20 Jahre aufgehende Sonne

21. Juli 2009, 16:57
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Im Wendejahr 1989 lancierten die Japaner den MX-5 und lösten damit den Roadsterboom aus. Wir vergleichen erste Generation mit der aktuellsten

Christian "Chris" Fischer ist das, was man landläufig einen wilden Hund nennt. Er ist, unter anderem, begnadeter Fotograf (wenn er will). Er springt Fallschirm (selten). Er ist begeisterter Taucher (immer). Apnoiker (neuerdings) - über drei Minuten hält er die Luft schon an (aber nur unter Wasser). Er macht die besten Unterwasseraufnahmen in ganz Österreich (behaupten wir einfach einmal). Und er fotografierte den luftigen MX-5, die erste und die aktuellste Generation.

Gespannt sei er, meinte er vor dem Termin, ob ihm der Japan-Roadster passe. Dazu müssen Sie folgendes wissen. 1.) Der Herr Fischer ist 1,99 m groß. 2.) Er fährt eine Fiat Barchetta, seit 1999, ist also prinzipiell Roadster-affin. Erster Eindruck: Wie bei allen Roadstern außer der längst nicht mehr gebauten Barchetta stößt er sich oben den Kopf an - bei geschlossenem Dach ebendort, bei offenem muss er aufpassen, nicht mit dem Windschutzscheibenrahmen zu kollidieren. Besser habe er sich da überraschenderweise im MX-5 von 1989 gefühlt, meinte er nachher.

Es entging ihm bei dieser fahraktiven Kopfschutzübung, dass die wunderbar auf die (in der Regel deutlich kleineren) Insassen zugeschnittene aktuelle MX-5-Generation elf Millimeter mehr Fußraum offeriert als der Revolutionsjahrgang 1989. 1989? Rückblende, anlassbedingt. Das Automobil erfunden haben bekanntlich, der hochgerühmte, hochintellektuelle US-Präsident Barack Obama gab dies unlängst zu Protokoll, die Amis. Da blieb den Japanern, in Stückzahlen längst weltgrößte Autonation, nur die Statistenrolle. Im MX-5-Fall griff Mazda schamlos und erfolgreich auf Englands offene Tradition zurück. Es war dies eines der ersten Spaßautos, in einer Zeit - Golf-II-Ära -, als es weit und breit fast nur langweiliges Vernunftgerät gab. Kein Wunder die euphorischen Publikumsreaktionen, kein Wunder, dass alle Mazda nacheiferten. MX-5-Alleinstellungsmerkmal war und ist allerdings: Er ist der erschwinglichste Qualitätsroadster am Markt. Folge: Über 850.000 Stück bisher verkauft.

Wenig erstaunlich für mythologisch Versierte, warum gerade das Fernost-Inselvolk Sinn für Sonne überm Haupt hat: Das Tenno-Geschlecht (und damit quasi alle Japaner) stammt schließlich von der Sonnengöttin Amaterasu ab, worauf noch die Bezeichnung Land der aufgehenden Sonne reflektiert.

Was nun im direkten Vergleich auffällt:keine Servolenkung 1989. Sonst fährt der Ur-MX-5 sich aber ähnlich spaßig wie der heutige - bei aber deutlich weicherer Karosserie. Und das einstige neckische Schwanzwedeln in Kurven hat die Elektronik voll im Griff (ein echter Fortschritt?). Das Fetzendach ist ruck, zuck geöffnet, allerdings nicht per Zentralentriegelung in Dachmitte (aktuell), sondern über zwei Griffe links und rechts (einst). Interieur? Der Ahnherr vererbte die Gene eindeutig an den Enkel, die 20-Jahre-danach-Lösung baut logisch und schlüssig auf damals auf.

Und auch, wenn der MX-5 von 1989 letztlich alt aussieht gegen den heutigen (wäre ein Wunder, wenn nicht): Den Hype, den er damals ausgelöst hatte, kann man immer noch 1:1 nachvollziehen. Sagt auch der Christian "Chris" Fischer. (Andreas Stockinger/DER STANDARD, Printausgabe, 17.7.2009)

Zweite Meinung

Urcool gab's vor der Wende nicht, der Ur-MX-5 war nur lässig. Aber nur tagsüber, denn die eckigen Glupschaugen waren schon damals peinlich, leicht proletoid. Dass Autofahren so anstrengend war (echte Schwerarbeit), als wir das Einparken und Gasgeben lernten, wissen wir dank Ur-MX-5 wieder ganz genau. Unruhiges Hinterteil, Scheppern bei jeder Unebenheit, ein Sportsitz (der keiner ist) und ein Höllenlärm ab 90 km/h - Kinder, das war damals komfortabel! Apropos Komfort: Dem jüngsten MX-5 fehlt es (außer an Ablageflächen) an nichts. Leider. Alles Markante wurde abmontiert. Danke, dass wenigstens die mechanische Soft-Deck-Verriegelung überlebt hat. (ung/DER STANDARD, Printausgabe, 17.7.2009)

  • "Volks-Roadster" MX-5: 1989 war er 3,95 m kurz (links), der heutige
MX-5 (rechts) ist sieben Zentimeter länger. Und was waren damals alle
aus dem Häuschen! Fotos: Christian Fischer
    foto: standard/fischer

    "Volks-Roadster" MX-5: 1989 war er 3,95 m kurz (links), der heutige MX-5 (rechts) ist sieben Zentimeter länger. Und was waren damals alle aus dem Häuschen! Fotos: Christian Fischer

  • Mit diesem Augenaufschlag begann einst die Romanze:
Klappscheinwerfer, ein Hauptmerkmal der ersten MX-5-Generation.
    foto: standard/fischer

    Mit diesem Augenaufschlag begann einst die Romanze: Klappscheinwerfer, ein Hauptmerkmal der ersten MX-5-Generation.

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  • In
Ehren angegraut ist der Innenraum des Youngtimers, der Neue wirkt
deutlich edler.
    foto: standard/fischer

    In Ehren angegraut ist der Innenraum des Youngtimers, der Neue wirkt deutlich edler.

  • Links alt, rechts neu: Die einstige, bereits klassische Form wurde
weitgehend beibehalten, allerdings leicht machomäßig aufgepeppt.
    foto: standard/fischer

    Links alt, rechts neu: Die einstige, bereits klassische Form wurde weitgehend beibehalten, allerdings leicht machomäßig aufgepeppt.

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