Österreicher in Schubhaft

"Paradebeispiel für rassistisches Vorgehen der Polizei"

16. Juli 2009, 18:38

21-Jähriger, der sieben Tage widerrechtlich in Schubhaft saß, wurde nur einmal einvernommen

Wien - Ein "unklares Geburtsdatum" und ein "im Arabischen häufig vorkommender" Name. Zwei Fingerabdrücke, die mit jenen des Deutsch radebrechenden, psychisch verwirrten Schubhäftlings nicht übereinstimmten und eine Abgängigkeitsanzeige, die auf die Person nicht zu passen schien: Soweit die bürokratietechnisch widrigen Umstände, die dazu führten, dass der geistig behinderte Österreicher mit sudanesischen Wurzeln, Mohammed A. (21), im März 2009 sieben Tage unerkannt in Schubhaft schmoren musste.

Dies zumindest geht aus einer Anfragebeantwortung von Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) an die Grünen hervor, die jetzt publik geworden ist. Ihr ist zu entnehmen, dass sich die Intensität der behördlichen Bemühungen, um die Identität des rätselhaften jungen Mannes zu eruieren, in Grenzen hielt: Nachdem Mohammed A., der am 25. März 2009 am Wiener Urban-Loritz-Platz auf die Öffnung der städtischen Hauptbibliothek gewartet hatte, der Fremdenpolizei bei einer "Illegalen"-Razzia ins Netz gegangen war, wurde er genau ein einziges Mal behördlich vernommen: am 25. März gegen 20 Uhr im Fremdenrechtsbüro Wien.

Zweimal wurde er in den folgenden sechs Tagen einem Psychiater vorgeführt, zweimal von einer "deutsch- und arabischsprachigen" Mitarbeiterin des Vereins "Menschenrechte Österreich", der im Polizeianhaltezentrum Hernalser Gürtel die Schubhaftbetreuung innehat, besucht: Dass A. seit Jahren in Wien lebt und einen heimischen Pass besitzt, brachte keiner dieser Experten ans Tageslicht

Befreiung durch Bekannte 

Vielmehr gelang Mohammed A.s Befreiung dank einer Juristin, die mit einer Bekannten der Familie zusammenarbeitet. Nachdem sie am 1. April 2009 der verzweifelten Mutter zugehört hatte, die ihren Sohn seit sieben Tagen in Flüchtlingsheimen suchte, kam sie auf die "Idee, es auch einmal in der Schubhaft zu probieren". Wenige Stunden später war der junge Mann wieder auf freiem Fuß.

"Die Festnahme Mohammed A.s ist ein Paradebeispiel für Ethnic Profiling, als rassistisches Vorgehen, bei der Polizei", meint dazu Grünen-Menschenrechtssprecherin Alev Korun. Sie fordert die Ausfolgung schriftlicher Begründungen bei Polizeianhaltungen sowie "richterliche Kontrollen für die Verhängung von Schubhaft" ein.

Der junge Mann sei der Fremdenpolizeirazzia "nur wegen seiner dunklen Hautfarbe" zum Opfer gefallen, sagt Korun. Das meint auch Dieter Schundlauer, Obmann der Antirassismusorganisation Zara: "Wäre Mohammed A. ein geistig behinderter, weißhäutiger Österreicher, wäre er wohl ins Spital, nicht ins Polizeigefängnis gekommen." (Irene Brickner, DER STANDARD - Printausgabe, 17. Juli 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 205
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cantanto
00
11.11.2009, 21:52
In jedem zivilisiertem Land, wären die Verantwortlichen SOFORT und auf alle Zeiten

ihren Job los.

rocca62
00
15.9.2009, 15:30
..es geht nicht ...

es geht nicht um die rasse, es geht um einen behinderten menschen, den man sowas nicht antun sollte ... behinderte menschen leben ohnehin in angst .. wie kann man blos so herzlos sein ?? das tut weh :-(

wolfgang gaerber
12
19.7.2009, 17:19
Fremd

Hab auch schon mit Polizisten zu tun gehabt die mir sehr "fremd" vorkamen.
Z.b. die 2 Polizistinnen am Allerheiligenplatz - die während der 45 min. Palmweihe im Auto mit laufendem Motor gesessen sind.
Hab versucht sie auf Deutsch darauf aufmerksam zu Machen daß Ihr (Diesel) Auto erstens laut ist und 2tens stinkt - und dass sie wohl hier noch etwas länger stehen werden.
Nach etwas Zeichensprachen haben die dann wirklich mit genervten Gesten das Fenster aufgemacht und unverständlich mit den Schultern gezuckt.

