Ein alter Schwitzkasten wird zum coolen Club

15. Juli 2009, 19:20
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Am Freitag in Wien: Teileröffnung der ehemaligen Pratersauna mit DJ-Lines und Pool-Party

Wien - Braune Fliesen, weiße Stiegengeländer, in die Wand eingearbeitete Glasziegel - die alte Eingangshalle der Pratersauna sieht noch immer aus, als hätten die letzten 40 Jahre nicht stattgefunden. Arbeitet man sich von dort zum neuen Hauptportal auf der Messe-Seite durch das Gebäude, tun sich allerdings völlig neue Welten auf: eine Bar aus Beton, ein Waschraum mit DJ-Pult, wild gemusterte Klomuscheln.

"Wir hatten nie vor, alles Alte rauszureißen und neu zu machen", sagt Hennes Weiss, der gemeinsam mit seinem Kompagnon Stefan Hiess seit mittlerweile sechs Monaten damit beschäftigt ist, die Freizeitanlage am Rand des Wiener Wurstelpraters zu einem coolen Club zu machen. "Das Ziel ist die perfekte Symbiose."

Die erste Teileröffnung der neuen Pratersauna findet dieses Wochenende statt. Am Freitag legt ab 20 Uhr Peter Kruder auf, am Samstag startet der Klub Aufguss mit Jennifer Cardini und Stefan Hiess als DJ Friedrich Locke (ab 21 Uhr). "Wir wollen hier etwas machen, das es in Wien so noch nicht gibt", sagt Weiss. "Am ehesten ist das Konzept mit dem Museumsquartier vergleichbar, nur eben viel komprimierter."

Neben elektronischer Musik spielt in der Pratersauna künftig vor allem Schwimmen, Essen und Kunst eine Rolle: Ab 1. August ist der Pool von Mittwoch bis Sonntag ab 11 Uhr benutzbar, am Wochenende wird im Garten gegrillt.

Ab November soll es außerdem einen Dinnerbereich mit gehobener Küche geben - und eine kleine Galerie. Für den Kunstbereich gleich neben dem ehemaligen Nagelstudio erhielten die beiden Neo-Sauna-Chefs eine Förderung der Stadt Wien, den Rest des für die Revitalisierung des 3000-Quadratmeter-Flachbaus stellten der ehemalige Marketingleiter (Weiss) und der Immobilienentwickler (Hiess) selbst auf. "Reich werden wir damit vermutlich nicht", sagt Hiess "aber es steckt sehr viel Herzblut darin." Die Anlage, neben der sich in fünf Jahren die WU ansiedeln wird, befindet sich seit ihrer Errichtung in Privatbesitz, Weiss und Hiess sind seit Anfang des Jahres Pächter.

Mitte der Sechziger gebaut, war die Pratersauna lange Zeit ein halböffentlicher Ort, an dem sich Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Gesellschaft trafen. Mit den Jahren änderte sich allerdings das Publikum. "Angeblich traf sich die Russenmafia hier. Und ein Swingerklub war es auch einmal", sagt Weiss.

Der Pächter, der die Pratersauna vor Weiss und Hiess führte, versuchte jahrelang, den Betrieb aus dem Schmuddeleck zu holen, die Besucher blieben aber dennoch aus. Wobei einige ehemalige Stammgäste bis heute für ihr Recht aufs gemeinsame Schwitzen in der Waldsteingartenstraße 135 kämpfen: Die "Initiative Pratersauna" will den Saunabereich samt Wandmosaik und Tauchbecken weiterhin nutzen. Wogegen die neuen Pächter an sich nichts hätten. "Allerdings wären da einige Investitionen notwendig", sagt Hiess, "weshalb wir die Sauna erst einmal so belassen." (Martina Stemmer / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.7.2009)

 

  • Die Neo-Saunachefs Stefan Hiess und Hennes Weiss: "Am ehesten ist unser Konzept mit dem Museumsquartier vergleichbar."
 
    foto: newald


    Die Neo-Saunachefs Stefan Hiess und Hennes Weiss: "Am ehesten ist unser Konzept mit dem Museumsquartier vergleichbar."

     

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