Der Staat als Zocker

Bundesspekulationsagentur

15. Juli 2009 18:11

Die aus dem Finanzministerium ausgegliederte Bundesfinanzierungsagentur mutierte zur Bundesspekulationsagentur - Von Leo Szemeliker

Es wäre zu schön gewesen: Die Insel der Seligen macht ihre Gewinne nur mit redlicher Arbeit (im so lange benachteiligten Osteuropa) und hat sich gar nicht durch die Verheißungen der Finanzwirtschaft - ewiges Wachstum, höchste Zinsen, null Risiko - narkotisieren lassen.

Von wegen. Auch Österreich hat mitgezockt. Die aus dem Finanzministerium ausgegliederte, jenem aber noch direkt unterstehende Bundesfinanzierungsagentur mutierte zur Bundesspekulationsagentur. Jeder zweite Euro aus dem Cash-Bestand der Republik wurde in hochspekulative Wertpapiere gesteckt, deren Hintergrund niemand so richtig kannte. Die Ratingagenturen priesen die Papiere mit den besten Noten. Grund genug, sich mit "Commercial Papers" bei "Firmen" einzudecken, die an vertrauenswürdigen Orten wie den Cayman Islands registriert waren. Zeitweise hatte das kleine Österreich einen beachtlichen Anteil von 1,8 Prozent am weltweiten Asset-backed-Securities-Markt. Die Zockereien liefen fast zehn Jahre und wurden im Sommer 2007 abrupt beendet, laut Rechnungshof zu spät. Derzeit sind noch mindestens 377 Millionen Euro vom Ausfall bedroht.

Man muss die Sache aber auch aus dem Geist der damaligen Zeit sehen. Finanzminister war 2000 bis 2007 schließlich ein Apologet des Finanzkapitalismus, der mit Champagner in die Kameras prostete, wenn die Börsen in die Höhe schossen. Per Saldo könnte die Republik nun schlimmstenfalls mit einer schwarzen Null aussteigen. Nix is g'schehen? Zumindest auf Lerngewinn ist zu hoffen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.7.2009)

Kommentar posten
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locken
16.07.2009 19:09
Wann werden die Zocker (ÖBB und die anderen Manager)dem Gericht übergeben ??

?und
16.07.2009 17:45
der staat als größter spekulationssteuerzahler?

beamtete und pragmatisierte zocker - ohne bonibezüge - no die haben nur ihre pflicht erfüllt.

Der Alte vom Berge
16.07.2009 15:41
Besuchen sie die Caribic,...

...ihr Geld ist bereits dort. ^^

Jeff Smart
16.07.2009 14:45

Mit etwas Recherche hätte der Autor in Erfahrung bringen können, dass die ÖBFA vom sozialistischen Finanzminister Lacina ins Leben gerufen wurde
in der Absicht dem damaligen genialen Sektionschef Eder mehr Spielraum für Währungs- und Zinsspekulationen zu geben!

Man wollte, und dies mit einigem Erfolg, mit der Begebung von Yen- und Frankenanleihen die Zinsbelastung des Budgets reduzieren und von den Währungsschwankungen profitieren.

Prof. Streissler hat damals in seinen Vorlesungen gerne betont, dass der Verlust in einem Jahr 1% des BIP erreichen kann - ein Risiko dass für private Investoren zu groß wäre und nur vom Staat mit seiner Steuerhoheit getragen werden kann - dass sich die Vorgehensweise aber langfristig rechnet.

europa fassen
16.07.2009 15:38

Ist der Exfinanzminister Lacina auch daran schuld, dass die ÖBFA 2007 begonnen hat, exzessiv die Wertpapiere zu kaufen, die jetzt die Verluste machen?

Ich denke das war der ... "Mir reichts!" ...

Mit etwas Recherche hätten Sie das aber auch herausfinden können.

Jim Kirk
16.07.2009 17:34

Die haben nicht 2007 begonnen sondern 2007 aufgehört.

Pfeifender Komantsche
16.07.2009 14:35

also der her frey find das supa.

modelo65
16.07.2009 11:44
Per Saldo könnte die Republik nun schlimmstenfalls mit einer schwarzen Null aussteigen.

Genau, die schwarze Null ist jetzt Finanzminister!

