Contemporary Krise

17. Juli 2009, 16:20
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Auch die Auktionshäuser in London und New York haben keinen Grund zu jubeln - Die Zwischenbilanz des Jahres fällt düster aus

Das Managen des wirtschaftlichen Abschwungs beschäftigt die Führungsebene der Auktionshäuser weit intensiver, als die Ergebnisse aus den Versteigerungen überhaupt vor Augen führen können. Dass die Halbjahresbilanz angesichts schwindender Umsätze noch schlimmer hätte ausfallen können, bleibt im derzeitigen Marktklima tatsächlich nur ein schwacher Trost. Die Rekordmaschinerie steht nahezu still.

Damit muss man seit Herbst 2008 auf ein bewährtes, für Einbringer durchaus motivierendes Marketingtool verzichten. Gleichzeitig kann man sich den Luxus von im Vorfeld einer Versteigerung erteilten Garantien schlicht nicht mehr leisten. Beides hat zu einer massiven Verschärfung der Situation an der Akquisitionsfront geführt. Wer nicht muss, der trennt sich von seinen Kunstwerken aus Angst vor konkreten monetären Verlusten derzeit einfach nicht.

Wer muss, der hat - nicht selten aus Imagegründen - zunehmend Scheu, dies in aller Öffentlichkeit zu tun, die Auktionssäle naturgemäß mit sich bringen.

Mit ein Grund, warum sowohl Sotheby's als auch Christie's in den vergangenen Monaten ihre Bemühungen auf dem Sektor sogenannter "Private Sales" , zum Teil unter dem Mäntelchen "Collection Management Opportunities" (Christie's), deutlich verstärkt haben, wie die den Katalogen zuletzt konsequent beigelegten Schreiben der verantwortlichen Departments dokumentieren. Die Vorteile liegen auf der Hand: Zeitlich ist man nicht an die etablierten Auktionstermine in New York und London gebunden, kann auf das Know-how des Expertenteams vertrauen. Vor allem aber bietet diese Vermittlungsform höchste Diskretion.

Bei Sotheby's stieg der Umsatz aus dem Private Sales Segment innerhalb der letzten drei Jahre auf 1,48 Milliarden Dollar, bei Christie's schlug sich diese Vertriebsschiene im gleichen Zeitraum mit 669,4 Millionen Pfund bzw. umgerechnet 1,3 Milliarden Dollar zu Buche. Die Entwicklung verdankt der Markt allerdings nicht ausschließlich dem bloßen Trend zur Verschwiegenheit, sondern auch floppenden Kunstwerken, für die zuvor erteilte Preisgarantien schließlich nicht erzielt werden konnten. Statt als gebundenes Kapital die Depots der Auktionshäuser zu füllen, wechselte nicht nur ein Hochkaräter dann hinter den Kulissen den Besitzer.

Eine detaillierte Zwischenbilanz veröffentlichen die beiden Marktführer erst Anfang August. Gesichert ist, dass die seit Herbst 2008 forcierten Einsparungen bei den operativen Ausgaben nur bedingt Einnahmelücken schließen konnten. Die seit Jänner abgehaltenen Auktionen führen die Realität drastisch vor Augen. Die Umsätze der einzelnen Sparten sind zwar aufgrund des spärlicheren Angebotes nicht vergleichbar, blieben jedoch hinter den Erwartungen zurück, wie auch die rückläufigen Verkaufsquoten zeigen.

Während die Mittelware wieder an Bedeutung gewinnt, brach die Spitze weg. Besonders dramatisch zeigt sich der Vergleich des geschrumpften Wertvolumens der zehn höchsten Auktionsergebnisse: gegenüber 2007 um 48 (London) bzw. 76 (New York) Prozent, im Vergleich zu 2008 um 61 (London) bzw. 77 (New York) Prozent.

In diesem Spitzenfeld traf es die Sparte Contemporary am schlimmsten: In London musste man das Feld den Impressionisten überlassen, kein einziges zeitgenössisches Kunstwerk schaffte es unter die Top Ten, in New York halbierte sich deren Anteil auf drei Platzierungen, ebenfalls zum Vorteil der Impressionisten und Alten Meister. Der bitteren Pillen nicht genug, könnte die Formation des aktuellen Rankings bis zum Ende des Jahres die gleiche bleiben. 2008 schafften es in New York in der zweiten Jahreshälfte nur drei Zuschläge unter die Top Ten, in London kein einziger. (Olga Kronsteiner, ALBUM - DER STANDARD/Printausgabe, 18./19.07.2009)

  • Höchster Zuschlag: Picassos "Mousquetaire"  mit 14,64 Mio. Dollar.
    foto: christie's

    Höchster Zuschlag: Picassos "Mousquetaire" mit 14,64 Mio. Dollar.

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