"Die Natur hat's nicht so eingerichtet"

14. Juli 2009 18:33
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    ÖVP-Abgeordneter Glaser: "Würde mich als Bürgermeister in keiner Weise verpflichtet fühlen, eine Zeremonie zu machen."

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    Parteikollege Prinz: "Andere Verträge werden ja auch vor dem Notar geschlossen."

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    Familienbund-Geschäftsführerin Pitzinger-Ryba: "Homosexuelle wollen gleiche Rechte - dann aber bitte auch die Pflichten."

Die Regierung peilt die Gleichstellung von Homosexuellen bis 2010 an - Teilen der ÖVP bereitet das geplante Gesetz schon jetzt Schmerzen

Die Spanier dürfen es, die Schweizer auch, die Deutschen schon lange, und die Bayern ab 1. August auch vor dem Standesamt: Homosexuelle Paare können den Bund fürs Leben schließen. In Österreich ist das anders. Eine rechtliche Grundlage, die Mann und Mann bzw. Frau und Frau aneinander bindet, fehlt bis heute. Woran liegt das?

"An der ÖVP", lautet die knappe Antwort von Christian Högl, Obmann des Homosexuellenvereins HOSI Wien. Die Bürgerlichen, seit 1986 durchgehend in der Regierung, hätten alle Bemühungen für eine Gleichstellung homosexueller Paare blockiert und verschleppt. Erst mit dem neuen ÖVP-Obmann Josef Pröll sei Bewegung in die Sache gekommen. "Er sieht das nicht so dogmatisch", konstatiert Högl, der übrigens nicht auf den Begriff "Ehe" pocht, sondern nur gleiche Rechte wie für Heterosexuelle fordert.

Keine Homo-"Ehe"

Der zögerlichen Öffnung unter Pröll trägt auch Justizministerin Claudia Bandion-Ortner Rechnung: Sie verspricht eine Lösung - im Sinne der Homosexuellen - bis Jahresende. Am 1. Jänner 2010 sollen gleichgeschlechtliche Paare ihre Lebensgemeinschaft eintragen dürfen. Dieser Bund soll weder "Ehe" heißen noch ein Adoptionsrecht umfassen, und auch ob er am Standesamt geschlossen wird, ist noch offen. Laut Absichtserklärung der Regierung soll das Gesetz aber von weiteren Novellen begleitet werden, die möglichst alle Bereiche des Lebens - Soziales, Steuern, Fremdenrecht - miteinschließen: eine echte Gleichstellung. Ob die einzelnen Ministerien mitmachen, bleibt noch abzuwarten.

Die neue Linie macht in der ÖVP bei weitem nicht alle glücklich: "Meine Begeisterung hält sich sehr in Grenzen", sagt Nikolaus Prinz, ÖVP-Bürgermeister im oberösterreichischen St. Nikola, zu derStandard.at. Wenn schon eine Aufwertung der homosexuellen Partnerschaften, "dann müssen wir nicht nur über Rechte, sondern auch über Pflichten reden", sagt der Nationalratsabgeordnete. Auch für Franz Glaser, ebenfalls Bürgermeister und ÖVP-Nationalrat, sind gleichgeschlechtliche Partnerschaften "nicht die Art des Zusammenlebens, die ich mir wünsche". Dennoch, räumt er ein, müsse man "eine rechtliche Form dafür finden". Dass Homosexuellen-Organisationen ihre rechtliche Gleichstellung hartnäckig einfordern, versteht Glaser nicht. Denn: "Die Zahl jener Menschen, die eine normale Ehe anstreben, geht total zurück, während die Homosexuellen dieser Sache mit aller Gewalt hinterherlaufen."

Widerwillen

HOSI-Wien-Obmann Högl beharrt darauf: Die Eintragung der Partnerschaft sei "eine Frage des Prinzips". Da immer weniger Menschen Ehen eingehen - für Högl ein "Auslaufmodell" - und eine steigende Zahl ohne Trauschein zusammenlebe, habe sich zwar auch die rechtliche Situation der Unverheirateten gebessert und davon profitierten auch Homosexuelle. In vielen Punkten - Erbrecht, Besuchsrecht im Krankenhaus oder Bestattungen - hätten sie aber immer noch Nachteile. Das neue Gesetz, das laut Zeitplan der Regierung am 1. Jänner 2010 in Kraft treten soll, sei ohnehin "ein umständliches Vorhaben", sagt Högl, weil man statt mit Verweisen zu arbeiten, nun alle rund 400 Bestimmungen, in denen Eheleute vorkommen, einzeln um den Begriff "Eingetragene Partner" ergänzen muss. Eben weil die Regierung das Eherecht unangetastet lässt - "aus Rücksicht auf die ÖVP und ländlich-klerikale Kreise", meint Högl.

