Microsoft bringt Gratis-Office

14. Juli 2009, 17:43
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Microsoft will eine Version seines Büroprogramms Office kostenlos übers Internetanbieten - und so mit Google gleichziehen

Microsoft plant im ersten Halbjahr 2010 eine Gratisversion seines Verkaufsschlagers Office über das Internet. Wie Microsoft auf seiner Partnerkonferenz in New Orleans mitteilte, sollen für Privatnutzer vier abgespeckte Programme zur Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation und für Notizen im Internet angeboten werden. Mehrere Anwender können damit etwa gleichzeitig an Dokumenten arbeiten. Da die Anwendungen übers Web laufen, können diese im Prinzip auch via Smartphone oder Netbook genutzt werden. Mit diesem Schritt will der weltgrößte Softwarekonzern mit Erzrivale Google gleichziehen, der ein ähnliches Programm vor drei Jahren frei verfügbar gemacht hat.

Pingpong-Spiel zwischen Google und Microsoft

Damit geht das Pingpong-Spiel zwischen Google und Microsoft munter weiter. Seit Jahren dringt Google Stück für Stück in Microsofts Welt vor. Angefangen hat es mit den Google-Büroprogrammen "Google Text & Tabellen" , im Vorjahr brachte Google seinen Browser Google Chrome heraus, vor knapp einer Woche dann die Ankündigung für das Betriebssystem Chrome OS, das direkt auf Microsofts Windows-Kerngeschäft abzielt.

 

Microsoft wiederum verstärkte mit Bing und erheblichen Investitionen seine Bemühungen, Google endlich eine konkurrenzfähige Suchmaschine entgegenzustellen. Und nun soll also - ebenfalls bis 2010 - Microsoft Office anfangen, ins Netz zu wandern.

Bing

Von Erscheinungsbild und Nutzung sollen die Webversionen den kostenpflichtigen Office-Programmen ähneln, mit denen Microsoft bisher viel Geld verdient hat (im Vorjahr erzielte Microsofts Business Divison 12,4 Milliarden Dollar Gewinne). Für Geschäftskunden sind zwei weitere Versionen fürs Internet geplant. Damit wird klar, wie wichtig Microsofts Suchmaschine Bing in dieser Strategie ist. Denn wenn die Office-Nutzer künftig zur Onlineversion wechseln, benötigt Microsoft eine überzeugende Suchmaschine und weitere Angebote, um seine User zu binden und genügend Werbung einzuspielen.

"Google ist für Microsoft eine ernsthafte Bedrohung" , betonte Gartner-Analyst Tom Austin, der in der Financial Times die anhaltende Rivalität der beiden Unternehmen mit dem Verdrängungswettbewerb in den 1990er-Jahren zwischen Microsoft und Netscape um die Vorherrschaft ihrer Webbrowser im Internet verglich - den Microsoft unter Aufbietung aller Mittel letztlich gewann.

Kopien

Dem Internetkonzern Google zufolge nutzen derzeit mehr als 15 Millionen Anwender die kostenlose "Google Text & Tabellen" -Software. Im Geschäft mit Unternehmenskunden, denen Google ein kostenpflichtiges Bündel anbietet, ist der Webkonzern allerdings nur wenig erfolgreich.

Nach Angaben von Microsoft haben etwa eine halbe Milliarde Menschen Office auf ihren Rechnern - geschätzt die Hälfte davon als Raubkopie. Die angekündigte Gratisversion dürfte daher Microsofts Gesamtgeschäft nicht gefährden. Der Konzern erzielt den Großteil seiner Umsätze aus dem Geschäft mit Unternehmenskunden. Was Office 2010 kosten wird, ist noch nicht bekannt. (dpa, Reuters, red DER STANDARD Printausgabe, 14. Juli 2009)

 

 

  • Stephen Elop, Chef Microsoft Business Division, bei der Präsentation von Office 2010

    Stephen Elop, Chef Microsoft Business Division, bei der Präsentation von Office 2010

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