Spionage-Ausschuss

Wer suchet, der findet

14. Juli 2009, 18:02

Nicht nur ausländische Geheimdienste haben Abgeordnete beeinflusst - Von Conrad Seidl

Wenn die Abgeordneten gewusst hätten, was da auf sie zukommt, hätten sie sich den einstimmigen Beschluss zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses wohl nicht so leicht gemacht. Denn noch bevor der Ausschuss überhaupt konstituiert ist, werden täglich neue Ungereimtheiten bekannt, die unter den Prüfauftrag des Ausschusses fallen dürften.

In diesen hatte man in letzter Minute noch den Punkt aufgenommen, dass zu klären wäre, ob Abgeordnete von ausländischen Geheimdiensten beeinflusst worden sind. Dies war ursprünglich auf einen Hinweis im Verfassungsschutzbericht gemünzt, der erst am Freitag veröffentlicht werden soll. Dabei geht es um die Frage, ob der kasachische Geheimdienst auf den FPÖ-Generalsekretär Harald Vilimsky eingewirkt hat - eine Fragestellung, die sich vergleichsweise einfach beantworten wird lassen.

Viel komplizierter ist aber, was in der Zwischenzeit aufgetaucht ist - und was sowohl von der FPÖ als auch von der ÖVP dem Prüfungsgegenstand zugerechnet wird: Im Abwehramt liegen seit Jahren Informationen darüber, welche Einflüsse Ost-Geheimdienste zur Zeit des Kalten Krieges auf österreichische Politiker genommen haben könnten.

Diese Informationen sind in einer Liste (angeblich mit dem schönen folkloristischen Namen "Martina" ) zusammengefasst worden. Sie haben jahrelang als Spielmaterial in den gegenseitigen Geschäften von Geheimdiensten gegolten. Ein Teil davon dürfte aus amerikanischen Quellen stammen, vieles auch aus der Befragung des ehemaligen DDR-Spionagechefs Markus "Mischa" Wolf im Jahr 1990.

Es ist mehr als ein historisches Interesse, das die Abgeordneten dazu treiben müsste, in diese Aufzeichnungen des Abwehramts Einsicht zu bekommen. Denn etliche der Einflussnahmen, die es im vergangenen Jahrhundert gegeben haben dürfte, wirken weiter - unter anderem dahingehend, dass ehemalige Ost-Sympathisanten heute zum Werkzeug westlicher Dienste geworden sein dürften. Denn das Geheimwissen, das in den Diensten gesammelt worden ist, ist nicht so geheim geblieben, wie es sollte.

Manche Daten sind illegalerweise bei Parteien, viele wohl auch bei konkurrierenden Geheimdiensten gelandet - und könnten bis heute dafür genutzt werden, Politiker zu erpressen und zu steuern.

Das ist beunruhigend genug.

Was den Ausschuss aber ebenso interessieren müsste, ist die Nichtverwendung der Daten. Seltsamerweise sind diese nämlich zwar illegal verwendet worden. Wo aber eine legale Verwendung - zum Selbstschutz des Bundesheeres, der eigentlich Aufgabe des Abwehramtes wäre - geboten erschienen wäre, sind sie dem zuständigen Minister offenbar nicht übergeben worden. Das ist ähnlich schlimm - denn es wirft die Frage auf, ob etwa ausländische Geheimdienste Einfluss auf die Teilnehmer der Bundesheer-Reformkommission nehmen konnten.

Und wo der Selbstschutz vielleicht noch versagt haben könnte - weil sich im Abwehramt über Jahre eine unkontrollierte Agenten-Clique breitgemacht hatte, die in internen Machtkämpfen und in ihrer Rivalität zu anderen Diensten Politiker mit gezielt selektierten Informationen gefüttert haben.

Zu prüfen ist auch, ob nicht ähnliche Vorgänge in anderen Diensten vorgekommen sind - manche politische Kritik etwa am Umbau der Staatspolizei zum Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung könnte ebenfalls mit Informationen unterfüttert worden sein, die aus geheimdienstlichen Quellen gespeist wurden.

Das alles konnten die Abgeordneten bei ihrem Beschluss nicht wissen. Und auch nicht, wie spannend die Untersuchungen noch werden können. (Conrad Seidl/DER STANDARD-Printausgabe, 15. Juli 2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2
Happel, Ernst
00
15.7.2009, 14:50
Zuviel James Bond konsumiert

Spätestens nach dem nach 9/11 bekannt wurde, das gewisse Abteilungen im CIA nicht mal über Email verfügten !!! sollten die ach so geheimen und allmächtigen Geheimdienste entzaubert sein.

eh' wurscht
00
15.7.2009, 16:52

Und bitte was macht ein Autistenclub mit einem Posteingang?

