"Ich fordere die Welt auf: Lasst uns nicht im Stich"

16. Juli 2009, 18:57
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    foto: ap/esteban felix

    Kundgebung gegen den Putsch in Tegucigalpa

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    foto: wikipedia//jean-marc desfilhes/creative commons

    Rafael Alegría: "Die Putschisten machen sich massiver Menschenrechtsverletzungen schuldig."

Rafael Alegría, Vorsitzender der Landarbeitergewerkschaft, im derStandard.at-Interview über die Proteste gegen den Putsch

Seit Ende Juni das Militär den honduranischen Präsidenten Manuel Zelaya unter Androhung von Gewalt außer Landes brachte, demonstrieren Tausende gegen den Staatstreich. Rafael Alegría, Vorsitzender der Landarbeitergewerkschaft und Mitglied der Kleinbauernorganisation Via Campesina, ist einer der Organisatoren der Proteste. Berthold Eder erreichte ihn auf dem Weg zu einer Kundgebung in Tegucigalpa.

***

derStandard.at: Die "Nationale Widerstandsfront gegen den Militärputsch", der Sie angehören, hat für heute zum Generalstreik aufgerufen. Sind Sie mit der Beteiligung zufrieden?

Alegría: Durchaus. Im ganzen Land gehen heute Leute auf die Straße, um Widerstand gegen den Militärputsch zu leisten.

derStandard.at: Welche Auswirkungen hat die nächtliche Ausgangssperre, die gestern erneut ausgerufen wurde?

Alegría: Ab heute ist es wieder verboten, zwischen Mitternacht und fünf Uhr früh außer Haus zu gehen. Am meisten leidet darunter die Wirtschaft. Vor allem Restaurants und Bars klagen über Umsatzeinbußen, weil sie in der Nacht kein Geschäft mehr machen.

derStandard.at: Wie machen sich die Wirtschaftssanktionen bemerkbar? Es gibt Berichte, die Nahrungsmittelpreise seien seit dem Putsch drastisch gestiegen.

Alegría: Mit der Wirtschaft geht es den Bach hinunter. Die internationale Staatengemeinschaft hat finanzielle, technische und Militärkooperationen ausgesetzt.

derStandard.at: Vor zwei Wochen wollte Präsident Zelaya nach Honduras zurückkehren, was das Militär verhinderte, indem es mit Lastwagen die Landebahn blockierte. Vor dem Flughafen demonstrierten Tausende gegen den Militärputsch. Waren Sie auch dabei?

Alegría: Natürlich. Die Militärs haben dort den 19-jährigen Isis Obed Murillo erschossen. Die Putschisten, die mit Billy Joya einen Mann zum Minister gemacht haben, der in den 80er Jahren am "Verschwinden" von 134 Menschen beteiligt war, machen sich massiver Menschenrechtsverletzungen schuldig. Anführer der Massenbewegungen und des Widerstands werden verfolgt und unterdrückt. Ich fordere die Welt und besonders die Menschenrechtsorganisationen auf, uns in dieser Situation nicht im Stich zu lassen und Solidarität zu zeigen. (derStandard.at/17.7.2009)

Zur Person

Der Bauerngewerkschafter Rafael Alegría war von 1993 bis 2004 Sprecher der Kleinbauernbewegung Via Campesina und später Landwirtschaftsberater Präsident Zelayas.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 32
1 2
wider den rechten Kanaillen
00
26.7.2009, 01:10
Der Interviewpartner wurde mittlerweile von der Militärjunta verhaftet

http://www.amerika21.de/nachricht... 7_alegria/

sapralot
02
17.7.2009, 11:25
Die Welt wird Honduras nicht helfen !

Was meint Rafel wer "Die Welt" ist ? Und wer soll da helfen ?
Die G8 oder G20 ? - Die sind nur an ihren eigenen Vorteilen interessiert.
Die USA ? - Die haben Mittel- und Südamerika schon immer terrorisiert und Diktatoren von eigenen Gnaden gefördert.
Honduras wird also NICHT geholfen werden...

