Rechnungshof-Kritik

Bundesagentur spekulierte mit Milliarden

15. Juli 2009, 17:36
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    montage: beigelbeck

    Auch die Republik wollte bei den toll verzinsten Papieren mitverdienen, verlor damit aber wie alle anderen viel Geld.

Schaden laut Rechnungshof: 377 Millionen Euro - Finanzierungsagentur streitet Verluste ab

Der Rechnungshof kritisiert in seinem jüngsten Bericht die Spekulationsgeschäfte der dem Finanzministerium unterstellten Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA). Diese habe im Jahr 2007 bis knapp die Hälfte des Bargeldbestandes der Republik in wenig transparente, aber hochverzinste Wertpapiere gesteckt - der Höchststand waren 10,8 Milliarden Euro. Mit dem Platzen der Spekulationsblase sei die Republik zwar zu einem großen Teil ausgestiegen, derzeit seien aber noch immer rund 617 Millionen Euro in solchen Asset-backed-Securities veranlagt. Davon seien 377 Millionen Euro abzuschreiben, so der Rechnungshof.

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Wien - Auch die staatliche Bundesfinanzierungsagentur hat bei den Asset-Backed-Securities mitgezockt, berichtet der Rechnungshof. Der weltweite Zusammenbruch des Marktes für diese hochverzinsten und dementsprechend riskanten Papiere hat die jüngste Finanzkrise und in der Folge die derzeitige schwerste Rezession seit 1945 ausgelöst.

Der Rechnungshof kritisiert, dass die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) - sie ressortiert zum Finanzministerium - "sowohl im Verhältnis zu ihren Kassamitteln wie auch zum Weltmarkt sehr hohe Beträge in intransparente Wertpapiere" veranlagt habe. Im August 2007 erreichte der Stand der ABS-Investitionen der Republik 10,8 Milliarden Euro (der Stand wurde bis Jahresende auf 771 Mio. zurückgefahren). Damals sei der Cash-Bestand bei 23,5 Mrd. Euro gelegen - sprich: Fast jeder zweite zur Verfügung stehende Euro wurde in jene Papiere gesteckt. Ausgegeben wurden die ABS von Finanzinstituten, mitunter von sogenannten Special Investment Vehicles (SIV), die üblicherweise in Steuerparadiesen à la Cayman Islands registriert sind. Angelockt wurden die Investoren mit extrem hohen Zinsen, die Ratingagenturen gaben trotzdem die besten Noten, die Papiere galten als "sicher" . Bis zur Jahresmitte 2007, als die ersten SIVs krachten.

Per Jahreswechsel 2008/2009 seien noch immer 617 Mio. Euro ABS in den Büchern gestanden. 377 Millionen Euro davon waren vom Ausfall bedroht. Laut OeBFA hat sich dieser Stand bis heute kaum verändert.

Der Rechnungshof kritisiert, dass die OeBFA nicht rechtzeitig erkannt hätte, welche Gefahr mit dem Zusammenbruch des US-Subprime-Marktes (Wertpapiere, basierend auf Ramschkrediten an wenig kreditwürdige Hauskäufer) für die eigenen Investments bestand.

Die Bundesfinanzierungsagentur rechtfertigt die Veranlagung in die späteren "Giftpapiere" mit zwei Argumenten: Erstens hätten die internationalen Ratingagenturen die Papiere bestens bewertet, im Jahr 2007 habe es "nicht die geringste Veranlassung gegeben, den Ratings der weltweit tätigen Agenturen zu misstrauen" , schreibt die OeBFA bereits in der Stellungnahme im Rechnungshofbericht. Zweitens habe die Republik jahrelang mit diesen Investments gut verdient. Zwischen 1998 und Ende 2008 habe man mit den kurzfristigen Veranlagungen - mit jenem Cash, das der Bund zwischenzeitlich aufgrund zeitlich unterschiedlicher Ab- und Zuflüsse immer wieder hält (siehe dazu auch Grafik) - einen Zinsgewinn von 685 Mio. Euro eingefahren (nominell, ohne Zinseszinseffekt), ließ die heutige OeBFA-Geschäftsführerin Martha Oberndorfer wissen.

