Tillian gibt Führung der Styria Multi Media ab

15. Juli 2009, 16:36
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Wechselt von Magazinholding zu Rechtsanwaltsgroßkanzlei DLA Piper Weiss-Tessbach - Tillian im Interview: "Habe gelernt, wie wichtig die verkäuferischen Aspekte im Mediengeschäft sind"

Michael Tillian, Vorstand der Styria Multi Media AG, verlässt nach im Herbst die Magazinholding des Grazer Medienriesen. Der Jurist soll als Rechtsanwalt zur nach eigenen Angaben weltgrößten Rechtsanwaltskanzlei DLA Piper Weiss-Tessbach wechseln.

Tillian leitete die Gruppe um "Wienerin", "Wiener", "Diva" ab 2005. Er hat 2001 als Vorstandsassistent bei der Styria begonnen. Unter seiner Führung schluckte die Styria Multi Media den Sportmagazin Verlag. Tillian führt den zweitgrößten österreichischen Magazinverlag derzeit zusammen mit Nina Haas. Nachfolge: noch unbekannt.

Tillian bringe seine Kompetenz im Bereich Corporate und M&A und seine Erfahrungen in der Medienbranche ein, bestätigt die Kanzlei. Sein Fokus werde auf Unternehmensakquisitionen und gesellschaftsrechtlichen Strukturierungen, Übernahmefragen, Strategieentwicklung bei Unternehmensexpansionen nationaler und internationaler Unternehmen "sowie auf allen Fragestellungen rund um Medienunternehmen" liegen, ließ die Kanzlei Mittwoch verlauten.

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etat.at: Sie haben zwischen Anwaltschaft und Medienmanagement gependelt, nun hat offenbar der Anwalt Tillian gewonnen. Was gab den Ausschlag für den Abschied aus dem Management?

Tillian: Die Ausübung des Anwaltsberufes im Wirtschaftsrecht in der weltweit größten Rechtsanwaltskanzlei DLA PIPER Weiss-Tessbach ist eine große und spannende Herausforderung. Ich kenne beide Welten, jene des Anwaltes und jene des Managers und ich glaube, dass ich aufgrund meines beruflichen Werdeganges ein umfassender Begleiter und Berater meiner Klienten - meist Unternehmer, Manager und Unternehmen - sein kann. Mein Anspruch ist, mehr zu bieten, als nur Rechtsberatung im klassischen Sinne. Die Anforderungen an einen Rechtsanwalt im high end Segment sind enorm und ich fühle mich jetzt bestens dafür gerüstet und möchte die Möglichkeit, für die Nummer 1 der weltweit tätigen Rechtsanwaltskanzleien zu arbeiten, nutzen. Schlussendlich waren auch persönliche Neigungen und Stärken für diese Entscheidung relevant. Und auch große Anwaltskanzleien brauchen Manager. Wenn man über's Meer will, muss man irgendwann den Heimathafen verlassen, auch wenn man diesen liebt. In der Styria bin ich groß geworden, jetzt ist es Zeit, in Freundschaft Abschied zu nehmen.

etat.at: Styria-Vorstandschef Horst Pirker spricht zu Ihrem Abschied von Ihren Stärken in beiden Feldern, die sie im neuen Job besser verbinden könnten. Und von einem "unverwechselbaren" Beitrag zur Entwicklung der Unternehmensgruppe. Wie beurteilen (und definieren) Sie diesen Beitrag rückblickend?

Tillian: Mein Beitrag über die letzten Jahre war schwerpunktmäßig im transaktionsnahen Bereich, rechtlich und im Management. Also das Vorbereiten und Durchführen von Unternehmensakquisitionen bis hin zur Eingliederung in den Konzern, wie zum Beispiel ETM AG, WirtschaftsBlatt AG, Sportverlagsgruppe, aber auch andere Transaktionen. Ich freue mich, dass mein Beitrag als "unverwechselbar" empfunden wird und bedanke mich bei Horst Pirker für die Möglichkeiten, die er mir und vielen anderen in diesem Konzern gegeben hat. Jedenfalls haben die Styria und die Menschen, die hier arbeiten, in meinem Leben einen unverwechselbaren und unvergesslichen Beitrag geleistet. Es war und ist eine Bereicherung bei der tollen Entwicklung dieses Unternehmens dabei zu sein.

etat.at: Ist Ihnen aus Ihrer Sicht gelungen, aus der Magazingruppe der Styria ein wirtschaftlich und publizistisch tragfähiges Unternehmen zu machen?