Vielleicht wollte man ja auf Nummer Sicher gehen um auf das plötzliche Auftauchen eines mit Palmwedeln bewaffneten Terroristen entsprechend reagieren zu können ....

Sehr verwandt waren mir diese 2 Beamtinnen aber wiedrum nicht.

hans reinsch
2513
19.7.2009, 12:36

Der gute Mann mag vielleicht einen österreichischen Pass besitzen, aber Österreicher ist er dadurch noch lange nicht.

cHL
08
11.8.2009, 17:58

sie mögen zwar ein hirn besitzen aber intelligent sind sie deswegen noch lange nicht...

kataffi
05
29.7.2009, 14:33
Seit wann gelten die

Nürnberger Rassengesetze wieder in Österreich?

hans reinsch
60
29.7.2009, 18:58

Es gilt seit jeher der gesunde Menschenverstand.

peter56
 
03
19.8.2009, 17:51
Tja, der fehlt Ihnen offenbar.

Aber vor allem sowas wie Empathie...

Nick Tameer
02

In diesem Statement sind allerdings fünf falsche Aussagen enthalten: gilt, seit jeher, gesund, Mensch und Verstand.

moejoe187
02
31.7.2009, 00:45
andere nennen den "gesunden Menschenverstand"

auch Rassismus....Können sie mir definieren was ein "Österreicher" ist...?

Nick Tameer
03

Es ist sicher schwer zu sagen, aber Rassist sollte er wohl schon sein.

kataffi
01
29.7.2009, 14:13
Ahnenpass?

Sahin
 
02
28.7.2009, 14:43
Und dann sich wundern warum diese Menschen sich nicht intergrieren wollen

hans reinsch
120
28.7.2009, 15:07

Sie sollen sich auch gar nicht integrieren, sondern einfach wieder zurück in das Land des "Migrationshintergrundes".

peter56
 
00
19.8.2009, 17:52
*kopfschüttel*

Sahin
 
02
28.7.2009, 20:15
zu spät Kollega

Tuncay
03
26.7.2009, 21:27
Österreicher

Was muss man tun um ihresgleichen ein Österreicher zu sein?
Muss man hier geboren sein oder unbedingt Schweinefleisch essen oder genügt es gar, wenn ich nur den ganzen tag raunzen tua?

artigiano
26
22.7.2009, 01:15
schon wieder der, der hier reinsch heisst.

en toute conscience
 
13
21.7.2009, 20:42

Sie hingegen würde ich als typischen Österreicher bezeichnen...

soledad juntos
 
02
20.7.2009, 11:46

Paß einer österreichischen Behörde - nicht zwingend (Bsp.: Fremdenpaß)
österreichischer Paß - österreichischer Staatsbürger

So einfach kann das Leben sein. Lassen Sie es zu.

hans reinsch
159
20.7.2009, 14:12

Öst. Staatsangehöriger und Österreicher sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Oder glauben Sie ernsthaft, dass ein Sahin oder Hakan auf einmal Österreicher sind, nur weil sie ein Stück Papier namens Pass besitzen?

Gerald H
04
30.7.2009, 07:22
Krone

1. Wie Österreichisch ist "reinsch".

2. Empfehle fürderhin in der KRONE zu posten. Dur passt der verbale Müll besser hin. Da findest auch mehr Gleichgesinnte

Sahin
 
01
28.7.2009, 14:47
dann wundert sich der Herr hans reinsch wenn sich diese "Österreicher" nicht integrieren wollen

Wie denn auch!!!!

Wenn Sie und ihre Gleichgesinnten vorneherein diese nicht mal als "Österreicher" akzeptieren.

uncle_sam
01
24.7.2009, 12:22
zwischen ...

... ihrer AHNUNG und ihrem WISSEN liegt ihre DISKREPANZ!

soledad juntos
 
28
20.7.2009, 16:35

Egal, was ich von Ihrem Standpunkt halte - vor dem Gesetz sind das jedenfalls keine "zwei Paar Schuhe". Und darum ging es ja im obigen Artikel in erster Linie (Sie erinnern sich vielleicht: der Mann war in Schubhaft, obwohl er österreichischer Staatsbürger ist).

Staatsangehörigkeit oder nicht ist bürokratisch genau definiert, schade, wenn Sie glauben, man müsste unterscheiden zwischen "eingeborenen" und "zugewanderten" Österreichern.

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