Lager Glasenbach

"Eine Entnazifizierung fand nicht statt"

14. Juli 2009, 18:51
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    foto: dohle

    Sieben Baracken des Lagers stehen heute noch.

Erstes Buch über US-amerikanisches Lager für österreichische Nazis erschienen

Salzburg - "Wenn von den ,Glasenbachern' die Rede war, war das irgendwie etwas Besonderes und Geheimnisvolles", erinnert sich Oberösterreichs Landtagspräsidentin Angela Orthner (ÖVP) an ihre Jugendzeit. Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SPÖ) kann sich erinnern, von den "Glasenbachern" als "Opfer" gehört zu haben.

Die "Glasenbacher", das waren jene insgesamt etwa 20.000 Menschen, die zwischen 1945 und 1947 das "Camp Marcus W. Orr" - durchlaufen haben: von den US-Amerikanern aufgegriffene ehemalige SA- und SS-Angehörige, Lokalpolitiker der NSDAP und Wehrmachtssoldaten, die verdächtigt wurden, an Kriegsverbrechen beteiligt gewesen zu sein. Das Camp wurde im Volksmund nach der nächstgelegenen Bahnstation Glasenbach genannt. Die "Glasenbacher" wirkten maßgeblich am Aufbau des "dritten Lagers" in Österreich mit - einer von ihnen war der spätere FPÖ-Chef Friedrich Peter.

Sich selbst überlassen

Am Dienstag präsentierten die Landesarchive von Salzburg und Oberösterreich nun die erste Buchpublikation, die sich mit diesem Lager am Stadtrand von Salzburg beschäftigt. Die beiden Autoren Oskar Dohle und Peter Eigelsberger hatten dafür hunderte Archivkartons durchforstet und Gespräche mit den letzten verbliebenen Zeitzeugen geführt.

Auf 440 Seiten zeichnen die beiden Historiker ein detailliertes Bild von der Entstehung und Geschichte des Lagers sowie den alltäglichen Lebensverhältnissen dort. Auch die Zeitzeugengespräche sind vollständig wiedergegeben. Auf eine Darstellung der weiteren Biografie von Lagerinsassen habe man dagegen bewusst verzichtet, sagt Oskar Dohle im Gespräch mit dem Standard. Das Buch könne aber als Basis für eine weitere Aufarbeitung dienen.

Klar sei jedenfalls eines, sagt Dohle: "Eine Entnazifizierung fand im Lager Glasenbach schlicht nicht statt." Im Gegenteil - durch den gemeinsamen Aufenthalt im Lager hätten sich wichtige Seilschaften zwischen hochrangigen Nazis und jugendlichen Mitläufern gebildet. "Natürlich fühlten sich diese Menschen ungerecht behandelt", sagt Mitautor Peter Eigelsberger: "Sie kannten keinen Haftgrund und kein Entlassungsdatum." Im Lager wurden sie bei verhältnismäßig komfortablen Haftbedingungen weitgehend sich selbst überlassen und konnten ihre Weltanschauung bis zur Entlassung weiter pflegen. (Markus Peherstorfer, DER STANDARD Printausgabe, 15.07.2009)

 

Das Buch "Camp Marcus W. Orr. 'Glasenbach' als Internierungslager nach 1945" kann um 26 Euro unter landesarchiv@salzburg.gv.at bestellt werden.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 43
1 2
Lopster
01
15.7.2009, 16:42
Noch ein paar Worte über den Antifaschisten Dr. Leopold Figl

http://www.gajwien.at/aktuell/2... 10figl.htm

bildschirmkrankheit
01
17.7.2009, 14:09
einen genozid dann auch tatsächlich mitzuverantworten

das fiel offensichtlich schwer und tut es immer noch

Die Ente Lippens
00
17.7.2009, 16:46
Aber der KZ-Häftlich Figl hat die Shoa wohl nicht "mitzuverantworten" .

