Finanzkrise

Beinahe-Bankrott treibt Reykjavík in die Arme der Union

16. Juli 2009, 17:57

Reykjavík/Kopenhagen/Wien - Die Finanzkrise, die Island beinahe den Staatsbankrott gebracht hätte, ist für den Inselstaat der Motor für Annäherungen an die EU. Der isländische Finanzminister Steingrimur Sigfusson hat erst in dieser Woche mitgeteilt, dass der Zusammenbruch der Banken dem 320.000-Bürger-Staat Schulden in der Höhe der doppelten Wirtschaftsleistung beschert habe:Mit drei bis vier Billionen Kronen (9,5 bis 12,7 Mrd. Euro) beziffert die Nationalbank die Verbindlichkeiten.

Von der Finanzkrise waren in Island 85 Prozent des Bankensystems schwer betroffen: Die drei größten Banken - Kaupthing, Landsbanki und Glitnir - mussten im Oktober 2008 verstaatlicht werden. Die neu gewählte rot-grüne Regierung habe jedoch gut reagiert und eine Finanzspritze des Internationalen Währungsfonds (IWF)erwirken können, sagt der für Island zuständige Handelsdelegierte in Kopenhagen, Volker Ammann, zum Standard. Mit der Hilfe des IWF konnte Island den Staatsbankrott noch abwehren. Dementsprechend sei die Stimmung in Island derzeit nicht so schlecht, so Ammann. Es würde mit einer Konsolidierung bis 2011 gerechnet.

Eine Hürde auf dem Weg dorthin haben die Isländer bereits vergangene Woche genommen: Der Inselstaat hat sich gegenüber Großbritannien und den Niederlanden verpflichtet, die Kredite in Höhe von 3,6 Mrd. Euro, die sie bei den Ländern noch ausständig haben, in den nächsten 15 Jahren zurückzuzahlen. Die Regierungen in London und Den Haag haben nach dem Zusammenbruch der isländischen Landsbanki ihren Bürgern die verlorenen Einlagen bei der Landsbanki-Tochter Icesave aus der eigenen Kasse zurückerstattet. (Julia Kern/DER STANDARD, Printausgabe, 17.07.2009)

Walter Bimini
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16.7.2009, 19:28
am strich in brüssel

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