ÖVP-Abgeordneter Prinz verteidigt das Vorgehen: "Es sind schon so viele Gesetze geändert worden - und jetzt wäre das auf einmal umständlich." Wenn das Gesetz kommen sollte, werde er keinen militanten Widerstand leisten. Zu homosexuellen Partnerschaften findet er dennoch: "Die Natur hat's nicht so eingerichtet. Man könnt's auch mit dem Glauben argumentieren, aber das ist müßig."

Genauso kommen aus der ÖVP aber auch länger schon liberale Töne. Christopher Drexler, Klubobmann der steirischen VP, plädierte schon vor Jahren für eine Gleichstellung. Denselben Wunsch äußerte Wissenschaftsminister Johannes Hahn, damals noch ausschließlich Wiener ÖVP-Chef, jahrelang gegen die Linie der Bundespartei.

Zeremonie untersagen

Derzeit werkt eine Arbeitsgruppe an dem Gesetzesentwurf. Was drinstehen wird, möchte ÖVP-Justizsprecher Heribert Donnerbauer nicht kommentieren. Nur soviel: Man sei im Zeitplan. Gegen die Eintragung am Standesamt sieht Donnerbauer im Gespräch mit derStandard.at "gute Gründe, das zu zentralisieren", etwa an den Bezirkshauptmannschaften. Auch dem oberösterreichischen Abgeordneten Prinz wäre eine "Eintragung bei Notar, Bezirksgericht oder Rechtsanwalt" wesentlich lieber. Dass es keine Zeremonie geben darf, soll laut Donnerbauer möglichst auch im Gesetz festgeschrieben werden.

Sollte es doch das Standesamt werden, werden sich die ÖVP-Lokalpolitiker aber wohl nicht querlegen. "Wenn's ein Gesetz gibt, dann wird das auch in St. Nikola gelten", sagt Prinz, der als Bürgermeister auch für das Standesamt verantwortlich zeichnet. Nachsatz: "Aber wir sind bei weitem noch nicht so weit."

Brüche in ÖVP

Die ÖVP-Spitze muss jedenfalls auch intern noch Überzeugungsarbeit leisten. "Das ist bei uns nicht so einfach wie bei der SPÖ", sagt Alice Pitzinger-Ryba, Geschäftsführerin des Familienbundes. "Zwischen einem Gio Hahn und einem Bergbauern in Tirol ist eben ein großer Unterschied, sie sind aber beide eingetragene ÖVP-Mitglieder." Pitzinger-Ryba appelliert, dass die Homosexuellen neben den Rechten auch sämtliche Pflichten für Paare auferlegt bekommen. Es müsse ein ausgewogenes, gerechtes Gesetz werden.

Mit einem hatte die ÖVP auf jeden Fall Unrecht: "Ich traue mich beinahe wetten, dass wir, wenn wir in fünf Jahren wieder diskutieren, wahrscheinlich ein solches Rechtsinstitut haben", sagte der Steirer Drexler im ORF. Das war im September 2004. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 15.7.2009)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 1108
Raptor Jesus
14.11.2009 21:01
Was'n ´Schwachsinn

Nach der Logik dürfte der Mensch kiene Flugzeuge bauen und fliegen. Weil "die Natur hat'S nicht so eingerichtet".
Nebenbei darf der religiöse Teil der ÖVP sich über den Darwinismus lustig machen.
Ich glaub, es geht hier viel eher um die pure Schadenfreude.

nofretete69
 
14.11.2009 11:36
die natur hats so eingerichtet :

der mensch hat arme , die genausolang sind, dass wir unsere geschlechtsteile berühren können - aber lt. rkk ist ja selbstbefriedigung pfui, oder ?

also wenn man schon mit der natur argumentiert, dann bitte konsistent !

und : die natur hats so eingerichtet, dass wir liebe empfinden können , da gibts kein naturgesetz, dass diese liebe nur heterosexuellen paaren " verordnet " !