Figl starb an den Dauerfolgen der Mißhandlungen im KZ. Aber er ist ÖVPler gewesen, daher natürlich ein mindestens ein Kryptofaschist, eh klar.....

bildschirmkrankheit
00
18.7.2009, 20:16
in seiner funktion als nachkriegspolitiker

hatte er von anfang an so wie alle anderen unsere haltung zum von uns mitverursachten genozid zu verantworten - sein persönliches lagerschicksal ist davon zu unterscheiden, er wurde aus politischen gründen festgehalten; ihre anmerkung von wegen kryptofaschisten und so halte ich für pathetisch

big blue
45
15.7.2009, 14:26
zweierlei maß

komisch es hat nie jemanden interessiert dass das nsdap-mitglied und ss-angehörige wernher von braun von den amis nach amerika gebracht wurde und die staatsbürgerschaft erhielt. er wurde nie entnazifiziert.

schon komisch oder?

Papp Kamerad
10
16.7.2009, 15:33
komisch sind deine postings, die in den letzten tagen vermehrt hier auftauchen

nickwechsel hinter dir?

kubi80 zb geht mir schon ab mit ähnlichem unfug.

glasenbach und wernher v. braun in verbindung zu bringen, da gehört schon wenig an hirn dazu

Mathias
 
00
16.7.2009, 12:31
lern history

Für Wernher von Braun waren die Nazis nur "Gehilfen", um seine Visionen des Raumfluges zu verwirklichen. Hätte er können, hätte er auch mit Stalin oder Churchill zusammen gearbeitet! Er hätte für seinen Traum von der Raumfahrt sicher auch mit dem Belzebub zusammen gearbeitet!

Interessante Links gibts hier zu finden:
( http://de.wikipedia.org/wiki/Wern... _von_Braun )

Die Ente Lippens
00
17.7.2009, 16:47
SS Mitglied von Braun. Nur ein harmloser Mitläufer, natürlich...

stimme zu
14
15.7.2009, 14:18
Ob das auch dazu gehört?


http://www.dokumentationsarchiv.at/SPOE/Brau... n_SPOE.htm

Auszüge:
Bruno Kreisky: »Auch ein NSDAP-Mitglied oder ein SS-Mann muß in Österreich jedes Amt bekleiden dürfen, solange ihm keine Verbrechen nachgewiesen sind.«
In der Zwischenkriegszeit war Kreisky mit zwei SA-Führern in der gleichen Zelle inhaftiert, mit einem der beiden verbindet ihn auch nach dem Krieg eine enge Freundschaft: mit dem Ex-SS-Angehörigen Friedrich Peter.

...bezeichnet Julius Tandler (siehe oben: Vernichtung unwerten Lebens«) als »… durch und durch humanistisch gesinnten Stadtrat für das Wohlfahrtswesen der Stadt Wien …

etc. -lest selbst, echt interessant!

dr. satanas
00
17.7.2009, 15:26
...solange ihm keine Verbrechen nachgewiesen sind.«

rechtsstaatliches prinzip - oder irre ich mich?

Lopster
20
15.7.2009, 17:30

die österreichische politik ist nach 1945 schnell wieder zum antisemitismus zurückgekehrt.
http://www.gajwien.at/aktuell/2... 10figl.htm

haudi
54
15.7.2009, 14:04
Dramatische Bildunterschrift

"Sieben Baracken des Lagers stehen heute noch"
(!!!)

Also wird hier NLP-Like suggeriert dass Österreich tatsächlich nicht entnazifiziert wurde.

Avicenna
 
11
15.7.2009, 13:26
Zitat Eric Kandel: Auf der Suche nach dem Gedächtnis 2

davon zu überzeugen, Österreich sei das erste freie Land gewesen, dessen Hilter sich bemächtigt habe. Die USA und die UdSSR waren 1943 bereit, dieses Argument zu akzeptieren, weil Habsburg glaubte, damit liesse sich die österr. Öffentlichkeit zum Widerstand animieren (..). In späteren Jahren hielten beide Alliierte diesen Mythos aufrecht, um sich Österreichs Neutralität zu sichern. Da Österreich für die Geschehnisse zwischen 1938 und 1945 nie zur Rechenschaft gezogen wurde, kam es dort - anders als in Dt.- nie zur (..) Vergangenheitsbewältigung. Allzu bereitwillig schlüpfte Österreich in die Rolle der verfolgten Unschuld, eine Einstellung die viele staatl. Entscheidungen nach dem Krieg prägte. (..) Zwar drängten die Aliierten das österr.

big blue
94
15.7.2009, 14:23
neurosen

ja ja. stalins opfer mit 30-60 mio. tote sind natürlich schon von den russen aufgearbeitet worden ned wahr? aso, dort wird stalin wie ein gott verehrt. schon komisch gell. aber die russen waren ja auch die guten ned wahr?

mama mia und erst die japaner oder italiener? schlechtes gewissen? wieso?

ich hab nix getan (jahrgang 1977) also lassts mich in ruh mit eurer vergangenheits-(nicht)-bewältigunsneurosen

Quasis Herr Karl
13
15.7.2009, 21:37
Nachdem ich Ihr posting gelesen habe, tippe ich eher auf 1997 als 1977.

