"Wir müssen doch nicht noch einmal zum Mond"

14. Juli 2009, 19:03
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Buzz Aldrin war der zweite Mann auf dem Mond - Heute schreibt er vor allem Bücher über seine Weltraumabenteuer

Warum er den Erdtrabanten für künftige Missionen eher langweilig findet und den Mars vorziehen würde, sagte er Deborah Solomon.

* * *

Vor vierzig Jahren verfolgte Sie die Weltöffentlichkeit gebannt bei Ihrem Spaziergang auf dem Mond. Haben wir seit dem Flug der Apollo 11 Fortschritte gemacht?

Aldrin: Nicht wirklich. Wir haben unsere Aufmerksamkeit auf die niedrige Erdumlaufbahn verlagert.

Meinen Sie das Shuttle-Programm, das enden soll?

Aldrin: Wir haben uns auf das Shuttle und die Internationale Raumstation ISS konzentriert sowie das Fundament geschaffen, um auf den Mond zurückzukehren. Russland hat sich auf Phobos konzentriert, einen Mond des Mars. In den USA hat man leider erst vor kurzem realisiert, wie wichtig Phobos as Meilenstein zum Roten Planeten wäre.

Hat der Mars so viel mehr zu bieten als der Mond?

Aldrin: Ja, viel mehr. Er ist viel eher mit der Erde vergleichbar. Der Mars hat eine dünne Atmosphäre und einen Tag-Nacht-Zyklus, der unserem sehr ähnlich ist. Er hat auch Jahreszeiten.

Heißt das, der Mond ist passé?

Aldrin: Für kommerzielle Aktivitäten ist er nicht gerade vielversprechend. Mag sein, dass die Wissenschaften noch Interesse haben, auch dass er strategisch wichtig ist, ich glaube aber nicht, dass es notwendig für die Amerikaner ist, auf dem Mond wieder präsent zu sein. Wir müssen nicht noch einmal hin, um uns die Ressourcen zunutze zu machen. Das können auch Roboter für uns machen.

Sie waren nach Armstrong der Zweite auf dem Mond. War das ärgerlich?

Aldrin: Nein. Zu dieser Zeit habe ich nicht nach noch mehr Lorbeeren gesucht.

In Ihren neuen Memoiren "Magnificent Desolation" blicken Sie auf die von Alkohol und Depressionen geprägte Zeit nach "Apollo 11" zurück ...

Aldrin: Depressionen wurde mir mütterlicherseits vererbt. Ihr Vater hat Selbstmord verübt. Und sie selbst hat sich ein Jahr, bevor ich zum Mond flog, umgebracht.

War der Mädchenname Ihrer Mutter wirklich Marion Moon?

Aldrin: Ja. Ich wollte nicht, dass die Nasa das erfährt. Womöglich hätte mir jemand unterstellt: Aldrin darf nur zum Mond fliegen, weil seine Vorfahren Moon heißen.

Finden Sie es nicht interessant, dass wir zwei 40-Jahr-Jubiläen zur gleichen Zeit feiern: den ersten Mondspaziergang und Woodstock?

Aldrin: Ich denke nicht, dass ich nach Woodstock zum Jubiläum fahren werde.

Welche Musik mögen Sie denn?

Aldrin: Ich habe gerade eine Rap-Session mit Snoop Dogg aufgenommen. Der Song heißt Rocket Experience. Das Video ist auf der Website funnyordie.com zu sehen.

Singen Sie im Video?

Aldrin: Ich muss das relativieren. Es ist kein Singen, es ist ein Rap.

Ist es wahr, dass Buzz Lightyear, der Comic-Astronaut aus "Toy Story", nach Ihnen benannt wurde?

Aldrin: Offensichtlich. Aber meine Bankauszüge belegen das nicht.

Wie alt sind Sie jetzt eigentlich?

Aldrin: Am 20. Juli, dem Jubiläum der Mondlandung, werde ich genau neunundsiebzigeinhalb Jahre. Es ist vor allem großartig, dass ich jetzt meine Ruhe habe und tun und lassen kann, was ich will. (© 2009 The New York TimesDER STANDARD, Printausgabe, 15.07.2009)

Zur Person
Edwin Eugene "Buzz" Aldrin wurde am 20. 1. 1930 in Montclair (New Jersey) geboren. Der Absolvent der Militärakademie war Kampfpilot im Koreakrieg und studierte Raumfahrttechnik.

Das Interview erschien in der New York Times. Übersetzung: Marietta Groß

  • Buzz Aldrin war Pilot der Mondfähre "Eagle", die am 20. Juli 1969 um 20.17 Uhr auf dem Mond im Meer der Ruhe landete. Er betrat etwa 20 Minuten nach Neil Armstrong den Erdtrabanten.
    foto: nasa

    Buzz Aldrin war Pilot der Mondfähre "Eagle", die am 20. Juli 1969 um 20.17 Uhr auf dem Mond im Meer der Ruhe landete. Er betrat etwa 20 Minuten nach Neil Armstrong den Erdtrabanten.

  • Das Gefühl der Schwerelosigkeit lässt Buzz Aldrin noch einmal abheben.
    foto: aus "magnificent desolation"

    Das Gefühl der Schwerelosigkeit lässt Buzz Aldrin noch einmal abheben.

  • Cool sein ist alles: Snoop Dogg und Buzz Aldrin während der Aufnahmen zu einem Rap.
    foto: funnyordie.com

    Cool sein ist alles: Snoop Dogg und Buzz Aldrin während der Aufnahmen zu einem Rap.

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