
14.07.2009 20:52
AUA braucht bei Scheitern des Lufthansa-Deals eine Milliarde
Vorstand und ÖIAG rückten mit den Eckpunkten von Plan B heraus: Strecken streichen, weniger Flieger und Jobs - und mehr Geld vom Staat - 1 Foto
Wien - Eigentlich war es, in den Worten von Kleinaktionärsvertreter Wilhelm Rasinger, eine "Phantomveranstaltung", eine "notwendige Pflichtübung", damit die heimische Fluglinie Austrian Airlines alle Punkte ihrer To-do-List für die Übernahme durch die Lufthansa abarbeiten konnte.
Aber das wirkliche "Phantom" der nur mäßig besuchten außerordentlichen AUA-Hauptversammlung war das im Raum stehende Scheitern der herbeigesehnten Übernahme durch die Lufthansa. Aktionär Rupert-Heinrich Schaller erinnerte die HV an die "Farceveranstaltung für den Scheich, der heißt jetzt nicht mehr Al Jaber sondern Mayrhuber", der deutsche Lufthansa-Chef.
Also rückten AUA-Vorstand und ÖIAG-Vorstand Peter Michaelis erstmals mit Eckpunkten des oft verlangten "Plan B" heraus, falls es bis 31. Juli keine Einigung im EU-Genehmigungsverfahren und anschließendem Notausstieg der Lufthansa kommen sollte.
Zusätzlicher Finanzbedarf
Im Kern: Zusätzlicher Finanzbedarf von einer Milliarde Euro, anstelle der jetzt bei Verkauf vorgesehenen staatlichen Morgengabe von 500 Millionen Euro; Einstellung "der größten Verluststrecken" , damit verbunden beträchtliche Flottenverkleinerung und Reduktion des Transferanteils (Zahl der Passagiere, die in Wien umsteigen); und weit über die 1000 bereits angekündigten Stellenstreichungen hinaus weitere Einschnitte beim Personal. "Für den Fall, dass es zu keinem Closing mit der Lufthansa kommt, wird eine weitere Hauptversammlung einberufen, bei der wir den Haupteigentümer, die Republik Österreich, bitten uns Geld zur Verfügung zu stellen" , erklärte AUA-Vorstand Peter Malanik.
Falls tatsächlich erforderlich, würde man die Erhöhung des Staatszuschusses bei dem bereits laufenden Beihilfenverfahren einbringen, sagte Malanik - dies sei auch einer der Gründe, warum das Beihilfeverfahren noch nicht abgeschlossen worden sei, denn nach dem Prinzip "One time, last time" sei es nicht möglich, sich nach dem jetzigen Verfahren erneut bei der EU um Genehmigung anzustellen.
Mit dem zusätzlichen Geld und den drastischen Sanierungsmaßnahmen wäre aber die AUA trotzdem nicht langfristig einfach die AUA: "Ein strategischer Partner ist unbedingt erforderlich" , erklärte Malanik, eine Redimensionierung würde ausschließlich der Vorbereitung einer neuerlichen Privatisierung dienen.
Vorerst jedoch hoffen Vorstand, ÖIAG und jene Aktionäre, die das Lufthansa-Kaufangebot angenommen haben (derzeit rund 85 Prozent, der Annahmezeitpunkt ist bis 14. August verlängert worden), inständig auf Plan A unter den Fittichen des Kranichs. Dazu dienten die Beschlüsse der außerordentlichen Hauptversammlung am Dienstag, die nur mit einer Fusion Gültigkeit erlangen: Eine Kapitalerhöhung um bis zu 132 Mio. Euro, bei einem gleichzeitigen Bezugsrechtsausschluss - von der Lufthansa so im Übernahmevertrag diktiert, im Gegenzug für künftig eingebrachte Sanierungsmittel (auch Flugzeuge).
Mindestens bis 2014 Austrian
Auch der künftige Aufsichtsrat wurde festgelegt, der einschließlich Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber, Lufthansa-Vorstand Stefan Lauer und Swiss-CEO Harry Hohmeister im wesentlichen von Lufthansa gestellt wird, plus der Wiener Anwältin Theresa Jordis und dem Wiener Unternehmer Veit Schmid-Schmidsfelden. Die Österreicher sollten "Garanten" des Privatisierungswillen der ÖIAG sein, begründete Michaelis.
In den Satzungen wurde festgelegt, dass die Airline den Namen "Austrian" tragen und ihr Unternehmenssitz am Wiener Flughafen sein müsse. Mehr als eine kosmetische Maßnahme, verteidigte Michaelis den Beschluss, denn diese Bestimmung könne ein künftiger Alleineigentümer Lufthansa erst in fünf Jahren abändern. (Helmut Spudich, DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2009)
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