Sie haben neben Stalin Idi Amin, Pol Pot, Mao Tse Tung, die Verbrecher des Vietnam Kriegs, des Massenmordes Hutu -Tutsis, und hunderte andere Monster vergessen, nur, die waren keine Österreicher. Der thread lautet: "Eine Entnazifizierung (in Österreich) fand nich statt. Den Opfern muss es wohl egal sein ob sie in KZ, in Gulags oder anderen Mördereinrichtungen ums Leben kamen. Übrigens, auch ich war in keinen dieser Morde verwickelt, wenn auch schon 27 zum Zeitpunkt ihrer Geburt.

Avicenna
 
11
15.7.2009, 13:18
Zitat Eric Kandel: Auf der Suche nach dem Gedächtnis 1

"Schon 10 Jahre vor dem Anschluss gehörte ein erheblicher Bruchteil der österr. Bev. der NSDAP an. Nach dem Anschluss stellten die Österreicher zwar nur 8% der Bev. des großdt.Reiches, aber rund 30% der Amtsträger, die an der Vernichtung des europäischen Judentums mitwirkten. Österreicher befehligten 4 poln. Vernichtungslager und bekleideten viele Führungspositionen im Reich, u.a. Hitler, Kaltenbrunner und Eichmann. Ca. 6 Mill. Juden kamen während des Holocaust um, für rund die Hälfte der Toten sind Österreicher unter der Leitung Eichmanns verantwortlich. Doch trotz ihrer aktiven Teilnahme am Holocaust behaupteten die Österreicher stets, Hitlers Aggressionspolitik zum Opfer gefallen zu sein - Otto v. Habsburg (..) gelang es die Alliierten

mrheli
01
15.7.2009, 15:52

Wie jetzt? Hitler, der in Österreich geboren war, aber ebenso die deutsche Staatsbürgerschaft hatte und Parteichef der NSDAP/Führer des Deutschen Reiches war, bezeichnest du als Österreicher? Eichmann wiederum der in Deutschland geboren war zeitweise in Österreich war, auch als Österreicher?
Kaltenbrunner ja, der war echter Österreicher.

Papp Kamerad
00
16.7.2009, 16:45
Eichmann ist in Linz aufgewachsen

rter
00
15.7.2009, 19:07

eichmann, sein zeitweise war aber doch ein bisserl lang.

big blue
01
15.7.2009, 14:24

gegenfrage? warum sagen sie immer DIE österreicher?
gibts eine kollektivschuld? nicht? eben! oder sagen sie die bayern, die thüringer, die hessen? nicht?
warum nicht?

mrheli
53
15.7.2009, 13:08

Wenn es eine anständige politische Führung gibt, dann braucht man über stattgefundene und nicht stattgefundene Entnazifizierung nicht diskutieren!

Und ausserdem: Seit dem Ende des 2 Weltkrieges sind jetzt mehr als 60 Jahre vergangen, und noch immer hat das ganze drum herum keine Ende!

Muss sagen da haben die 4 Siegermächte nach dem Krieg ganze Arbeit geleistet, damit wir bis in alle Ewigkeit mit Entnazifizierung beschäftigt sind.

Herr und Frau Österreicher
 
13
15.7.2009, 12:13
allesamt opfer....

waren sie damals, und sind es heute, wie uns namhafte rechtsrecken weismachen wollen...

mrheli
00
15.7.2009, 15:38

Alles darf man nicht glauben! Wir haben Krieg geführt und waren keine Opfer der Deutschen. Wir standen mit denen zusammen an der Front.

Quasis Herr Karl
1316
15.7.2009, 09:35
Ganz Österreich IST Glasenbach.

Umberto Lenzi
00
15.7.2009, 11:46
Mehr noch:

Ganz Glasenbach ist Glasenbach!

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