Das ist Hund Putzi, das ist Katze Mietzi
13.11.2009 20:18
"die natur hats nicht so eingerichtet"

ja, was denn sonst?

glaubt heutzutage wirklich noch jemand, millionen menschen denken sich das aus???

dekadent!

Bumblebee4
13.11.2009 11:14
Unterschied

Ich möchte (am Standesamt) meine Partnerschaft eintragen lassen und dieselben Pflichten eingehen wie jedes andere Paar. Ist es dann nicht normal auch die Rechte zu fordern? Ich zahle brav meine Steuern, akzeptiere meine Mitmenschen (egal ob hetero oder homo) und schade bei Gott niemanden mit meiner Partnerschaft. Sollte mir etwas passieren möchte ich meinen Partner versorgt wissen. Das ist menschlich und hat nichts mit meiner Sexualität zu tun.

anton haupt
12.11.2009 20:53
das einzige

was bei der övp natürlich ist, ist der godern vom pröll.

Chupacabra11
08.11.2009 15:21
Was die Natur nicht alles so eingerichtet hat,...

Soweit ich mich erinnere, hat die Natur auch keine Tunnels vorgesehen, und trotzdem tun wir sie bohren und somit verbinden, was Gott eigentlich getrennt hat. Jeder operative Eingriff ist ein Angriff gegen den gottgewollten Lauf der Natur. Ich plädiere aufs Schließen der Tunnels und Schließen der Krankenhäuser, dann kommt auch kein Invertierter mehr auf die Idee, sich um einen Trauschein zu bemühen.

fiesus fiesus
06.11.2009 18:04
So.

Wenn die "Natürliche Version" wäre, möglichst viele Kinder in die Welt zu setzen, wären Pfarrer, Leute ohne Kinderwunsch oder zeugungsunfähige Menschen auch "unnatürlich".
Da dies nicht der Fall ist, verstehe ich auch nicht, warum Homosexualität als "unnatürlich" abgestempelt wird.

silverbridge
06.11.2009 10:37
Wer sagt denn so etwas?

Selbstverständlich gibt es in der Natur vielfältige Beispiele für Homosexualität, zur Bestimmung der Rangordnung und um Konflikte zu lösen.

Was es in der Natur nicht gibt aber beim Mensch schon ist Pädophilie und hier gibt es viel zu tun, gell liebe Kirche?!

Brumsle
06.11.2009 09:59
Die Natur hats nicht so eingerichter....

Die Natur hat auch keine Pfaffen produziert!

Phil Phaust
03.11.2009 16:53
empfehle den övp verantwortlichen

einen besuch des bremerhavener zoos. sollen sich dann die pinguine anschauen.

diese diskussion erinnert an orwells animal farm. "„Alle Tiere sind gleich, aber manche sind gleicher.“

was mich interessiert: wie argumentieren politiker hinsichtlich familie - ehe - fallende geburtenrate? kinderlose ehen gibt es auch bei heterosexuellen paaren. warum sind diese dann schützenswert? warum hat man probleme homosexuelle paare RECHTLICH gleichzustellen?

wie oft hat die republik österreich nun schon vor dem europäischen gerichtshof verloren? wie oft will sie noch verlieren?

es grenzt schon an hohn, dass die "agentur der europäischen union für grundrechte" ihren sitz in wien hat.

da be
02.11.2009 18:25
die begeisterung des bürgermeister in sankt(!)

niklas hält sich sehr in grenzen....

bitte wer?
bitte wo?
bitte WAS??!?!?

seifenblase
02.11.2009 15:36
es ist unglaublich

wogegen sich die ÖVP immer sträuben muss, weils anscheinend nicht natürlich ist.. es gibt einfach keine rationalen gründe, die gegen eine "homo-ehe" sprechen, und deshalb kommen sie immer mit so einem blödsinn.

