Beruf Schriftsteller

"Jeder Autor hofft auf einen Bestseller"

Marietta Türk, 5. August 2009, 12:10
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    foto: jan kossdorff

    Zur Person

    Jan Kossdorff ist ausgebildeter Drehbuchautor, arbeitete als Online-Redakteur und Internet-Manager. Seit 2002 Texter und Konzeptionist in der Werbung. Gründer und DJ des "Ampers-Club", eines Wiener Rock-Klubs und Musikertreffs.

     

    Kurzgeschichte auf der Longlist des Wortlaut-Literatur-Wettbewerbs und Veröffentlichung im Rahmen der Werkstätte Buchverlag. Eigene Textserie, die als Email-Abonnement zu beziehen war. Des Weiteren: Comics, Songs und Webvideos (u.a. für Gerhard Haderer und Manfred Deix).

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    foto: buchcover/milena verlag

    Buchtipp

    Kossdorff, Jan
    Sunnyboys
    Milena Verlag
    ISBN 10: 3852861764
    ISBN 13: 9783852861760

Die romantische Vorstellung des schöpferischen Schriftstellers im Sommerdomizil entspricht nur in den seltensten Fällen der Realität - derStandard.at/Karriere traf sich mit Jan Kossdorff, einem jungen österreichischen Autor, der mit beiden Beinen fest am Boden steht

"Es ist toll, wenn man merkt, man hat jemandem sein Lieblingsbuch geschrieben", meint Jan Kossdorff. Der 34-jährige Autor gab mit "Sunnyboys" heuer sein Romandebüt. In petto hatte er die Geschichte schon länger. Mit Marietta Türk sprach er darüber wie sein Buch entstanden ist und wie es eigentlich ist, Schriftsteller zu sein.

derStandard.at: Wie kam es zur Entscheidung einen Roman zu schreiben?

Kossdorff: Ich habe vor dem Platzen der Blase in einer Internetfirma gearbeitet. Danach habe ich meine Erlebnisse - sozusagen als Therapie - niedergeschrieben. Freunde und Bekannte konnten die Geschichten damals per Mail abonnieren. Das war mein erster Zugang zum Schreiben. Damals habe ich aber nicht aktiv nach einem Verlag gesucht.

Seit 2002 habe ich als Werbetexter gearbeitet. In der Zeit von sieben Jahren ist Sunnyboys dann entstanden - es war also keine spontane Entscheidung. Ich war unterschiedlich motiviert. Habe es dann zwischendurch wieder liegen gelassen und 2008 dann die zweite Hälfte zu Ende geschrieben.

derStandard.at: Wie sah die Recherchearbeit für den Roman aus?

Kossdorff: In meinem Buch Sunnyboys geht es um zwei Brüder, die ein Solarium aufmachen. Einer davon arbeitet nebenbei als Privatdetektiv. Ich habe früher im fünften Bezirk gewohnt, da hat es so ein privates Sonnenstudio gegeben und das hat mich inspiriert. Der Bruder eines Freundes besaß auch einmal ein Sonnenstudio. Wie die Arbeit als Detektiv ist, hat mir ein Freund geschildert, dessen Ausbildungsunterlagen ich mir ausborgen durfte. Ich selbst habe auch ein Abo der Zeitschrift "Der Detektiv".

Der Rechercheaufwand für meinen Roman war geringer als das Ausmaß der Gedankenarbeit die Geschichte zu konstruieren: Wie entwickeln sich die Charaktere, wie geht die Geschichte weiter, wo sind die Plot Points usw. Diese Konstruktionsarbeit ist absolut unglamourös. Erfüllend ist das Schreiben selbst. Man muss die Charaktere im Griff haben. Manche Figuren lehnen Entscheidungen des Autors auch ab, man merkt dann, die Geschichte passt so nicht.

derStandard.at: Im weiteren Sinn beschäftigt sich der Roman auch mit dem Thema Beruf. Warum ist einer der Hauptschauplätze ausgerechnet ein Sonnenstudio?

