Die Liebesleiden eines Auserwählten

14. Juli 2009, 17:14
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    foto: warner

    Ein Zaubertrank für seinen Besten: Harry Potter (Daniel Radcliffe) muss sich diesmal das Vertrauen von Professor Slighorn (Jim Broadbent) erschleichen.

In "Harry Potter und der Halbblutprinz" wappnet sich der Zauberlehrling für das letzte Gefecht

Der sechste Film der Erfolgssaga ist ein Blockbuster, der zu sehr auf Nummer sicher geht.

***

Wien - Endlich hat der leidgeprüfte Knabe einmal ein wenig Ruhe. Im Bahnhofscafé schmökert er in einer Zeitung, und die aufmerksame Bedienung findet an dem bubenhaften Charme des Besuchers ganz offensichtlich Gefallen. Doch ein Auserwählter wie der Zauberlehrling Harry Potter (Daniel Radcliffe) hat für irdische Vergnügungen keine Zeit. Am gegenüberliegenden Gleis wartet schon Professor Dumbledore (Michael Gambon), um seinen Musterschüler bei der Hand zu nehmen und mir nichts, dir nichts in die Gegenwelt purzeln zu lassen.

Wenn es in Harry Potter und der Halbblutprinz, dem sechsten Teil der J.-K.-Rowling-Romanadaptionen, einen grundlegenden Konflikt gibt, dann liegt er in dieser Differenz aus weltlichen Bedürfnissen, die aus der Pubertät erwachsen, und dem übersinnlichen Auftrag, den Kampf zwischen Gut und Böse einen entscheidenden Schritt weiterzubringen. Die Hormone sind hier so sehr in Aufwallung, dass sie den eigentlichen Fortgang der Handlung gar ein wenig an den Rand drängen. Die Zauberschule Hogwarts erscheint in manchen Momenten so auch nur wie eines dieser US-Colleges, in denen sich Nerds und Hunks bekriegen. Immerhin haben die Bücherwürmer hier die Nase vorn.

Regisseur David Yates, der schon Teil fünf der Potter-Serie inszenierte, geht die Angelegenheit dennoch recht züchtig an, schließlich gilt es hier nicht nur die von Anfang an mitgealterte Zielgruppe zu bedienen. Für die Gefühlswirren stünde zwar mit den Zauberelixieren von Professor Slughorn (Jim Broadbent) das passende Mittel parat, um gelegentlich nachzuhelfen. Doch die Liebestränke werden nur von unwesentlichen Nebenfiguren gereicht. Ron (Rupert Grint) bleibt der einzige, der ins Volle greift.

Das verzögerte Finale

An Harry prallt der Liebeszauber noch merklich ab - ein paar scheue Blicke, ein zaghaftes Küsschen von Ginny (Bonnie Wright) müssen da schon genügen. Der Jungzauberer hat an Größerem zu arbeiten, auch wenn er in Radcliffes Darstellung manchmal so aussieht, als ob er gerade an ganz etwas anderes denkt. Das große Finale will vorbereitet werden - der finstere Lord Voldemort, der diesmal vor allem als Gewitterwolke in Erscheinung tritt, macht sich nun erstmals auch in der Menschenwelt bemerkbar und schickt seine Vasallen - darunter Helena Bonham Carter als quirlige Todesserin - in Richtung Hogwarts aus, um seinen Einfluss zu vergrößern.

Das große Finale findet allerdings erst im nächsten Band, Harry Potter und die Heiligtümer des Todes, seinen Höhepunkt. Warner Bros. hat angekündigt, aus Rowlings letztem Buch gleich zwei Filme fertigen zu wollen. Nun wird alles in Stellung gebracht, eine Verzögerungstaktik, die sich nicht unbedingt zum Vorteil auswirkt. Man merkt jedem Schritt an, dass ihm ein nächster folgen soll. Im seriellen Film hat sich dafür der Begriff des Cliffhangers etabliert, ein Mittel, den Zuschauer bei der Stange zu halten, indem man mitten in der Spannungskurve abbricht. Zu viele davon strapazieren allerdings arg die Geduld.

