Mit Berlusconi gegen fünf Milliarden

14. Juli 2009, 18:21

Ein Nachtrag zum G-8-Gipfel - von Bernhard Obermayr

Der G-8-Gipfel hat die in ihn gesteckten, realistischen Erwartungen einmal mehr voll erfüllt: Das vierzigseitige Abschlussdokument ist an Plattitüden nämlich kaum zu überbieten, womit auch der praktische Wert des Treffens als gegen null gehend zu bewerten ist. Das soll nun aber keine billige Kritik an solchen Gipfeln an sich sein, im Gegenteil: Zur Lösung globaler Probleme sind Foren, in denen sich die relevanten Global Players treffen, unumgänglich.

Das mag emotional ja schwer zu verkraften und irgendwie auch unfair sein, aber Länder wie Österreich oder Mali haben nun einmal nicht genug Relevanz, um an globalen Entscheidungen teilzuhaben. Italien und Kanada übrigens auch nicht, doch das war ein historischer Fehler bei der Konstruktion der G-8.

Wie in den vergangenen Jahren war auch heuer der Klimaschutz wieder einer der zentralen Verhandlungspunkte beim Gipfel. Und keine fünf Monate vor der entscheidenden Klimakonferenz in Kopenhagen sowie ein halbes Jahr nach Amtsantritt von Barack Obama ist die Erwartungshaltung entsprechend groß.

Nach zähem Ringen hat man sich auch tatsächlich darauf geeinigt, die breite wissenschaftliche Erkenntnis zu akzeptieren, dass der globale Temperaturanstieg zwei Grad nicht übersteigen sollte. Darüber hinaus soll der globale Treibhausgasausstoß bis 2050 halbiert werden, wozu die reichen Länder mindestens achtzig Prozent beizutragen hätten.

Das klingt zwar ganz gut, hat aber gleich drei Haken: Erstens sind die Zahlen überholt. Wir wissen inzwischen, dass die Anstrengung eine deutlich höhere sein muss. Zweitens wird getrickst, dass sich die Balken biegen. Die G-8-Nationen weigern sich nämlich, ein Basisjahr für die Reduktion zu benennen.

Es kann also 1990 oder auch ein späteres Jahr sein. Die Emissionen sind zwischen 1990 und 2005 jedoch um rund fünfundzwanzig Prozent gestiegen, also macht es einen enormen Unterschied aus, welchen Wert man nun halbieren will. Und drittens sind solche Ansagen letztlich wertlos wenn man nicht einmal in Ansätzen kundtut, was genau man eigentlich zu tun gedenkt und wann man sich damit anzufangen bequemt.

Dafür hat das Schuldzuweisungsspiel, das solche Klimagespräche üblicherweise begleitet, neue Blüten getrieben. Die Regeln dieses Spiels sind äußerst einfach, weil es nämlich keine andere außer der gibt, dass immer der andere schuld ist.

Zynismus pur

Und so wird Gastgeber Silvio Berlusconi folgendermaßen in der New York Times zitiert: "Es hat für die G-8-Länder nur wenig Sinn, lästige Verpflichtungen einzugehen, wenn sich fünf Milliarden Menschen weiter so verhalten, wie sie es immer schon getan haben." Das ist an Zynismus bzw. schlichtem Unverständnis kaum mehr zu überbieten. Nur ist das leider nicht Berlusconis Privatmeinung, sondern die - wie bei ihm üblich - undiplomatisch ausgesprochene Position des gesamten politischen G-8-Establishments wie auch weiterer wohlhabender Länder.

Entsprechend wird verständlicherweise die Reaktion der angesprochenen Länder ausfallen. Hier wird dieses Verhalten ganz genau verstanden, und Klimaschutzpolitik als Angriff auf die wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten gesehen. Und genauso ist Klimapolitik vonseiten der EU und der USA ja auch gemeint. Es geht, wie Berlusconi gewohnt ungeschönt formuliert, nicht um die Abwendung katastrophaler Auswirkungen des Klimawandels, sondern um das Ertricksen von wirtschaftspolitischen Vorteilen. Wie sonst sollen die fünf Milliarden Menschen, die Berlusconi zu einer Fortsetzung ihres elenden Lebens verdammen will, diese Ergebnisse des G-8-Gipfels verstehen. (Bernhard Obermayr/DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2009)

Bernhard Obermayr, Wirtschaftswissenschafter, arbeitet derzeit in Indien als Greenpeace-Bereichsleiter für Klimapolitik.

    1116er
    00
    15.7.2009, 08:16
    die besitzstandswahrer...

    statt die klima-änderung als anlass für eine offensive entwicklung neuer technologien zu nehmen (was aber sowohl dem einfachen mann als auch den mächtigen gefährlich erscheint), bleibt man lieber bei den alten konzepten, mault ein bisschen über die bloßfüßigen, die auch schuhe anziehen wollen, und lässt alles beim alten.

    es 'menschelt' sehr bei den großen 8....

    Brücke
    01
    14.7.2009, 22:00

    " Darüber hinaus soll der globale Treibhausgasausstoß bis 2050 halbiert werden, wozu die reichen Länder mindestens achtzig Prozent beizutragen hätten."

    Richtig und : UNAUSWEICHLICH

    Richtig , weil der Klimawandel die Vegetationsbedingungen entscheidend , in einer für die Anpassungsfähigkeit der Natur viel zu kurzen Periode , ändern wird -

    und unausweichlich , weil unserer Wohlstand am Erdöl aufbaut . Mit dem vermutlich schon eingetretenen peak oil wird die Erdölförderung in etwa 15 Jahren auf die Hälfte verringert sein .

    Das Leben der Menschen auf der Erde hängt entscheidend von Ölprodukten ab . Ohne Erdöl
    wird die landwirtschaftliche Produktion auf einen Bruchteil des heutigen Wertes zurückgehen .

    Der nuovo duce geht über Leichen

    Ava Tar
    14
    14.7.2009, 19:17
    Nehmen Sie's ihm nicht übel

    angeblich zieht Viagra das ganze Blut aus dem Gehirn raus

    Eidechse
    00
    18.7.2009, 20:30

    Haben Sie ne 12er Packung geschluckt?

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