Militärische Drohgebärden am Suez-Kanal

16. Juli 2009, 18:50
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Israel verlegt Kriegsschiffe und U-Boot ins Rote Meer - Experten: Signal an Teheran

Wien - Dass innerhalb nur weniger Tage mehrere israelische Kriegsschiffe und ein U-Boot den Suez-Kanal passiert haben, nährt die Spekulationen über einen möglichen israelischen Angriff auf iranische Atomanlagen.

Anfang der Woche durchquerten zwei israelische Kriegsschiffe des Typs Sa'ar 5 den Suez-Kanal. Beide Schiffe sollen in das Rote Meer verlegt worden sein. Noch mehr Aufsehen erregt hat die Durchfahrt eines U-Bootes der Delphine-Klasse vom Mittelmeer über den Suez-Kanal bis nach Eilat. Boote der Delphine-Klasse können mit Atomraketen bestückt werden, zudem war es die erste Fahrt eines Delphine-Klasse-Schiffs durch den Kanal. Militärexperten sprechen daher von klaren Drohsignalen Israels an den Iran, die Rede ist von "Gunboat-Diplomacy". Israel wirft dem Iran ja vor, unter dem Deckmantel eines zivilen Programms am Bau von Atomwaffen zu arbeiten. Israel verlege nun Kriegsschiffe ins Rote Meer, um sie im Kriegsfall schneller in den Persischen Golf und damit vor die iranische Küste schicken zu können, berichtete Donnerstag die Times unter Berufung auf hochrangige anonyme israelische Quellen.

Von einer Machtdemonstration spricht auch Walter Posch, Forscher an der österreichischen Landesverteidigungsakademie, im Standard-Gespräch. Die israelischen Kriegsschiffe könnten den Iran nicht beeindrucken, wohl aber die Durchfahrt eines mit Atomwaffen bestückbaren U-Bootes. "Israel macht klar, dass es stärker ist."

Die Verlegung der Schiffe gilt auch deswegen als heikel, weil sich in den vergangenen Wochen Meldungen über einen israelischen Militärschlag gehäuft haben. Anfang Juli tauchten Berichte auf, wonach Saudi-Arabien Israel im Falle eines Angriffes die Überflugserlaubnis erteilt hätte. Israel dementierte. Nicht dementiert, sondern sogar explizit bestätigt wurde, dass die israelische Luftwaffe noch im Juli in Nevada gemeinsam mit der US-Luftwaffe Langstreckenflüge trainieren möchte.

Rhetorische Unterstützung für Israel kam jedenfalls aus Kairo: Der ägyptische Außenminister Ahmed Aboul Gheit erklärte ausdrücklich, seine Regierung habe die Durchfahrt der israelischen Kriegsschiffe explizit genehmigt. Weiter gesprächsbereit zeigten sich Mittwochabend die Amerikaner: Die USA sind weiter offen für Verhandlungen mit Teheran, sagte Außenministerin Hillary Clinton. "Die Zeit zu handeln ist jetzt. Die Möglichkeit dazu wird nicht ewig offenstehen." (szi/DER STANDARD, Printausgabe, 17.07.2009)

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    Ob das die Badeidylle stört? Eines der israelischen Kriegsschiffe, das ins Rote Meer, nach Eilat, verlegt wurde. Vom Roten Meer aus können die Kriegsschiffe den Persischen Golf weit schneller erreichen.

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