Haider-Gedächtnisschau im Nazistollen

15. Juli 2009, 18:30
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Dem tödlich verunglückten Jörg Haider wird im Klagenfurter Bergbaumuseum eine Gedenkausstellung gewidmet

Klagenfurt - Jörg Haider als Schmerzensmann mit Dornenkrone, eine Gebetsliga, die eine Seligsprechung beim Heiligen Stuhl erwirken will, ungebrochene Nachfrage nach Jörg-Fanartikeln im Internet - der posthume Kult um den tödlich verunfallten Kärntner Landeshauptmann reißt nicht ab. In Klagenfurt wird gerade emsig an einer Haider-Ausstellung gebastelt, die im Bergbaumuseum am Kreuzbergl gezeigt werden und das Leben des früheren FPÖ-Politikers und BZÖ-Gründers aufzeigen soll.

DasMuseum ist in einem ehemaligen NS-Schutzstollen untergebracht, der dem NS-Gauleiter Friedrich Rainer in den letzten Kriegstagen als Befehlsbunker diente. Von dort aus verkündete Rainer via Radio unter anderem auch seinen Rückzug, um sich wenig später bei seiner Machtübergabe mit den Worten "Passt mir auf mein Kärnten auf" zu verabschieden. Jörg Haider verwendete bekanntlich dieselben Worte, nachdem er 1991 wegen seines Ausspruchs über die ordentliche Beschäftigungspolitik im Dritten Reich abgewählt worden war.

Die Idee zur Haider-Schau im Bergbaumuseum stammt laut eigener Aussage von Museumsleiter Gerhard Finding und BZÖ-Kulturstadtrat Albert Gunzer. Finding will gemeinsam mit Witwe Claudiaund anhand persönlicher Erinnerungsstücke den Lebensweg des politischen Menschen Jörg Haider darstellen. "Es soll nicht der Politiker im Zentrum stehen, sondern der Mensch" , sagt Finding. So etwa wird das Schaukelpferd des kleinen Jörg zu sehen sein. Aber auch das Amtszimmer des Landeshauptmannes soll originalgetreu nachgebaut und seine Lieblingslaufschuhe gezeigt werden.

Auch das Bärental kommt vor

Ob auch das Wrack, in dem Haider verunglückte, ausgestellt wird, ist offen. Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ) hat es um rund 40.000 Euro angekauft. Auch die Geschichte von Haiders Waldbesitz, dem arisierten Bärental, wird nicht ausgespart, ebenso die NS-Verstrickungen seiner Eltern.

Die Ausstellung soll vorerst vom 10. Oktober 2009 (in der Nacht zum 11. Oktober starb Haider) bis 26. Jänner 2010 laufen. Bei großem Publikumsinteresse könnte sie zu einer Dauereinrichtung werden. Jedenfalls rechnet man bereits mit einem Rekordbesuch von bis zu 80.000 Menschen. Für die Haider-Schau muss das Bergbaumuseum umgebaut und ein Verbindungsstollen zwischen den Ausstellungsräumen und der Felsenhalle gesprengt werden. Die Kosten der Ausstellung belaufen sich auf rund 85.000 Euro, die zur Gänze aus dem Kulturbudget der Stadt Klagenfurt getragen werden. Das Geld soll durch den Ticketverkauf an möglichst viele Besucher wieder hereinkommen.

Mit der historischen Belastung des Ortes - unweit des NS-Bunkers auf dem Kreuzbergl befand sich auch eine NS-Hinrichtungsstätte - hat man kein Problem: "Seit Jahrzehnten gibt es Ausstellungen dort" , meint Gunzer, "jetzt bei Haider eine NS-Diskussion anzufangen wäre Heuchelei." Auch BZÖ-Bürgermeister Christian Scheider und seine SPÖ-Koalitionspartnerin Maria-Luise Mathiaschitz sehen das so, ebenso Landeshauptmann Gerhard Dörfler (BZÖ): "Es geht darum, den Leuten einen Ort zu geben, wo sie ihre Trauer und ihr Gedenken hintragen können."

Mit Geschäftemacherei, etwa der Ankurbelung des Fanartikel-Absatzes oder politischer Ausschlachtung durch seine Erben, habe das nichts zu tun. Der einzige Aufschrei gegen die "Haider-Reliquienverehrung" im Bergbaumuseum kommt vom grünen Landessprecher Rolf Holub: "Das ist geschmacklos und dumm."(Elisabeth Steiner/DER STANDARD-Printausgabe, 16. Juli 2009)

  • Statt Saurierschädel aus der Urzeit sollen Besucher des Klagenfurter
Bergbaumuseums ab 10. Oktober 2009 eine Gedächtnisausstellung über Jörg
Haider zu sehen bekommen.
    foto: maurer

    Statt Saurierschädel aus der Urzeit sollen Besucher des Klagenfurter Bergbaumuseums ab 10. Oktober 2009 eine Gedächtnisausstellung über Jörg Haider zu sehen bekommen.

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