Hyperaktivitätsstörung

Neurofeedback bei ADHS wirksam

16. Juli 2009, 10:59

Aktuelle Studie zeigt signifikante Effekte auf Impulsivität und Unaufmerksamkeit bei Kindern

Tübingen - Das Institut für Medizinische Psychologie der Universität Tübingen hat gemeinsam mit Wissenschaftlern der Universität Nijmegen nachgewiesen, dass Neurofeedback eine evidenz-basierte und somit wirksame Behandlungsmöglichkeit für Kinder mit einer Aufmerksamkeitsdefizits-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist. In einer Studie der niederländischen Forschungseinrichtung "Brainclinics", die in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift "EEG and Clinical Neuroscience" erschienen ist, haben die Forscher eine Meta-Analyse aller 15 bisher veröffentlichten Studien zum Neurofeedback bei ADHS durchgeführt.

Effekte auf Kernsymptome

Damit konnten sie zeigen, dass Neurofeedback große und klinisch signifikante Effekte auf die Kernsymptome Impulsivität und Unaufmerksamkeit hat. Im Hinblick auf das Kernsymptom Hyperaktivität konnten mittlere Effekte nachgewiesen werden. ADHS ist die am weitesten verbreitete psychische Störung des Kindes- und Jugendalters und bleibt bei einem Teil der Betroffenen auch im Erwachsenenalter erhalten.

Was ist Neurofeedback?

Neurofeedback, auch EEG-Biofeedback genannt, ist eine Methode, mit der die Aktivität des Gehirns beeinflusst werden kann, um neurologische oder psychische Störungen zu behandeln. Es ermöglicht  die Rückmeldung von Hirnaktivitätin Echtzeit, die in der Regel mit dem Elektroenzephalogramm (EEG) gemessen wird. Ziel des Neurofeedbacks ist, dass Patienten lernen, jene Aktivität des Gehirns zu unterdrücken oder herzustellen, die mit der Pathophysiologie ihrer Erkrankung einhergehen. Die Behandlungsmethode wurde ursprünglich bei Epilepsien eingesetzt und seit 1976 auch bei Patienten mit ADHS erprobt. Heute kommt sie bei einer Vielzahl von Störungen zur Anwendung. Der wissenschaftliche Nachweis der Wirksamkeit von Neurofeedback war bisher jedoch nicht hinreichend erbracht.

Wirksamkeit auch bei Epilepsie

Die Ergebnisse der vorliegenden Studie beziehen sich auf die Behandlung von ADHS. Eine Meta-Analyse zur Wirkung des Neurofeedbacks bei Epilepsie, die in derselben Ausgabe von "Clinical EEG and Neuroscience" publiziert ist, ergab ebenfalls den Nachweis einer klinischen Wirksamkeit. Für andere Erkrankungen stehen derartige Analysen aber noch aus. (red, derStandard.at)

Speedle
10
16.7.2009, 20:51

Nebenwirkungen?

Kathi1609
 
42
16.7.2009, 13:16

weniger kinder mit kaiserschnitt rausschneiden, weniger kinder vor dem tv ruhigstellen, weniger künstliches zeug an kinder verfüttern ...
dafür mehr mit den kindern machen, mehr auf kindliche bedürfnisse ab dem frühsten alter achten, kindern ein kindgerechtes aufwachsen ermöglichen ...

und adhs wird so ein minderheitenprogramm, dass es in keinem medium mehr vorkommen muss.

coolio
00
17.7.2009, 13:19
klingt alles lieb und natürlich bio

aber bis jetzt war ich informiert, dass ad(h)s zu 80% vererbt ist bzw. dass es eigentlich keine erkrankung ist, sondern einfach eine andere art von "gehirnstruktur" ist bzw. dass es in früheren zeiten jede menge menschen mit solchen '"gehirnstrukturen" gab und dass sich die heutige leistungsgesellschaft einfach damit nicht genug auseinandergesetzt hat.

Kathi1609
 
30
17.7.2009, 22:55

wenn adhs zu 80% vererbt wäre, würde sich diese krankheit in der aktuellen häufigkeit nicht schon seit ewigen zeiten in der gesellschaft herumtreiben?

nur wieso taucht sie erst seit ein paar jahrzehnten so auf?
klar, viel ist medialer hype, viel wird auch von ärzten übertrieben und von therapeuten schnell diagnostiziert und mit bunten pillen behandelt.

aber wenn man abseits des hypes den pädagogInnen zuhört und in der familien/elternberatung fragt, wird einem jeder erzählen, dass das "früher" ned so extrem war. auch rein statistisch belegbar.

Godesberg
00
21.7.2009, 08:41

Sie taucht erst jetzt auf weil man sie diagnostizieren kann und weil sie jetzt deutlicher auffällt.

Joe Bazooka
 
01
16.7.2009, 17:55

Prävention ist immer gut, aber Biofeedback ist sicher die bessere Medikation gegenüber einem Kontrazeptiv.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.