"Höchstes Rating"

Für diese Investments seien "ausschließlich Adressen mit den höchsten kurzfristigen Bonitätsrankings A1/P1 als Veranlagungspartner infrage" gekommen. "Gesamthaft betrachtet ist dem Bund kein Schaden erwachsen." Oberndorfer wirft auch die Ersparnis aufgrund des gesunkenen Zinsniveaus in die Waagschale. Die OeBFA habe am 17. August 2007 die Nachricht von der Herabstufung "ihrer" SIVs durch die Ratingagenturen bekommen, darauf seien die Veranlagungen gestoppt worden. In diversen Aufsichtsratssitzungen danach wurde festgelegt, dass nur mehr ABS mit Kapitalgarantien gezeichnet werden dürften. Nach einer internen Prüfung seien die Risikorichtlinien "überarbeitet" worden.

Oberndorfer führt die Bundesfinanzierungsagentur seit Februar 2008 (davor war sie unter anderem Vorstandsmitglied bei einer Asset-Management-Tochter der heute verstaatlichten Kommunalkredit). Ihr Vorgänger Helmut Eder ging Anfang 2008 in Pension. Eder war bereits als Beamter des Finanzministeriums für das Schuldenmanagement verantwortlich, bei der Ausgliederung der OeBFA wurde er Geschäftsführer - neben Paul Kocher (heute im Vorstand der Hypo Alpe Adria). Auf Kocher folgte 2006 Kurt Sumper, ein Vertrauter des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser. Im Aufsichtsrat saßen 2007 unter anderem: Gerhard Steger (Budget-Sektionschef im Finanzministerium), Bernhard Felderer (IHS-Chef, Staatsschuldenausschuss) und Josef Zechner (Finanzwirtschaftsprofessor an der WU Wien). (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.7.2009)

Kommentar

Bundesspekulationsagentur

Siehe dazu auch den aktuellen Blog "Krisenfrey"

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per verser
00
17.7.2009, 12:14

die spö kann es nicht verantworten, diese vorkommnisse ungeahndet zu lassen.

Childerich von Bartenbruch
02
17.7.2009, 12:08
eigentlich wäre es an gusenbauer gelegen, ...

... zu sagen: "meine damen und herren, es reicht! die republik kann sich diesen finanzminister einfach nicht leisten."

also dann ...
00
17.7.2009, 14:04
naja ... gusi + faymann ... betreiben eine politik der täglichen beliebigkeit...

bei haben keine cojones...you know !

Finn McCool
02
17.7.2009, 10:22
Also bitte!!!

Die hohe Landwirtschaftskompetenz der ÖVP ist doch wohl weiterhin unbestritten. Viele der führenden ÖVP Funktionäre sind auf dem Bauernhof aufgewachsen und sind oder waren selbst Bauern. Die SPÖ kann hingegen eben nicht landwirtschaften.

Die ÖVP hat also eindeutig eine hohe Landwirtschaftskompetenz. Nur warum die Gummistiefler glauben sie können sich aufgrund ihrer Landwirtschaftskompetenz gewandt auf dem glatten Börsenparkett bewegen, bleibt ein Rätsel. Die Vorgänge an den Börsen unterscheiden sich nämlich grundlegend von den Vorgängen auf einem Bauernhof, selbst dann wenn man mit Schweinebauch-Fututres speluliert.

also dann ...
01
17.7.2009, 14:06
hmhm ... eine böse...vermutung ! es liegt daran, das sich k o n r a d...

einen w i t z e - kanzler...
in seinem stall hält, bauern-mässig gesprochen ?!

Peitschenknaller2009
00
17.7.2009, 09:34
Grasser einst...

Ich habe als einziger Finanzminister das Nulldefizitereich erreicht !

Kohl Nationalratspräsident damals:
Karl Heinz das hast du gut gemacht !

Heinz Grasser über Karl Grasser:
Genialität nennt man einfach KHG.

(teilweise satire)

Foromat
31
17.7.2009, 08:05
Lieber Herr Szemeliker, was nun ?

