Der Knatterton des Stepp

17. Juli 2009, 16:59
1 Posting

Zur Eröffnung von Impulstanz ließ der US-amerikanische Stepp-Star Savion Glover seinen virtuosen "happy feet" im MQ freien Lauf

Wien - Die Eröffnung eines Festivals für zeitgenössischen Tanz durch einen Stepptänzer kann eine gute Idee sein. Und Savion Glover, geboren 1973 im amerikanischen Newark (New Jersey) ist ein begnadeter Stepper. Entsprechend erwartungsvoll strömte Donnerstagabend eine schier unüberschaubare Menge an Zuschauern in den Haupthof des Museumsquartiers, wo Glover zum Auftakt des Impulstanz-Festivals drauflos knatterte.

Der Stepptanz, in den 1830er- Jahren in New York entwickelt, wo auch Glover tanzen lernte, war ursprünglich ein Straßentanz wie später der HipHop. Die großen Namen des Tap kennt bis heute so gut wie jeder: Fred Astaire mit seiner Ballroom-Virtuosität und Gene Kelly, der seinen Stil auf die Basis einer Ballettausbildung setzte.

Er ließ die Pinguine tanzen

Eine lange Blütezeit erlebte der Tap zwischen 1900 und Mitte der 50er-Jahre. Seine erstaunliche Popularität verdankt er so berühmten Filmen wie Singin' in the Rain, On the Town - oder später Tap mit Gregory Hines und Sammy Davis Jr., in dem auch Glover mittanzte.

Der aus dem Irish Dance gefilterte Stepptanz begeisterte die Massen in den 1980er-Jahren durch die effektvollen Shows des Amerikaners Michael Flatley. Disziplin, Leichtigkeit und Virtuosität kennzeichnen den Tap, der den Tänzerkörper zu einem Percussion-Instrument verwandelt und dem in Bühnen- und Filmwerken ein theatrales Element hinzugefügt wurde. Savion Glover wirkte als Motion- Capture-Tänzer und als Ko-Choreograf in dem Animationsfilm Happy Feet von 2006 mit, in dem entzückende Pinguine tanzen.

Es geht natürlich auch anders: Eine härtere Methode, den Tap anzuwenden, wird später im Festival bei Ann Liv Youngs Abrechnung mit der amerikanischen Sklavereigeschichte, The Bagwell in me, zu sehen sein. Glover dagegen bleibt ganz der Musiker und Entertainer, er ist funky, bringt HipHop-Motive mit und jammt zu Jazz-Klängen - in einem ganz eigenen, lockeren Stil mit gebeugtem Oberkörper und hängenden Armen.

Diese konnte das Publikum beim Open Air im Museumsquartier ausgiebig studieren, denn Beine und Füße des Tänzers blieben den meisten wegen des zu niederen Bühnenpodests verborgen. Und weil sich die sensible Akustik etwas verlor und die Klänge der Stepper - Glover brachte auch zwei Mittänzer auf die Bühne - zum Teil nicht richtig zu hören waren, blieb die ganz große Begeisterung weg.

Der Tap-Star schien auch nicht richtig in Stimmung zu kommen, die Umstände dürften ihn eher gebremst als befeuert haben. Ganz anders wirkte sein Soloauftritt am Mittwochabend in dem neuen Kulturzentrum einer großen Glücksspiel-Firma, in der die diesjährige Festival-Lounge untergebracht ist.

Da erreichte die Differenziertheit des Wechselspiels zwischen Tänzer und Musikern das Publikum. Glovers Tanz ist offenbar für große Veranstaltungsplätze nicht wirklich geeignet. Er braucht eine gewisse Intimität. Das kann am Montag in der Halle G des Museumsquartiers überprüft werden, wo Glover und seine "Hooferz" ein Pogramm mit dem Titel Bare Soundz zum Besten geben werden.

Im Lounge-Gebäude zeigten, sozusagen als Vorspiel zu Impulstanz, die Choreografen Kerstin Kussmaul und Jan Burkhardt eine Performance zu Erik Saties Stück Vexations (ca. 1893), das in seiner Aufführung 840-mal wiederholt werden muss. Die als Installation eingerichtete Arbeit dauerte 21 Stunden, doch es gibt etwa auch eine 28-stündige Version des Pianisten Armin Fuchs, der den Marathon allein bewältigte.

Sie nannten es Arbeit

Kussmaul, Burkhardt und ihr Gast Stephen Wittington teilten sich die Arbeit am Klavier und fügten ihr den neckischen Untertitel Wir nennen es Arbeit hinzu, obwohl ihr Spiel im Vergleich zu der Leistung von Fuchs ein leichtes war. Der Versuch, sich als Helden der Werktätigkeit hinzustellen, wirkt also etwas aufgesetzt.

Die laut Programm "ausgeklügelte" Rauminstallation der Architekten Feld 72 bestand aus schwarzen Noppenmatten, die auf den Boden des Aufführungsraums gelegt worden waren. Gemäß einer undurchsichtigen Logik konnte man sich den Eintrittspreis zizerlweise zurückverdienen - diese Idee stärkte die Arbeit auch nicht gerade. (Helmut Ploebst, DER STANDARD/Printausgabe, 18./19.07.2009)

  • Der begnadete Virtuose Savion Glover trat mit seinen "Hooferz"  auch schon vor Hillary und Bill Clinton im Weißen Haus auf.
    foto: glover prod.

    Der begnadete Virtuose Savion Glover trat mit seinen "Hooferz" auch schon vor Hillary und Bill Clinton im Weißen Haus auf.

Share if you care.