Olympus E-P1: "Spiegelreflex ohne Spiegel"

16. Juli 2009, 09:34
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Es gibt einen goldenen Mittelweg für jene Gelegenheiten, wo die große Kamera doch zu sehr stört

Fotografen mit hohen Ansprüchen stehen oft vor einem Dilemma: Ihre meist schwere, große Spiegelreflexkamera (D-SLR) samt Zubehör mitzuschleppen oder auf deren Qualität zu verzichten.

Aber es gibt einen goldenen Mittelweg für jene Gelegenheiten, wo die große Kamera doch zu sehr stört: "Spiegelreflex ohne Spiegel", wie sich das von Olympus und Panasonic entwickelte Micro-Four-Third-System gern nennt. Es gleicht den regulären SLR-Kameras der beiden Hersteller, aber verzichtet auf das platzraubende optische System des Spiegelreflexsuchers. Stattdessen verwendet es wie Kompaktkameras das Display zur Bildkomposition; alternativ, wie die hier schon besprochene Panasonic Lumix G1, auch einen LCD-Sucher oder einen optischen Aufstecksucher wie die neue Olympus E-P1.

Erfolg der 60er-Jahre

Mit der P1 schließt Olympus an seinen großen Erfolg der 60er-Jahre an, die Pen-Kamera. Diese war eine sogenannte Halbformat-Kamera, das heißt; sie verwendete den klassischen Kleinbildfilm im halben Negativformat, konnte also 72 statt 36 Bilder pro Rolle schießen. Das gefällige, handliche Retrodesign der E-P1 nimmt durch die Assoziation mit der Vorgängerin Fotografen wie Fotografierte schnell für sich ein: gut und schnell zu bedienen, solides, trotzdem leichtes Metallgehäuse mit schwarzem oder weißem Ledergriff; groß genug, um gut in der Hand zu liegen, klein genug, um in eine Damenhandtasche zu passen. Der Sympathiefaktor gleicht aus, was ich als den größten Nachteil der P1 empfinde: den fehlenden optischen Sucher.

Einen kleinen Kompromiss bietet Olympus mit dem lichtstarken Weitwinkelobjektiv (17 mm, entspricht 34 mm Kleinbild): einen optischen Aufstecksucher. Bei Zoomobjektiven (14 bis 42 mm die Grundausstattung) ist man auf das Display angewiesen.

Wechselobjektive

Wechselobjektive sind der eine Vorzug der P1, neben derzeit zwei speziellen Olympus-Objektiven können vier weitere Panasonic-Objektive verwendet werden, sowie mithilfe eines Adapters alle Objektive, die für das 4/3-System gebaut wurden, und alle Olympus-OM-Objektive - aus der früheren SLR-Ära des japanischen Herstellers. Der andere Vorzug ist die Qualität, die mit größerem Bildsensor (17,3 x 13 mm, derselbe Sensor wie der größeren E-30 SLR) einhergeht. Das bringt eine Lichtempfindlichkeit von bis zu 6400 ISO, auch bei SLR-Kameras ein Spitzenwert, der Fotos bei sehr schwachem Licht ermöglicht. Die P1 beherrscht auch eine Reihe interessanter elektronischer Tricks, wie eine große Auswahl an Bildformaten und digitalen Art-Filtern, um die Effekte optischer Filter zu simulieren. Videos können im "halben" HD-Format (720 p) gemacht werden. Fazit: eine schöne, aber auch teure Kamera (ab ca. 720 Euro), die an eine Ära bewussterer Fotografie anschließt, als es die heutige Handy-Schnappschusskultur ist. (helmut.spudich @derStandard.at/ DER STANDARD Printausgabe, 16. Juli 2009)

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Olympus

  • Olympus E-P1
    foto: olympus

    Olympus E-P1

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