Die Potter-Fans wird das wohl wenig stören. Der Reiz eines ausdifferenzierten Universums wie jenem von Harry Potter liegt neben dem großen Erzählbogen ohnehin auch im Verweilen bei Details. Harrys wichtigste Lektion lautet, mehr über seinen Gegner in Erfahrung zu bringen. Vor allem über die Vergangenheit Voldemorts, der so wie er selbst einmal Hogwarts besuchte. Er muss Slughorns Vertrauen finden, um an eine versteckte Erinnerung heranzukommen, während ihm in Draco Malfoy (Tom Felton) ein energischer Gegenspieler erwächst.

David Yates' Regie geht auf Nummer sicher. Er begnügt sich damit, das Franchise zu verwalten, indem er ein solides Gleichgewicht aus Action, Atmosphäre und komischen Intermezzi schafft. Nicht mehr als die routinierte Abwicklung eines Erfolgsrezepts - trotz britischer Charaktermimen, die den kauzigen Charme älterer Dickens-Verfilmungen verströmen.

Vor allem visuell bleibt der Film hinter den Möglichkeiten zurück, dem Fantastischen den nötigen Nachdruck zu verleihen. So bleibt das Verwunderlichste an der HP-Serie, dass der Zauber der Vorlagen im Kino nicht zündet. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD/Printausgabe, 15.07.2009)

Ab 15.7.

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Wolke Sieben
01
23.7.2009, 11:14

Visuell bleibt der Film keineswegs hinter seinen Möglichkeiten! Wenn auch im Vergleich zu den Büchern einiges fehlt - sonst wäre jeder Film eine Serie - so bin ich immer wieder aufs neue begeistert, wie genial die Vorlagen bis in kleine Details umgesetzt werden. Ausnahme: Snape kommt an die Buchvorlage nicht ran, er wirkt zahnlos und bei weitem nicht so furchteinflößend und unheimlich wie in den Büchern.

Gsi Berger
01
25.7.2009, 01:05

Und ich finde gerade Alan Rickmans Snape genial, neben Robbie Coltrane und Maggie Smith.

Andere Charaktere passen für mich gar nicht zu den Buchvorlagen - Bellatrix zB finde ich schwer erträglich. Slughorn entspricht optisch gar nicht meiner Vorsellung, ist aber sehr gut und überzeugend dargestellt,

gedanken sind frei
10
22.7.2009, 08:20
ohje!

ist es dem hochwohlgeborenen hrn. kritiker nicht intellektuell genug? nicht hirnverbrannt verwirrend genug, kann er nicht wie sonst seine eigene intelligenz zur schau stellen indem er durch seine kritik zu vermitteln versucht, wie gut er den film doch verstanden hat?

ohne eigene leistung einen gut gemachten und imho auch sehr spannenden film derart zu verreißen ist klassisch für den armseligen kritikerstand.

sieben pfoten für alle
02
18.7.2009, 20:39
Hut ab vor Helena Bonham Carter!

Wunderbare Schauspielerin, extrem wandlungsfähig und glücklicherweise in der Lage, den Wahnsinn der Bellatrix Lestrange so darzustellen, wie es sich gehört.

Longyearbyen
 
00
16.7.2009, 12:02
"Vor allem visuell bleibt der Film hinter den Möglichkeiten zurück"


Da behaupte ich nicht nur das Gegenteil, sondern unterstelle dem Autor auch noch einen intellektuell verbrämten Knopf im Hirn.

duke box
60
15.7.2009, 18:26

darf er diesmal endlich die scharfe hermine poppen?

skip it
00
22.7.2009, 11:53
es heisst pu_B_ertaer...

vi-de dot com
 
11
15.7.2009, 11:45
das interessante am Halbblutprinzen

ist Harrys Tendenz zum Dunklen, die er versucht zu verleugnen aber eindeutig vorhanden ist.

Das wird schon vorher angedeutet, ist bis jetzt aber in den Filmen nie so richtig rausgekommen. Dass er im letzten Teil vor schwarzer Magie gar nicht mehr zurückschreckt und eiskalt einsetzt macht ja die letzten Teile der Potterreihe so interessant und fesselnd.

