"Die Reise zum Mond" gilt heute als Ur-Werk des Science-Fiction-Genres

    20. Juli 2009, 12:55
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    Finnische Parodisten bringen Nazis auf unseren Trabanten - "Iron Sky" soll 2011 ins Kino kommen

    Hamburg - Das Thema "Menschen auf dem Mond" hat Filmemacher seit Erfindung der Cinematographie fasziniert. Schon der Stummfilmpionier Georges Melies hat im Jahr 1902 Männer in eine kleine Raumkapsel gesteckt und diese durch eine gewaltige Kanone auf den Mond geschossen. Dort sind sie genau im rechten Auge des freundlichen Mondgesichts gelandet. Der 16 Minuten lange Film "Die Reise zum Mond" gilt heute als Ur-Werk des Science-Fiction-Genres.

    In dem britischen Film "Die erste Fahrt zum Mond" (1964) landen ein Amerikaner, ein Russe und ein Brite als erste Menschen auf dem Erdtrabanten. Doch vor ihnen war schon einer da: Sie entdecken eine englische Fahne und ein Dokument aus dem Jahr 1899. Das Wettrennen der Supermächte hat der amerikanische Altmeister Robert Altmann in einem seiner frühen Werke thematisiert. "Countdown: Start zum Mond" (1967) versetzt den Star James Caan als Zivilisten auf dem Mond in eine missliche Lage.

    Kubricks Klassiker

    Der Mond spielt auch eine wichtige Rolle in Stanley Kubricks Science-Fiction-Klassiker "2001 - Odyssee im Weltraum", der nach jahrelangen Dreharbeiten 1968 uraufgeführt wurde. Inspiriert von den realen Möglichkeiten der bemannten Raumfahrt schuf Kubrick einen hoch philosophischen und stilbildenden Trip ins All. Erste Station ist die "Mondstation Clavius". In deren Nähe entdecken Raumfahrer einen riesigen glattschwarzen Monolithen, vier Millionen Jahre alt. Der Quader sendet ein starkes Signal Richtung Jupiter: Die Mission der Menschen geht weiter.

    "Kubrick, Nixon und der Mann im Mond" heißt ein Film von William Karel, der sich als "Mockumentary" versteht, als nicht ganz ernst gemeinten Dokumentarfilm. Der Streifen aus dem Jahr 2002 spielt mit der Verschwörungstheorie, wonach die Mondlandung von Apollo 11 nur ein von der US-Regierung in Hollywood-Studios inszeniertes gewaltiges Täuschungsmanöver gewesen ist. Regie soll - so die These - ausgerechnet Stanley Kubrick geführt haben.

    Dokumentarfilm

    Jeden Zweifel, dass tatsächlich Menschen ihre Füße auf den Mond gesetzt haben, beseitigt der Dokumentarfilm "Im Schatten des Mondes" (2008). Die Apollo-11-Mission steht im Zentrum der Dokumentation, in der Apollo-Astronauten sehr emotional und aus höchst unterschiedlichen Perspektiven über ihre gefährlichsten und bewegendsten Momente im All sprechen.

    Parodie

    Die Raumschiff-Enterprise-Parodie "Star Wreck - In The Pirkinning" eines Häufleins von Enthusiasten rund um den finnischen Science-Fiction-Freak Samuli Torssonen (30) war ein Internet-Hit. Jetzt legt das Team ein Schäuferl nach und - im Gegensatz zu "Star Wreck" - bald einen professionell gemachten Film vor: Bis Ende kommenden Jahres soll der Film "Iron Sky" (Eisener Himmel) fertig sein und 2011 ins Kino kommen - passend zum 40-Jahr-Jubiläum der ersten Mondlandung ein Film über Nazis am Mond. "Das ist ein kleiner Schritt für den Menschen, aber ein großer Schritt für das Vaterland", heißt es im Filmtrailer

    Laut Eigendefinition seiner Macher handelt es sich um eine "auf absurder Handlung basierende, satirische Action-Komödie". Die Zusammenfassung dieser Handlung liest sich entsprechend: Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hat sich eine elitäre Restgruppe von Nazis mit Hilfe einer geheimnisvollen Antigravitationstechnologie auf die Rückseite des Mondes geflüchtet. Auf der in Albert-Speer-Manier gestalteten Basis "Schwarze Sonne" planen sie ihre Rückkehr auf die Erde und deren Eroberung im Jahr 2018. Kurz vor dem geplanten Start der Invasionsflotte mit dem Flaggschiff "Götterdämmerung" werden sie jedoch von einer US-Mission entdeckt. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

    Hintergrund

    Anders als die aus eigener Tasche in siebenjähriger Hobby-Arbeit erstellte Vorgängerarbeit "Iron Sky" ein beinahe herkömmliches kommerzielles Unterfangen. Torssonen & Co. haben eine eigene Produktionsfirma gegründet ("Wreck a Movie"), die bereits mit Spezialeffekten für andere Projekte beauftragt wurde. Anstatt wie bei "Star Wreck" die Rollen selbst zu spielen, wurden für "Iron Sky" professionelle Schauspieler, darunter Udo Kier, Tilo Prückner, Götz Otto und Julia Dietze angeheuert. Das Drehbuch kommt von der im Jahr 2000 mit dem staatlichen Finlandia-Literaturpreis ausgezeichneten Sci-Fi-Autorin Johanna Sinisalo.

    Das Gesamtbudget ist mit 4,2 Mio. Euro für finnische Verhältnisse recht stattlich veranschlagt. Die Filmförderung in Helsinki steuert immerhin 800.000 Euro bei. Der Rest der Summe soll unter anderem von Walt Disney Finland, dem Finnischen Rundfunk sowie von mehreren deutschen und britischen Firmen kommen. (APA/red)

    Link
    Iron Sky (mit Filmtrailer)

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