemeinde.
Nebenbei werden Innenhöfe, Zufahrten und sonstige Flächen zu konkurrenzlosen Preisen zugepflastert: Die Maschinen `borgen´sich die Straßenarbeiter gratis aus und so wird Tag und Nacht für einen Zusatzverdienst munter dahingewerkt.
Wo das Wasser hingeleitet wird, interessiert hier niemanden.
Die Donauanrainer weit weg werden sich noch freuen.

zeitvertreib
15
18.7.2009, 00:11

katastrophenfonds sind die eigentlichen katastrophen.

meine aufrichtige anteilnahme an alle die nicht wußten wo sie wohnen aber:
durch katastrophenfonds entsteht der eindruck man sei einem nicht vorhersehbaren ereignis zum opfer gefallen.

das stimmt ganz einfach nicht.

in den letzen 60 jahren sind (vor allem privat-) häuser in überschwemmungsgebieten gebaut worden bzw. wohnungen - in niemals für wohnungen geeignete historische gebäude - von altstädten (zb steyr) umgenutzt worden.

rückbau und umnutzung (bei gleichzeitig geförderten zumutbaren alternativen)ist die einzige möglichkeit um nicht weitere 60 jahre steuergelder in milliardenhöhe zu verprassen.

good old europe
00
19.7.2009, 10:34
Klar,

Regen fällt ja bekanntlich immer an der selben Stelle, nur die, die kein Grander-Wasser trinken, wissen das nicht.

Und weil wir ja so gerne im Kommunismus leben, haben wir mit Umsiedlung kein Problem.

Steuergelder verprassen wir ja lieber sinnlos mit esoterischen alternativen Energieformen.

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