Fan-Fiction, Wizard-Rock: Für Fans des Zauberlehrlings gibt es viele Entfaltungsmöglichkeiten
Wien - "Liebe Leser, frisch aus der Druckerei unserer Redaktion liegt sie vor Euch: die neue Ausgabe des Tagespropheten!" Mit derart freundlichen Worten werden Besucher der Harry-Potter-Fanpage www.hp-fc.de begrüßt, die sich zur Lektüre der Fan-eigenen Postille Der Tagesprophet entschließen.
Dort erfahren sie in der Rubrik "Klatsch und Tratsch" beispielsweise von der kühnen Aktion zweier junger Hexen zur Rettung der Stein-Löwen des Hannoverschen Rathauses. Der Großteil des Fan-Bereichs allerdings ist ausschließlich für Mitglieder reserviert. Ein streng hierarchisch organisiertes Leitungsteam sorgt für die auf Hogwarts vier Häuser, von Gryffindor bis Slytherin, verteilten Nachwuchs-Potter.
Gut zwei Jahre nach Erscheinen des siebten und letzten Bandes rund um den angehenden Zauberer füllen junge Fans die schriftstellerische Lücke, die J.K. Rowling hinterlässt.
Auf zahlreichen Fan-Seiten im Internet werden die Leser selbst zu Autoren. In Foren zusammengeschlossen, schreiben sie den Roman weiter. "Fan-Fiction" nennt sich diese Art der Literatur. Die Autoren der Vorlagen - denn Fan-Fiction gibt es nicht nur bei Harry Potter - reagieren unterschiedlich auf das Eigenleben ihrer Fantasie-Geschöpfe im Netz. Manche verbieten gerichtlich jede Form der Weiterführung.
J.K. Rowling bleibt weitgehend gelassen - solange die Aktivitäten der Fans nicht ihrerseits kommerziell werden oder pornografische Inhalte verbreiten.
Nicht nur literarisch, auch musikalisch inspiriert HP seine Leser. In Norwood, Mass. gründeten die Brüder Joe und Paul Degeorge vor sieben Jahren die Band Harry and the Potters. "Wizard-Rock" nennt sich die neue Musikrichtung, die in den USA reiche Blüten treibt. Dutzende Wizard-Rock-Bands wurden seither gegründet, etwa die Remus Lupins, Draco and the Malfoys oder die Whomping Willows.
Über 120 Konzerte gaben Harry and the Potters jährlich in Bestzeiten. Mittlerweile ziehen sie sich bereits wieder aus dem Music-Business zurück. Paul engagiert sich statt dessen in der Harry Potter Alliance (HPA), einer Aktivisten-Gruppe, deren erklärtes Ziel es ist, die Verwirklichung der Ideale und Werte der Harry Potter-Bücher in der realen, der Muggle-Welt, zu fördern. Es gibt einiges zu tun - einem HP-Fan wird die Zeit nicht so schnell lang. (Cornelia Niedermeier, DER STANDARD/Printausgabe, 15.07.2009)