"The Countess": Auch das Herz der Gräfin blutet

15. Juli 2009, 18:52
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Julie Delpy hat mit "The Countess" ("Die Gräfin") einen Kostümfilm geschrieben und inszeniert – Dazu: weitere Filmtipps zur Woche

Eine alte Frau am Wegrand fügt der stolzen Gräfin Erzsébet Báthory mit einem einzigen Satz einen bösen Schlag zu: Sie möge zwar mächtig sein, sagt die Alte, aber bald werde die edle Dame trotzdem aussehen wie sie. Ein Zufall lässt die Gräfin, die schon vorher argwöhnisch jedes Fältchen im Spiegel betrachtet hat, wenig später glauben, das Blut von Jungfrauen vermöge den natürlichen Alterungsprozess zu verhindern. Bald wird die erste Magd als lebende Blutkonserve verenden. Sehr viele junge Mädchen werden sterben, bis man der vermögenden Báthory schließlich den Schauprozess macht.

Die französische Schauspielerin Julie Delpy hat mit Die Gräfin / The Countess einen neuen Spielfilm geschrieben und inszeniert. Und sie hat damit einen Wechsel von der Indie-Komödie (2 Days in Paris) zum Kostümfilm vollzogen, der ihr nicht wirklich zu liegen scheint. Das Ansinnen, durch die historische Geschichte ganz gegenwärtige Themen und Problemzonen mitzuerzählen und den Mythos von der Blutsaugerin auf ein realistisches Maß herunterzubrechen, bleibt vordergründig – mitunter sogar unfreiwillig komisch.

Nicht zuletzt leidet der Film daran, dass der deutsch-französische Cast um die Hauptdarstellerin nicht wirklich zueinander findet: Nicht nur das "broken english" (der Originalfassung) stört. Auch zwischen Delpy und ihrem Leading Man Daniel Brühl holpert es beispielsweise mehr, als dass es knistern würde. Da die große, unerfüllte Liebe zwischen der Gräfin und dem achtzehn Jahre jüngeren deutschen Adeligen jedoch dramaturgisch das Initialmoment für Báthorys Zusammenbruch und dessen blutige Folgen sein sollte, ist das doch ein nicht geringes Problem. (irr / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.7.2009)

Potter, Buddha und Banditen
Weitere Filmtipps zur Woche

Vorsorge für das große Finale wird in Harry Potter und der Halbblutprinz getroffen. Das sechste Abenteuer des Zauberlehrlings leidet unter zu vielen angerissenen Ideen.

Aus Korea kommt Singing Chens Debütfilm God Man Dog, in dem sich ein junger Mann weggeschmissener Buddha-Statuen annimmt und dabei auf allerhand illustre Außenseiter trifft. 

Echte Highlights finden sich im Sommerkino: Im Kino unter Sternen am Wiener Karlsplatz läuft am Sonntag Hat Wolff von Amerongen Konkursdelikte begangen?, ein kluges Panoptikum über Wirtschaftsgeschichte des unlängst verstorbenen Filmemachers Gerhard Benedikt Friedl.

Schon am Freitag kann man passenderweise am Yppenplatz Laurent Cantets Multikulti-Schulfilm Entre les murs (wieder)sehen. (kam)

 

 

  • Mehr Holpern als Knistern: Julie Delpy und Daniel Brühl im Kostümfilm "Die Gräfin".
    foto: filmladen

    Mehr Holpern als Knistern: Julie Delpy und Daniel Brühl im Kostümfilm "Die Gräfin".

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