Jetzt neu: Primatenarchäologie

15. Juli 2009, 19:06
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Auch von Schimpansen gibt es "steinzeitliche" Funde

London - Es kommt auch nicht so oft vor, dass eine neue wissenschaftliche Subdisziplin gegründet wird. Nun ist es wieder einmal so weit: Primatenforscher, Archäologen und Paläoanthropologen aus aller Welt haben sich zusammengetan und in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Nature (Bd. 460, S. 339) die Primatenarchäologie ins Leben gerufen.

Sie fragen sich, was das wieder soll? Und ob es überhaupt archäologische Überreste früherer "Primatenkulturen" gibt? Die zweite Frage lässt sich eindeutig bejahen: Bereits vor zwei Jahren fand der kanadische Archäologe Julio Mercader in den Regenwäldern der Elfenbeinküste Überreste einer "Nußknackerwerkstatt" von Schimpansen, die also auch schon damals mit Steinwerkzeugen hantierten.

"Wir gingen bisher davon aus, dass Kultur und vor allem Technik exklusive Domänen der Menschen waren", sagt Julio Mercader, einer der Pioniere des neuen Forschungszweigs. "Aber das stimmt einfach nicht." Mercader vermutet, dass der Werkzeuggebrauch der Primaten sich unabhängig von Menschen entwickelte. Er könnte aber auch auf gemeinsame Vorfahren zurückgehen.

Das ist nur eine der harten Nüsse, die Primatenarchäologen knacken wollen. Dafür nötig sind neue Kooperationen, denn bisher habe weder ein Archäologe einen wilden Primaten beim Werkzeuggebrauch gesehen, so Mercader, noch hätten viele Primatologen an Ausgrabungen teilgenommen. Was sich zumindest für Primatenarchäologen ändern soll. (tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16. Juli 2009)

Abstract
Nature: Primate archaeology

  • Eine Schimpansin knackt mit steinernen Werkzeugen eine Nuss - wie schon ihre frühen Vorfahren.
    foto: tetsuro matsuzawa, kyoto university

    Eine Schimpansin knackt mit steinernen Werkzeugen eine Nuss - wie schon ihre frühen Vorfahren.

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