Ernst Guevara
01
17.7.2009, 16:15
na, diejenigen, die in solchen fällen immer geholfen haben

die internationale zivilgesellschaft: NGOs, solidaritätsgruppen, alternative medien, entwicklungspolitische organisationen usw.

Dr.Nötigenfalls
14
17.7.2009, 08:10
Österreich

könnte ja als Zeichen der Solidarität seinen Sozialminister - immerhin bis vor Kurzem noch oberster Gewerkschafter des Landes - zu seinen Kollegen und Kolleginnen in Honduras schicken...

achso...geht ja nicht...unser aller Hundsdorfer nassauert ja in Florida!

HOCH DIE INTERNATIONALE SOLIDARITÄT... sag ich da nur!

Sebastian Wisiak
08
17.7.2009, 00:49

Respekt dem Herrn Eder, der sich selbst vor Ort ein Bild macht. Das ist Qualitätsjournalismus, nicht das hirnlose abtippen von Agenturmeldungen.

Nowotila
03
17.7.2009, 09:52

Damit wird es der Herr Eder aber nicht weit bringen.
Man braucht Lakaien, keine Journalisten.

Com Pirx
30
16.7.2009, 23:32

Dann sollen`s den Operettenkönig eben wieder zurücknehmen und noch ein paar Monate Theater spielen lassen. Ernst genommen wird er jetzt nicht mehr.

flotter denker
222
16.7.2009, 20:58
Der Praesident hat die Verfassung gebrochen und wurde abgesetzt.

Was ist daran jetzt schlecht?
Es wird eben Neuwahlen geben und da koennen ja auch gleichgesinnte Kandidaten antreten.

sauraumpfa
01
17.7.2009, 21:49
der demokratisch gewählte präsident wurde verschl......

macht kommt aus den gewehrläufen und dem tatkräftigen einsatz des herrn negroponte in den achzigern in honduras der für eine regierung oben im norden andere interessen für lateinamerika verfolgte

stichwörter wie nicaragua/sandinistas, guatemala, etc, etc etc.

na wenn das nicht die handschrift gewisser institutionen trägt fress ich einen besen.

Nowotila
04
17.7.2009, 09:26
Wenn Sie schon die Putschisten zitieren

und sich die Argumente der Militärdiktatur zu eigen machen, sollten sie wenigsten die Quelle angeben.

NONE
06
16.7.2009, 23:45

Unrecht bleibt Unrecht.

Putsch bleibt Putsch.

flotter denker
131
17.7.2009, 08:31
Das Hoechstgericht hat entschieden, dass der Praesident Unrecht begeht.

Wer sollte denn wohl sonst entscheiden?

Ernst Guevara
08
16.7.2009, 21:21
Sie stehen also

mit der demokratie auf kriegsfuss, ja?

flotter denker
71
17.7.2009, 08:32
Ueberhaupt nicht, nur seh ich den Gesetzesbruch beim Praesidenten.

dr. kokos
 
06
17.7.2009, 10:40

und dessen entführung und deportierung als verfassungskonforme gegenmaßnahme?

es müsste doch selbst der dümmste einsehen, dass so etwas gar nicht geht und auf grund dessen auch erkennen, wer da im recht ist und wer im unrecht.

wider den rechten Kanaillen
116
16.7.2009, 21:04
Der demokratisch gewählte Präsident wurde verschleppt und eine Militärdiktatur errichtet.

Auf was stützen sich die Putschisten um den Gorilla?
Auf das Militär.

Deren Macht kommt aus den Gewehrläufen.

ceterum censeo3
71
17.7.2009, 10:21
bin ungern der i-tüpftler, aber

die verfassung untersagt im wortlaut exakt das, was der präsident getan hat: eine volksbefragung zu veranlassen, um für sich eine weitere amtszeit zu ermöglichen.

von daher haben die putschisten schon ein bisserl mehr argumente als ein paar gewehre.
eine verfassung kann man ja gerne ändern, aber bitte per parlament und nicht indem man sie bricht. und wenn man im parlament keine mehrheit dafür hat, ist man offenkundig nicht demokratisch legitimiert für sein handeln.

Nowotila
07
17.7.2009, 10:31
Das ist falsch und das sind die Argumente der Militärjunta und ihrer Unterstützter.