Wunderkerze
16.07.2009 11:19
"Wertpapiere ..., deren Hintergrund niemand so richtig kannte"

das problem ist, daß viele viele menschen in höchst verantwortlichen positionen keine ahnnug von irgendwelchen hintergründen haben und daß ihnen ihre ahnungslosigkeit selbst gar nicht auffällt - geschweige denn ihren kolleginnen in aufsichtsräten, regierungen, parteien, geschäftsführungen - und rating-agenturen.

irgendwer eine ahnung, was man dagegen tun kann?

Lars Eisbär
16.07.2009 13:01
Da gibt's leider nix - auswandern!

Stefan Maly
16.07.2009 13:30
wohin?

B. Denklich
17.07.2009 12:46
in eine Paralleluniversum...

vielleicht...

ilrio xxxxx
 
16.07.2009 10:38
blau-orange-schwarze koalition ...

hat immer den roten vorgeworfen, dass sie nicht wirtschaften könne. und bitte schön was haben die sich erlaubt? für so was gehören manche in den knast.

europa fassen
16.07.2009 15:43
Die schwarzblaue Wirtschaftskompetenz war immer

eine ausschließlich betriebswirtschaftliche. Und das heißt, dass alles erlaubt ist, was mir nützt, auch wenn es dem Rest der Welt/des Staates schadet.

Hans Ludwig
16.07.2009 09:14
Ö V P

Österreichischer Verarmungs Party

systemfehler1
16.07.2009 08:56
Unschenierte Eigenwerbung gepaart

mit neoliberalen Slogans.
Und dieser Mann ist beim Standard Chef vom Dienst?
Wann hat die "Übernahme" stattgefunden?

hanslblasta
16.07.2009 08:45
"Guten Morgen, InvestorInnen!"

hätten die Herrschaften die Veranlagungen nicht gemacht, wär von irgendwem mit Sicherheit vorgerechnet worden, dass die Republik durch ungenutzte Veranlagungsmöglichkeiten so und so viele Mio nicht lukriert hat - irgendwelche Vaupen hätten dann ihr Mantra "der Staat kann nicht wirtschaften" heruntergebetet;

anderes Szenario: wären statt Verluste fette Gewinne entstanden, wärs auch allen recht gewesen;
was nicht heißen soll, dass die Veranlagung so hoher Summen in riskante Papiere nicht grenzwertig war;

B. Denklich
17.07.2009 12:47
das hätte sogar der RH moniert.

wie er es bei früheren Gelegenheiten auch schon getan hat.

?und
16.07.2009 17:48
dazu eine immer noch gültige bauernweisheit

kräht der hahn am mist, ändert sich das wetter oder bleibt wie es ist.
sie habens erkannt? - der mist stinkt.

Stefan Maly
16.07.2009 13:37

diese vorrechner müssten mir bitte vorher erklären, ob es auch nur im entferntesten aufgabe eines gemeinwesens ist, zu spekulieren.

und dann hätte ich gern eine vwl-rechnung, wie die gesamtbilanz ausschaut, wenn hochgewettete ölpreise die inflation hochtreiben oder shareholdervertreter firmen zum gesundschrumpfen auf personalkosten nötigen.

will sagen: der staat muss nicht überall mitspielen

alfaromeo
16.07.2009 08:02

khg - der beste und schönste finanzminister aller zeiten!!!

und aus!!!

Michael Holzermayr2
16.07.2009 07:44
Herr Szemeliker, fahren Sie bitte mit Herrn Frey auf Urlaub.

Weit weg und nerven Sie nicht weiter.

lessismore
16.07.2009 01:04

Welche (Investment-) Bank hat da mitgeschnitten? Zu welchen Konditionen?

mike sierra
15.07.2009 22:37
Zeit der Besserwisser

Natürlich hat es jetzt auch Leo Szemeliker schon immer gewusst.
Komisch, dass für ihn auch heute noch jede Änderung im Rating quasi Religion ist.

Franz Weinpolter aka Franz Ehm
15.07.2009 23:10
mögen sie grasser, molterer und pröll...

...oder finanzexperten mit kompetenz und verstand.

wäre auch ein guter slogan für einen zwischenwahlkampf.

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