Manfred Rott
 
02.11.2009 13:13
die Natur als Wertmassstab ?

naja, die Natur hat auch kein Eherecht, keinen katholischen oder anderen Glauben, keine Autos, keine Strassen, keine Philosophie, keine Literatur, keine Kunst, keinen Sport eingerichtet. Und keine Gesetze, keine Bürgermeister und keine Parlamentsabgeordnete. Keine Ehe, keine Scheidung, keine Unterhaltsrechte. Soll man das jetzt alles abschaffen, weil's die Natur nicht so eingerichtet hat. Menschen sind eben nicht auf die Natur zurückzuführen, sondern haben Zivilisationen aufgebaut. Und die Anerkennung und das Achten des Anderen gehört zur Zivilisation.

nina yankow
04.11.2009 01:49

mal davon abgesehen hat aber sehr wohl die natur die homosexualität eingerichtet. ob zu irgendeinem zweck (populationsregulation, "brutpflege-"hilfe, whatever) oder auch nur zufällig, das ist völlig egal - homosexualität gibt es seit jeher (zumindest seit tausenden jahren: bitte im alten testament nachlesen) und das nicht nur beim menschen.

leojus
17.10.2009 11:59

Weiß diese Gesellschaft eigentlich wievielen Menschen sie das Leben so zur Hölle macht?

drmukti
27.09.2009 18:22
so ein trauriges land.....

Rurouni
23.08.2009 10:48
die natur hat´s nicht so eingerichtet

so ein absoluter schwachsinn!!! homosexualität gibt es in der geschichte zu hauf und auch bei den tieren und sogar pflanzen!!! was reden diese leute dort nur??? wovor haben sie angst??? das ist so lächerlich... nur weil manche menschen es nicht wollen heißt es noch lange nicht, dass es so nicht "geplant" war, das zeugt mal wieder von der überheblichkeit der menschen...

Feldi_Nationale
 
02.11.2009 12:30

Auch in der Natur unterlaufen Fehler oder glauben sie etwa, dass die Natur Menschen, die auf Kinder stehen auch eingerichtet hat. Das sind schlichtweg Fehler und sonst nix.

aunty
02.11.2009 16:33

das hat was von "unwertem leben" was sie da ausk*tzen.....

Feldi_National
 
02.11.2009 21:42

Wars das mit ihren Argumenten

aunty
03.11.2009 13:19

ich kann leider mit ihrer argumentation, die vor weisheit nur so strotzt, nicht mithalten.

trotzdem: gleiches recht für alle menschen in diesem land.....

Feldi_National
 
04.11.2009 01:34

gleiches Recht für alle: Dann hätte ich auch gerne, trotz des Umstandes, dass ich gesund bin, Pflegegeld, Berufsunfähigkeitspension,.... oder trotz meiner Volljährigkeit keine Deliksfähigkeit und und und. Gleiches Recht für alle, sachliche Differenzierungen unerwünscht.

aunty
04.11.2009 13:31

suchen sie sich leute die da mitmachen, betreiben sie lobbying, dann werden sie schon kriegen was ihnen ihrer meinung nach zusteht....

champagne
02.11.2009 22:37
bescheuert.

das sind doch zwei unterschiedliche dinge - und ich weiß wirklich nicht warum beim thema homosexualität von manchen pädophilie so schnell dazugemanscht wird! diese argumentation ist einfach lächerlich, denn wenn zwei erwachsene menschen sich lieben sollten sie verdammt nochmal einen bund eingehen dürfen und zwar auf dem standesamt.

Jan-Frederic Czatorisky
22.08.2009 20:08
Wie ...

... kann man sich durch eine eingetragene gleichgeschlechtliche Partnerschaft betroffen fuehlen, wenn man gar nicht davon betroffen ist?
... ist es moeglich, dass Menschen die gleichgeschlechtlich Liebende lediglich von diffamierenden Soaps kennen sich von ihnen bedroht fuehlen?
... kann man glauben, dass gleichgeschlechtlich Liebende eine Gefahr fuer die Ehe darstellen?

Hier entscheiden politische Machttraeger, die die der Materie nur in bescheidenem Ausmass kennen ueber Glueck und Zufriedenheit vieler hundertausender oesterreichischer Mitbuerger.

Gleichgeschlechtlich Liebende sind in Oesterreich laengst keine Minderheit mehr. Sie sind lediglich vom Spiel der Politik und Pseudomoralisten abhaengig.

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