Fakt ist: Es sollte eine Volksbefragung durchgeführt werden, ob eine verfassungsgebende Versammlung einberufen wird.

Es stand kein Text für eine Verfassungsänderung zur Abstimmung.

Ein Verfassungstext hätte frühestens Monate nach Ende der Amtszeit von Zelaya vorliegen können.

Sie zitieren die Lügen der Militärdiktatur und machen sich deren Argumente zu eigen.

Die Oligarchie wollte verhindern daß eine neue Verfassung erarbeitet werden kann.

Thomas Mohr
 
120
17.7.2009, 12:08

Nowo, Zelaya wollte eine NEUE VERFASSUNG, keine Verfassungsänderung. Damit hat er die Verfassung gebrochen, basta. Ausserdem kann so eine Initiative NUR vom Kongress ausgehen, schon damit hat der Präsident die Verfassung gebrochen.

dr. kokos
 
02
18.7.2009, 17:19

verteidigst du die verfassung des iran auch mit solcher inbrunst?

wenn alle menschen wie du wären, wären wir nie über das mittelalter hinaus gekommen. partizipative demokratie erreicht man nur über reformen und auch revolutionen, wenns anders nicht geht. das ist alles legitim, solange es von der mehrheit getrage wird. und die mehrheit steht noch immer eindeutig hinter zelaya, laut gallup.

Thomas Mohr
 
20
18.7.2009, 19:11

Partizipative Demokratie ? Meinst Du so eine wie in Venezuela wo das Volk so lange partizipieren darf bis es den Wünschen des Präsidenten zustimmt oder wie in Kuba wo die PCC so lange partizipiert bis nur mehr ein Kandidat zur Auswahl steht ?

Ausserdem, Kokos, für Dich ist es also OK dass eine Diktatur eingeführt wird so lange die Mehrheit dafür ist.

Nowotila
05
17.7.2009, 13:37
Zelaya wollte das Volk befragen, ob es eine neue Verfassung will

Eine Verfassung, die den Souverän, das Volk, entmündigt wäre eine Willkürgesetzgebung.

Die Verfassung sagt, wie das Gemeinwesen verfasst ist.
Keine Verfassung des Gemeinwesens kann das Gemeinwesen entmündigen.

Gut daß die Nationalsozialisten nicht auf die Idee gekommen sind den Nationalsozialismus in der Verfassung zu verankern und anschließend die Verfassung unabänderlich zu machen.

Nach ihrem Rechtsverständnis wäre der Nationalsozialismus damit für alle Ewigkeit festgeschrieben.

Thomas Mohr
 
20
18.7.2009, 19:13

Nowo, nochmals. In Honduras geht eine Verfassungsänderung VOM KONGRESS aus und NICHT vom Präsidenten. Schon damit hat Zelaya die Verfassung gebrochen. Deomkratische Legitimation beinhaltet IMMER zwei Pfeiler: Gemäss einer demokratischen Verfassung an die Macht gekommen zu sein UND diese auch einzuhalten. Aber damit habt Ihr immer Schwierigkeiten, siehe Venezuela.

Thomas Mohr
 
20
17.7.2009, 16:23

Danke Nowo. Damit hast Du soeben zugegeben, dass in Deinem so sehr gelobten Kuba Willkürgesetzgebung herrscht Die haben so etwas nämlich gemacht..

Ausserdem Nowo, Zelaya hätte mit seinem Referendum in jedem Fall die Varfassung gebrochen. Verfassungsänderungen gehen in Honduras IMMER vom Parlament aus, das m.E. demokratisch sehr viel legitimierter ist als ein von einem teil des Vplkes gewählter Präsident.

Bezüglich Deiner Bemerkung über gewisse andere Ideologien. Leute die karibischen Diktatoren lobhudeln sind Ewiggestrige.

sauraumpfa
00
17.7.2009, 22:05
na gut aber lassen wir doch ....

mal kuba weg, dann besteht schon das argument von nowo -
und ob man da den präsidenten gleich entführen und ausser landes bringen muss wenn man dass volk befragen will, lässt schon viele fragen über das vorgehen und warum offen.

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