Tillian: Die Styria Multi Media Gruppe ist strategisch und organisatorisch bestens für die Zukunft gerüstet. Es ist durch Akquisitionen in mehreren Schritten gelungen, ein Medienunternehmen zu formen, das einerseits als Nummer 2 am Magazinmarkt und andererseits als Zielgruppenmedienunternehmen eine wesentliche Rolle in Österreichs Medienlandschaft spielt und für die Styria Media Group ein strategisch bedeutendes Feld besetzt. Die Frage der wirtschaftlichen und publizistischen Zukunft der Medien im Allgemeinen und jener der Styria Multi Media Gruppe im Besonderen wird auch wesentlich von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung abhängen. Grundsätzlich haben unsere Medien jedes für sich, aber insbesondere auch in der Gruppe beste Chancen auch zukünftig erfolgreich zu sein. Der Grundstein für ein wirtschaftlich und publizistisch erfolgreiches Unternehmen wurde gelegt.

etat.at: Diese Magazingruppe entstand aus der ET Multimedia, einem Sammelsurium von Titeln, die ihre Gründer um Chris Radda über die Jahre gestartet und zusammengekauft hatten. Sie haben dazu noch den Sportmagazin Verlag übernommen, die Gruppe in neue Themenbereiche gegliedert und das eine oder andere Magazin mangels Aussicht gestoppt. Haben Sie das Gefühl, Sie verlassen einen Verlag, der weiß, was er ist und wohin er will?

Tillian: Die Styria Multi Media Gruppe ist strategisch klar ausgerichtet und alle Schlüsselpositionen sind mit sehr guten Leuten besetzt. Alle unsere Mitarbeiter wissen, wohin die Eigentümer dieses Medienunternehmen entwickeln wollen und welche Rolle es in der gesamten Styria Media Group spielt. Es gibt in unseren Reihen viele ausgezeichnete Mitarbeiter, die es ganz sicher schaffen werden, das Unternehmen weiter in die richtige Richtung und ans Ziel zu bringen. Das Ziel ist ein multimediales Zielgruppenmedienunternehmen, so wie wir es jetzt hingestellt haben, organisiert nach Zielgruppen - in drei Bereiche: Frauen, Männer und Corporate Media.

etat.at: Was war Ihr Ziel für die Styria Multi Media? Was ist erreicht, was aus Ihrer Sicht noch zu tun?

Tillian: Ziel und Aufgabe war es, nach den erfolgten Akquisitionsschritten, das Unternehmen zu strukturieren, gut zu organisieren und strategisch richtig auszurichten. Das ist erfolgt und im Wesentlichen abgeschlossen. Nun ist es erforderlich, den strategisch vorgezeichneten Weg operativ und medienwirtschaftlich erfolgreich zu Ende zu gehen.

etat.at: Was haben Sie in Ihren Jahren in der Medienbranche gelernt?

Tillian: Ich habe in der Styria Media Group und insbesondere von Horst Pirker gelernt, ein Unternehmen strategisch und operativ erfolgreich zu führen. Die Medienbranche ist facettenreich, kommunikativ und geprägt von kreativen, guten Leuten. Von diesen, sowohl von Kollegen, als auch insbesondere von unseren Mitarbeitern habe ich zielgruppengerechtes Arbeiten in allen relevanten Geschäftsprozessen gelernt und ich habe gelernt, wie wichtig die verkäuferischen Aspekte im Mediengeschäft sind. Schlussendlich kommt es nur auf die Menschen an und es geht darum, die richtigen zu finden, zu fördern und zu fordern. Die Liebe zu den Medien, insbesondere zu Printmedien ist gewachsen und diese werden auch eine große Zukunft haben. (fid)

 

  • Michael Tillian
    foto: styria multi media

    Michael Tillian

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