Happel, Ernst
10
15.7.2009, 14:48
Politiker beeinflussen. Ahja.

Und was soll das gerade bei Abgeordneten gross bringen? Gibt ja eh den Klubzwang, von daher macht es wenig Sinn irgendeinen Hinterbänkler zu beeinflussen. Und das mann jemand wirklich wichtigen (LH; Minister, Staatssekretär) und einflussreichen erpressen kann, wie es Seidl formuliert, halt ich doch eher für Paranoia.

Lesen sich die Standardleut eigentlich Ihre Artikel nochmal durch bevor sie sie veröffentlichen???

mika33
00
15.7.2009, 12:50
Wer suchet, der findet

Wer schei*** der stin***.

Tut mit leid musste sein.

mika33
00
15.7.2009, 10:52
Jetzt aber mal ehrlich:

Was bringt es einem ausländischen Geheimdienst Abgeordnete zu beeinflussen. Beim gegebenen Klubzwang ist das ohnehin verlorenens Geld ....

Kapitalismus Luege
01
15.7.2009, 10:29
war nie beim Geheimdienst, nur mein Pferd

systemfehler1
20
15.7.2009, 07:09
Interessant!

...und wie genau ist dann das EF-"Geschäft" wirklich zustande gekommen?

Dr. Lari and Mr. Fari
 
23
15.7.2009, 08:05
Ist doch völlig klar!

1) der EF ist das mit Abstand beste verfügbare Modell, das aufgrund seiner Wendigkeit auch bei Überschall und seiner Steigfähigkeit besonders für Ö tauglich ist.
2) Schüssel wollte sich - auch im Hinblick auf die "Sanktionen der 14" als guter Europäer bei D und F einweimperln.
3) Das mitm Preis hat man halt "irgendwie" hinbekommen, wie auch SAAB seine Preise bei anderer Gelegenheit - auch in Ö - immer wieder ... passend adjustieren konnte. Im übrigen ging es ja nicht um den Billigst- sondern um den Bestbieter.

systemfehler1
22
15.7.2009, 09:44
Der EF ist Ö-untauglich:

a., zu teuer
b., zu teuer und c., viel zu teuer.

Wer daran verdient hat, ist ja auch nicht wirklich heraussen, nur wer bezahlt hat: nämlich wir.

eh' wurscht
00
15.7.2009, 16:56

nicht mal einen mp3 player hat die Krücke...

Aufreger
00
15.7.2009, 12:41
Aber, aber, für Ö ist das Teuerste doch gerade gut genug...

Stichwort ÖBB, ASFINAG etc.

Beim EF weiß ich wenigstens wofür meine Steuern ausgegeben worden sind.

Alexander Neumaier
00
15.7.2009, 10:23
Dear me

Sie lernen offenbar noch langsamer dazu als Ihre Genossen.
Selbst Dr. Cap hat sich mittlerweile mit dem Eurofighter angefreundet.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
15.7.2009, 10:02
Nachdem Österreich einer der reichsten Staaten der Welt ist, mit einem der %uell kleinsten Militärbudgets,

ist das absolut kein Argument.
Bessere Qualität ist meistens teurer. ZU teuer ist sie so gut wie nie.

À propos verdienen: da tätert mich schon SEHR interessieren, wieso die SPÖ so fluchtartig der Schließung des EF-Ausschusses zugestimmt hat, ganz plötzlich, nachdem zwei Tage davor noch der große Schlachtruf von der endgültigen Aufklärung geschwungen wurde? Hams was abbekommen?

Mika Eskimo
 
01
15.7.2009, 06:57
Wenn man gewusst hätte,...

Aber geh, das ist aber Blauäugig. Immerhin wurde die Speerspitze der lückenlosen Aufklärung eh schon installiert. Das Magische Dreieck Fekter , Bartenstein und Ortner wird schon dafür sorgen. Im ersten Bezirk sind schwarze Filzstifte seit einer Woche ausverkauft.

murx
11
15.7.2009, 01:35
was sind denn da für verschwörungstheorien im gange!

alle politiker und der eigene geheimdienst als marionetten ausländischer geheimdienste, die es gar nicht mehr gibt ... das ist ja fast ein kommentar wie zu rau's besten zeiten.
ich hör auch meine mutter: rede nicht mit ausländern, die sind alle von geheimdiensten ...
dabei: so alt ist doch seidl gar nicht - ich mein: so alt wie meine mutter ...
und reden heißt noch nicht packeln, und die öffentlichkeit und letztlich sich selbst täuschen.
glaubt herr seidl, das wäre den investigativen schwergewichten unter den journalisten verborgen geblieben - worm, lingens, pretterebner etc.?

die zeiten, polit. systeme und ihre akteure sind definitiv andere und scheint's weitaus primitivere. die gefahr von "unselbständigkeit" heute ist ungleich größer!

