Gib Stoff - aber Wasserstoff

16. Juli 2009, 18:26
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Hersteller haben ihre Vorstellungen von der Auto-Zukunft. Mazda präsentierte seine in Norwegen, wo eine Wasserstoff-Infrastruktur (ent)steht

Das nennt sich Wankel-Mut: Alle reden übers Elektroauto, und dann kommt Mazda daher und bekennt sich erstens zum Zukunftssprit Wasserstoff, zweitens zum Wankelmotor - und behauptet drittens, dass beides auch noch wunderbar zusammenpasst. Dass die Wasserstoffzukunft aber morgen anbreche, glauben auch die Manager aus Hiroshima nicht. Allerdings. Mazda hatte ja 2008 announced, wie's im Rennenglisch heißt, man wolle bis 2015 den Verbrauch um 30 Prozent verringern. Für die Zeit darüber hinaus heißt die Devise unter anderem: Gib Stoff. Wasserstoff.

Als einzige Autofirma weltweit setzt Mazda hier auf die Abfackelung des praktisch emissionsfrei verbrennenden Sprits (da kommt hinten nur Wasser raus) direkt im Verbrennungsmotor. BMW hatte mit dem 7er einen ähnlichen Pilotversuch laufen, diesen aber bei der aktuellen Generation nicht prolongiert. Die anderen wollen alle Wasserstoff via Brennstoffzelle energetisch nutzen, aber das ist noch viele, viele Jahre hin, falls es damit wirklich einmal was werden sollte.

Jedenfalls. Wolfgang Reitzle, weiland Spitzenmanager bei BMW und seit 2002 Chef des deutschen Gaskonzerns Linde, wollte 2005 infrage kommende Industriepartner zum Aufbau eines Wasserstoffnetzes animieren. Große Töne, die unerhört verhallten. Derweil, klammheimlich, schritten die Wikinger zur Tat und hoben das staatliche HyNor-Projekt aus der Taufe, zum Aufbau einer Wasserstoff-Infrastruktur (der verwendete Wasserstoff fällt dabei auch als Abfallprodukt der Chemieindustrie an). Zwischen Oslo und Stavanger, demnächst bis Bergen, errichteten die (noch) erdölreichen Norweger fünf Zapfstellen, im Herbst kommt in Kristiansand eine sechste dazu.

H-Tankstelle? Wir besuchten die in Oslo, anlässlich des exklusiven Mazda-Technologie-Workshops in Norwegen. Simulierten Betanken aber nur, da noch genug H im Tank war. Der Tankwart, er hat gerade Besuch von je einem Feuerwehrler und Rettungsmann, frägt freundlich, ob er helfen kann, die Kumpel grinsen dazu wie die Hutschpferde: Endlich schaut wer vorbei an diesem Regentag, und da gleich der berühmte Standard aus Wien. "Nein" , danken wir artig, und schieben die Wasserstoff-Pippn auf den Mazda5-Tankeinlass. Verriegeln, entriegeln, zurück an die Zapfsäule: dodleinfach. Und: "H" wie Hindenburg? Gewiss, Wasserstoff ist ein explosives Teufelszeug - die Technik ist aber bei weitem ausgereifter als seinerzeit bei der Hindenburg-Katastrophe (1937).

Damit zu den (bei voller Ausbaustufe 15)Autos, die Mazda in den Feldversuch wirft: RX-8 und Mazda5; letzterer mit aufwendiger Hybridtechnik, hier werkt der Wankel als Range Extender. Der Van wiegt 250 kg mehr als in Serie, wirkt also entsprechend behäbig. Auch der Wasserstoff-RX-8 ist weniger spritzig als üblich, fährt aber tadellos mit dem neuartigen Betriebsstoff. Publikumswirksamer Clou:Man darf auch die Bus-/Taxi-Spur nutzen, spart sich jeden Stau; wichtig im stauträchtigen Norwegen.

Warum Mazda dem Wankel den Vorzug gibt gegenüber dem Hubkolbler? In den Wankel-Brennräumen kommt es viel weniger zu ungesteuerten Selbstzündungen, "H" verbrennt folglich effizienter. Und der Trip nach Oslo: Insgesamt ein interessanter Kontakt mit einer möglichen Autowelt von morgen. (Andreas Stockinger/DER STANDARD, Printausgabe, 17.7.2009)

  • Dieser RX-8 fährt mit Wasserstoff, in Japan und in Norwegen. Sollte ihm einmal das "H" ausgehen: umschalten auf die Super-Reserve. Die bivalente Auslegung macht den Sportler allerdings 100 kg schwerer.
    foto: werk

    Dieser RX-8 fährt mit Wasserstoff, in Japan und in Norwegen. Sollte ihm einmal das "H" ausgehen: umschalten auf die Super-Reserve. Die bivalente Auslegung macht den Sportler allerdings 100 kg schwerer.

  • Der Mazda5 vor der H-Tankstelle.
    foto: werk

    Der Mazda5 vor der H-Tankstelle.

  • Der RX-8 beim Tanken.
    foto: werk

    Der RX-8 beim Tanken.

  • Die Hybrid-Betriebsanzeige des Mazda5.
    foto: werk

    Die Hybrid-Betriebsanzeige des Mazda5.

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