Waren es Mortgage BS (Ramschkredite) oder wie von ihnen beschrieben Asset BS ?
Überhaupt ist der Artikel ziemlich reisserisch, Zocken ist etwas anderes (zB wenn man vor einer Woche AUA Aktien gekauft hätte oder heute am Abend diese wieder zu shorten, Futures und Optionen, das ist Zockerei).
Ich sehe ja ein, dass man sich beschweren soll, das die BFA ein Sauhaufen ist, aber nicht wegen dem drohenden Verlust von bis zu 600 Millionen (dzt Buchverlust), das sind nämlich gerade mal 6% auf die investierten 10 Mrd (uh uh Zockerei!!!) und das bei einen totalen Kollaps des Finanzsystems.
Eher bedenklich finde ich die Aussage von Pröll, dass die BFA in den letzten Jahren im Schnitt 40 Mio p.a. (0,4%) Gewinn gemacht hat, das ist der wahre Skandal.

Carnoustie
03
17.7.2009, 12:27
Lassen Sie sich nicht vom Hobbyökonomen Frey in die Irre leiten!

MBS sind nmV lediglich eine Subspezies von ABS, deren Wert typischerweise durch einen (erwarteten) eingehenden Geldstrom bestimmt wird. So lang sich die Banken, Fannie Mae, Freddie Mac u.a. an bewährte konservative Kreditkriterien hielten, waren diese Papiere tatsächlich sehr sicher.

Lange vor 2008 kamen die Instrumente ins Gerede und es liefen sogar Bilanzfälschungsverfahren gegen die beiden FM. Es fanden Auslagerungen aus den Bankbilanzen, in Zweckgesellschaften an exotischen Orten, statt und die Kuponzinsen stiegen dramatisch an, trotz hoher (Gefälligkeits)-Ratings.

Die Höhe der Verluste (Spitze eines Eisbergs?) sind nicht so wichtig, wie der Umstand, dass diese einfach denkenden Leute so über Bord gehen durften. Keine Kontrollen?

Peitschenknaller2009
10
17.7.2009, 07:46
Mann hat daraus gelernt

War das etwa ein Kurs für Beamte oder war es eine Erfahrung.
Das Volk wird langsam gereizt - heute darf man zwar noch in Wiener Neustadt einen großen KAWUMM erleben aber was hat der Herr Sparefroh Molterer damit zu tun.
"Sicher nix - die Schüsselpolitik ist 100pro unschuldig !"

Schönes WE UserInnen ;)

Mehr:
http://warteschlange.twoday.net/stories/5828013/

Gerhard Schwarz
 
07
17.7.2009, 02:05
Die Bundesfinanzierungsagentur ist ein Grasser-Ideologie-Produkt.

Wieso wird mit Steuergeldern spekuliert und gezockt?
Wenn schon eine Finazierungsagentur, dann sollte sie den Gebietskörperschaften Finanzierungsmöglichkeiten einräumen, was diesen zur Vorfinanzierung öffentlicher Projekte teure Kreditaufnahmen ersparen würde. Die so erzielten Einsparungen wären größer als allenfalls zu erzielende Spekulationsgewinne. Eine Grasser-Kreation - und so schaut diese Bundesfinanzierungsagentur auch aus

mikromalist
 
00
17.7.2009, 11:51
Typisches Laien-aus-dem-Bauch

Argument, welches wir 1:1 bei der Kommunalkredit hatten. Sie sollen Gebietskörperschaften günstige Finanzierung anbieten. Wie sollen diese aber refinanziert werden (Geld verkaufen um 3,5% und einkaufen um 7% Euribor?)? Eine Idee? Wenn nicht über risikoreichere Instrumente, dann erben vom STEUERZAHLER (direkt).
Es sind genau die POLITISCHEN Zinsen die diese Weltkrise verursacht haben (und ja, mit ganz hässlicher Gier als Begleiterscheinung).

also dann ...
00
17.7.2009, 14:11
hmhm ... und was verstehen sie unter polit. zinsen ...genau ?

wenn sie die verkorrumpierung des us(welt-)finanzsektors
- beginnend mit der abschaffung aller regulierungen -
meinen, kann man nur zustimmen.

auch un der e u ...waren es poltiker aller couleurs (JA auch der spö-delegation ...swoboda + friends)
die die "verbriefungen"...begüssten und förderten !

sooo...gesehen
ist der polit-zins sehr hoch - stimmt.