Bettina K.
00
15.7.2009, 12:41
können Sie meinem Gedächtnis auf die Sprünge helfen..

ich kann mich nicht mehr erinnern, wo setzt Harry Potter im Halblutprinzen schwarze Magie ein?

danke!

vi-de dot com
 
00
15.7.2009, 15:14
ja, kann ich.

nur wurde es nicht veröffentlicht.

Hamster
01
15.7.2009, 14:59
Sectumsempra,

der "Schneidezauber" (ich musste auf Wikipedia nachsehen), wird an mehreren Stellen des Buchs von ihm eingesetzt. Es scheint sich um schwarze Magie zu handeln, da die Wunden nicht von gewöhnlicher Heilmagie geheilt werden können. Harry verwendet im Laufe der Bücher auch mehrmals den Folterzauber, aber ob im Halbblutprinz, das kann ich nicht sagen.

vi-de dot com
 
02
15.7.2009, 14:49
er rezitiert einen Spruch aus dem Tränkebücherl

(bekanntlich sind in dem Bücherl ja ständig handschriftliche Hinweise)

worauf er sein gegenüber relativ schwer verletzt.

Ausserdem schiesst er am Ende dem flüchtenden Verschwörer einen tödlichen Fluch nach, der verfehlt (oder abgeschirmt wird? ich habs vergessen). Das erste Mal setzt er, soweit ich mich erinnern kann, schwarze Magie nach dem Tod von Sirius ein, allerdings versagt er ... worauf ihm sein Gegenüber mehr oder weniger sagt was er tun müsste damit es klappt.

Womöglich bring ich auch Dinge durcheinander, ist ne weile her dass ich ihn gelesen habe ... ;)

slaine mcroth
20
15.7.2009, 21:32


UUUUUUUH, Harry Potter ist schlimm! Trotzdem bleibt übrig, dass der "Auserwählte" ein insgesamt ein braver Streber ist, der macht, was ihm seine alten Profs antragen. So stell ich mir einen Auserwählten nicht vor; ein Vorbild mag er sein für die braven Kids von morgen...

Sag ich jetzt mal so, hab die Bücher nicht gelesen, sollen literarisch ja sehr gut sein...

absolonion
00
15.7.2009, 11:36
todesser

heißen die. Nicht Todesseher. Engl. Deatheaters

Christoph Karl Steininger
00
21.9.2009, 16:18
Wohl abgeleitet von

Beefeaters. Den Wachen des Tower of London...

littlebuddha
00
15.7.2009, 12:25

nicht vorschnell antworten. bitte nochmals lesen.

absolonion
00
15.7.2009, 14:29
printausgabe

in der Printausgabe stehet quirlige Todesseherin.

Beatrix Kiddo
00
15.7.2009, 18:03

und gestern auch noch online....da hat wohl jemand nachgebessert :-)

absolonion
11
15.7.2009, 10:18
genitiv

und es muss heißen "der Reiz eines ausdifferenzierten Universums wie jeneS von Harry Potter..."

haruki murakami
01
15.7.2009, 09:50

SlUghorn!

polzinho
13
14.7.2009, 22:58
harry potter und der geheime pornokeller

der eindeutig bessere potter. jetzt. auf youtube. gratis.

Rigglerobber
11
15.7.2009, 21:35
Auf diesen Film warte ich noch:

Harry Potter und die Kammer des Schleckens!

baby jane hudson
04
14.7.2009, 21:26
für mich gibts nur einen grund harry potter zu schauen

M A G G I E S M I T H !!!

Krawuzi Kabuzi
02
15.7.2009, 16:06
Es gibt zwei Gründe

Der andere heißt Alan Rickman.
Nach der NY Times
http://movies.nytimes.com/2009/07/1... harry.html
"...who invests his character, Prof. Severus Snape, with much-needed ambiguity, drawing each word out with exquisite luxury, bringing to mind a buzzard lazily pulling at entrails..."

Krawuzi

Martin Major
 
01
16.7.2009, 21:28

rickman go!

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