Nicholas Blarney
 
01
15.7.2009, 09:33
träumen Sie weiter...

Dante Alighieri
25
14.7.2009, 21:03

Dass ein Geheimdienst seine eigene Agenda entwickelt und versucht die Politik durch selektive Bekanntgabe von Fakten oder Vermutungen zu steuern ist doch irgendwie so naheliegend dass jedes Volksschulkind es versteht. Warum so überrascht? Ein Geheimdienst der nicht strengstens von den gewählten Volksvertretern überwacht wird darf nie existieren.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
02
15.7.2009, 08:06
dann ist er aber nicht mehr geheim...

Thousand
00
15.7.2009, 08:50
geheimdienst = geheim

das ist die krux der geschichte

und mit geschichte meine ich durchaus die "geschichte" im historischen sinn

Dr. Lari and Mr. Fari
 
00
15.7.2009, 09:21
jo, eh.

Aber das Problem ist unauflösbar.

selva oscura
00
16.7.2009, 03:01

nein! da geht es ja nicht darum, dass der geheimdienst jede beobachtung bekannt gibt und es dann darüber volksabstimmungen gibt - das hätten wohl manche gerne.

bei der kontrolle geht es um die spielregeln. und darum, was die ressortverantwortlichen denn so tun, um die spielregeln umzusetzen. oder ob sie den punkt einfach ignorieren und es zb. soweit kommen lassen, dass im eigenen haus spioniert, unterwandert oder - ärger - staatsorgane erpressbar werden. über diese nebenwirkungen fragen wir dann arzt oder apotheker.
und der geheimdienst sollte auch selbst dafür sorgen, dass das eben nicht passiert. und der minister dafür, dass das der geheimdienst auch tut - aus hist. gründen nicht ganz einfach.

und das unterliegt der öffentl. kontrolle.

Ava Tar
44
14.7.2009, 19:43
Viel interessanter

als alte DDR-Geschichten ist zB die Frage, wie ein "Landeshauptmanngespräch" bei Kaffee & Kuchen, das üblicherweise umsonst zu bekommen ist, im Umfeld einer 4 Mrd. Flugzeugbeschaffung plötzlich 95.000 Euro kosten kann
daran zahlen wir nämlich noch heute
und auch noch morgen...

Viel lieber als eine Zilk Kronleuchter-gegen-Plausch-Geschichte würde ich auch wissen, wer aller unseren Parteien & Politikern Geld zuschiebt, wie es das geben kann, daß Interessensverbände dem Finanzminister 400.000,- für eine Hundifoto-Webseite rüberschiebt - und so weiter

Von der DDR sind wir nicht bedroht, wohl aber unsere Arbeitsplätze, unsere Pensionen, unser Gesundheitssystem ... soziale Sicherheit vs. sich ankündigender inflationsausgehöhlter Altersarmut

Mein Hund, die arme Sau, heißt Hojac.
20
15.7.2009, 02:07

Geh das interessiert doch zwei Drittel von einem Krügerl wirklich nicht.

Und ich stell mir grad vor, wie ausländische
Geheimagenten heftig an der Unterminierung der österreichischen Wehrfähigkeit gearbeitet haben. Und arbeiten!!!

richard ratphlat
 
01
15.7.2009, 12:29
"Unterminierung der österreichischen Wehrfähigkeit gearbeitet"

.. und erreicht!

;-)

Veridad
00
15.7.2009, 17:54
daran arbeiten und vierdienen wohl am meisten die heimischen Brauereien ...

Eine wehrfähigkeit gibt es seit 1945 nicht mehr. Was bleibt ist lediglich die Illusion dessen.
Wir haben einige wenige gute Offiziere und Einheiten, doch militärisch haben wir erstens keine aktuelle Bedrohung und keine Chance im Falle. Das gebirge interessiert niemand, die wirtschaftlichen Zentralräume sind in 24 Stunden überrannt.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.