mikromalist
 
00
17.7.2009, 14:21
Bush "zwingt" Greenspan

niedrig-verzinste Floater aufzulegen. In den meisten Ländern wurden schon vorher Hypothekarkredit-Zinsen politisch stark "beeinflusst" (Landesgarantien gibt es nur unter ...). Kredite an Gemeinden ... niedriger als risikolos refinanzierbar ..
Nichts davon ist vom Markt bestimmt.
Ein typischer Sündenfall der Retrolinken.

also dann ...
00
17.7.2009, 14:56
hmhm ... da bin ich (überwiegend) nicht bei ihnen, denn

seit 2001...war die zinssenkung zum überwiegenden teil wohl markt - und nicht polit-bedingt, sonst hätte es wohl schon damals eine rezession
(vergleichbar mit jetzt ?) gegeben.

ja...nun kann man darüber debattieren, dass diese niedrige zins-phase zu lange, zu niedrig usw.
war, und - so wie sie meinen - auch den landes-hypos...half, sich mit billigem geld(schulden)
über-zu-versorgen.
und dass für die subprimes (natürlich) der staat und nicht die banken (keine risikobeurteilung !) verantwortlich seien...

ad retro-linke
für die usa...trifft dieser begriff ja nicht zu ?!
und die SD in europa (egal ob blair, schröder oder vranz...) hat mit LINKS (fast) nichts am hut
...mehr allerdings mir retro - aber dann rechts.

mikromalist
 
00
17.7.2009, 15:08
Völlig richtig, mit dem einseitigen Retro.. war ich

viel zu oberflächlich und verstosse damit gegen meine eigene Theorie: Retrolinke und Ultrakonservative ziehen an einem Strang, wenn es um das Ausschalten des Marktes geht.
Die Hitze (3% IQ Verlust pro Grad über 21) ... Sorry.

Sobotka der Milliarden(ver)zocker
02
16.7.2009, 19:48
Läppische 377 Millionen, peanuts!

Ich allein habe 1 Milliarde an Wohnbaufördergeldern verzockt!

Und keiner erfährt es, gut was ?

Ja, so geht es wenn man die Medien in der Hand hat!

Sandwich
00
17.7.2009, 09:13
Meinl International Power

Meinl war damals mit Fibeg in Gesprächen über eine mögliche Zeichnung von MIP-Aktien. Ob Fibeg zugeschlagen hat, oder nicht, ist mir nicht bekannt. Wir werden es wohl auch nie erfahren.

Drescher
00
16.7.2009, 22:05

die Fondsmanager haben dafür mindestens 120 Millionen Euro an Provisionen bekommen.

Gerhard Schwarz
 
15
17.7.2009, 00:38

Nicht nur die ausgezeichnete Rede Gregor Gysis ist sehens- und hörenswert, auffällig ist das hohe Niveau von Diskussionen im deutschen Bundestag - ganz im Gegensatz zum österreichischen Nationalrat.

also dann ...
11
17.7.2009, 08:29
stimmt : und w o r a n ...liegt das ?

ich denke wohl daran, dass ganz w e n i g e...
der mandatare überhaupt begreifen, worum es geht.

und dass die ausdrucksweise kaum über 3 stehsätze hinausreicht, lasse ich höflich aussen vor
- weil ö s s i - k u l t u r !

Jetzt aber
03
16.7.2009, 19:21
kompetenz

Ist das die so heiß reklamierte Wirtschaftskompetenz der ÖVP?

Rinaldo Rinaldini
01
16.7.2009, 18:41
die Oberndorfer war also bei der Kommunalbank??

das war ja die aergste Dodeltruppe in Oesterreich, die Milliarden investierte und dabei einer sehr simplen aber dafuer umso duemmeren Strategie der 'Carry trades' gefolgt ist. Ergebnis: die Kommunalkredit war bankrott! Und eine dieser Verantwortlichen sitzt jetzt bei der Bundesfinanzierungsagentur???? furchtbar..die oesis

BogumirOrjoltschaschtsch
 
01
17.7.2009, 01:42
nicht zu vergessen....

auch in der Regierung, Frau Schmied! Oder irre ich mich da?

sungun
10
16.7.2009, 16:49
Spekulation

Ich find des voll arg. Schön langsam müssten uns die Herrn und Fraun Politiker Schmerzensgeld zahlen, für die täglichen Fehltritte, die sich sich leisten.

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