Gesetz, General, Politik gegen Oberhauser

16. Juli 2009, 19:01
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Sportkanal nicht einfach abzuschaffen, sagen SPÖ, ÖVP, Verbände - Mück kann ohne

Wien - Geht nicht, gibt's doch: ORF-Infodirektor Elmar Oberhauser überraschte Medienpolitik und Sportverbände, seinen Generaldirektor (und seinen Sportchef), er drehe aus Sparzwang den Spartenkanal ORF Sport Plus ganz ab. Bis auf den Sportchef weisen sie das Vorhaben zurück. Und das ist nicht das einzige Hindernis.

Schon das ORF-Gesetz liegt quer: Paragraf 9a schreibt der Anstalt einen TV-Kanal vor mit "umfassender Information über alle sportlichen Fragen", der sportliche Betätigung des Publikums fördert und zudem weniger breitenwirksame Sportarten zeigt.

Gesetze kann man ändern, die Koalition verhandelt seit Monaten Neuerungen, wenn auch inzwischen der Elan schwand. Wie Medienstaatssekretär Josef Ostermayer (SP) und VP-Klubchef Karlheinz Kopf auf Oberhauser reagierten, klingt nicht nach Verständnis. Ostermayer zum Standard: "Unkoordinierte Einzelinitativen, die nicht abgestimmt sind, helfen dem Unternehmen nur bedingt. Ich würde einen akkordierten Gesamtplan notwendiger Einsparungen im ORF begrüßen, der dann beurteilt werden kann." Er verweist auf die Rechtslage.

Etwas später Kopf: "Es wäre besser, würden nicht einzelne Ideen an die Öffentlichkeit getragen, die insgesamt nicht aufeinander abgestimmt sind." Auch er reklamiert einen Gesamtplan und erinnert ans Gesetz. So einig klangen die beiden bisher selten in Sachen ORF.

Oberhausers Chef Alexander Wrabetz ereilten die Aussagen im Urlaub. Er ließ ausrichten, es gebe keine Entscheidung, Sport Plus einzustellen. "Der ORF wird auch künftig seine in Paragraf 9a festgelegten Aufgaben wahrnehmen."

Aber: "Art und Umfang müssen sich zwangsläufig nach den ökonomischen Möglichkeiten des Hauses richten." Subtext: Gilt die Regierung Gebührenbefreiungen nicht ab, gibt es merklich weniger Sport Plus. Wiederholungen aus dem Hauptprogramm sind billig.

Oberhauser drohte zeitgerecht zum Sommerfest der Bundessportorganisation BSO am Donnerstagabend. Ohne TV-Präsenz keine oder weniger Sponsoren für Sportverbände. Also protestierten erwartungsgemäß Volley- und Handballer, Tischtennis- und Tennisvertreter, und Sportminister Norbert Darabos sowieso. Er unterstütze den Erhalt des Kanals "mit voller Kraft". Tut er das beim Finanzminister in Sachen Gebühren, kann das dem ORF nur recht sein.

TW1 wäre "nicht erschüttert"

ORF Sport Plus ist Untermieter bei TW1. Einen Entfall fände Werner Mück, TW1-Geschäftsführer bis Jahresende "nicht erschütternd". Die Einbußen wären "nicht so gewaltig". Insider schätzen sie auf 20 Prozent des Budgets von TW1. Der Sender läuft "ohne Verluste", sagt Mück: "Wir könnten die Flächen selbst nützen, oder es gibt andere Interessenten." Mück schweigt zu Szenarien aus dem ORF, TW1 zu verkaufen, wenn der dort geplante, gebührenfinanzierte Infokanal nicht per Gesetz kommt. (Harald Fidler/DER STANDARD, Printausgabe, 17.7.2009)

  • Nur nicht aus den Augen lassen: Wrabetz (li.), Oberhauser.
    foto: standard/hendrich

    Nur nicht aus den Augen lassen: Wrabetz (li.), Oberhauser.

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