Kossdorff: Ein Sonnenstudio zu führen ist nicht der attraktivste Job, den man haben kann, aber für die beiden Brüder im Roman ist es das Beste, das sie je hatten und es funktioniert auch. Das Sonnenstudio kann gut darstellen, was ich erzählen will: eine Geschichte über eine Familie, in der die Mitglieder zwar Potenzial haben, aber schlussendlich doch immer alles verbocken.

derStandard.at: Wie schwierig ist es sich als Jungautor am österreichischen Buchmarkt zu behaupten?

Kossdorff: Einen Verlag zu finden, ist die erste Hürde, an der viele scheitern. Aber auch mit einem guten Verlag im Hintergrund verkauft sich ein Buch nicht von selbst. Lesungen, Rezensionen und Preise helfen.

derStandard.at: Wovon leben Sie?

Kossdorff: Ich bin freiberuflicher Werbetexter, Konzeptionist und Drehbuchautor - diese Tätigkeiten übe ich aus und verdiene damit auch Geld. Während des Schreibeprozesses verdient man nichts. Vom Buchschreiben alleine kann man nicht leben, außer man landet einen Bestseller. Jeder Autor hofft insgeheim darauf. Aber dafür muss man einen Nerv treffen. Und Mundpropaganda ist wahnsinnig wichtig. Ich möchte aber auch nicht nur Schreiben - da könnte das Leben vorbeiziehen.

derStandard.at: Wie schwierig ist es als Debütant in der österreichischen Literaturszene Fuß zu fassen?

Kossdorff: Ich möchte intelligente, substanzielle Unterhaltung bieten. Das Problem: Durch die Aura der Unterhaltung wird man im deutschsprachigen Raum literarisch weniger ernst genommen. In der englischen Literatur ist das anders, Nick Hornby ist ein gutes Beispiel dafür.

Dadurch, dass man in der Unterhaltungsecke steht, wird man auch weniger zu Lesungen eingeladen - ein großer finanzieller Aspekt, denn mit Lesungen verdient man mehr als mit dem Verkauf. Viele wären überrascht wie schlecht sich manche gut besprochenen Bücher verkaufen.

derStandard.at: Ist es anstrengend Promotion für das Buch zu machen?

Kossdorff: Nein, mir macht es Spaß, auch, weil ich von meinem Produkt überzeugt bin.

derStandard.at: Was verbinden Sie mit dem Begriff Karriere?

Kossdorff: Der Begriff an sich ist für mich eher negativ besetzt. Aber eine gute Karriere bedeutet für mich einen Einklang aus finanziellem Überleben und der Verwirklichung von Zielen.

derStandard.at: Was sind die Pläne für die Zukunft?

Kossdorff: Es wird noch mehr Bücher von mir geben. Nächstes Jahr schon erscheint das nächste.

derStandard.at: Wollten Sie als Kind schon Schriftsteller werden?

Kossdorff: Ich wollte Tierschützer in Afrika werden. "Die Serengeti darf nicht sterben" hat mich fasziniert. (derStandard.at, 5.8.2009)

multivitamin saft
 
00
18.2.2011, 17:28

gutes buch. sicher kein jahrhundertroman, aber als alltagslektüre durchaus auch gedankenfutter.

rainjar
10
Que huevada!

Der Mann zitiert ja selbst zum Schluss Grzimek, und damit Hemingway (der sich für das Projekt engagierte) - einen Autor, der mit seinem Schreiben beides machte: hohe Kunst und Unterhaltung - siehe etwa "Der Garten Eden" oder "In einem anderen Land" - (völlig im Gegensatz zu unseren heutigen sensationell plumpen und beschreibungsunfähigen Stars wie Kehlmann). Oder Graham Greene, oder Francis Scott Fitzgerald usw. usf. - Also: Aussage ungültig. Y punto.

opinion leader1
10
...

tja plus tantiemen für repro, bibliothek usw.

bei der musik ist das alles etwa ein zehntel...

Herbert Lauritz
02
Viel Glück

Das Schreiben ist schon ein hartes Brot. Im Schnitt gibts einen Euro pro verkauftem Buch. Da können nur ganz wenige davon leben. Respekt, wenn das jemand durchzieht!

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