Und: Worauf lässt sich das historisch zurückführen? derStandard.at hat nachgefragt
User jo eh fragt:
In der Nacht vor dem Nationalfeiertag am 14. Juli werden in Frankreich immer wieder Autos in Brand gesetzt. Interessante Tradition, worauf lässt sich die denn historisch zurückführen?
derStandard.at hat bei dem französischen Journalisten Luc Bronner, der seit Jahren für die Pariser Tageszeitung Le Monde aus den Vorstädten berichtet, nachgefragt:
derStandard.at: Warum brennen am 14. Juli in Frankreich Autos?
Luc Bronner: Das hat vor allem zwei Gründe: einerseits betrachten es einige Jugendliche in den Vorstädten als "Rendezvous" mit der Polizei, also als Gelegenheit, gegen die Staatsmacht zu kämpfen. Und zweitens sind die Unruhen für junge Teenager, etwa ab einem Alter von zehn, eine Art reales Videospiel, mit den Polizisten Katz und Maus zu spielen. Klarerweise kann so etwas schnell sehr gefährlich werden. Diese beiden Faktoren haben uns in der vergangenen Nacht mehr als 300 verbrannte Autos gebracht. Eine politische Botschaft sehe ich überhaupt nicht.
derStandard.at: Der Nationalfeiertag bietet also kein Symbol, um gegen den französischen Staat anzukämpfen?
Luc Bronner: Nein, das glaube ich nicht. Es ist eher so, dass im Juli viele junge Leute Ferien haben und darum gerade in den Vorstädten hunderte Menschen bis spät in die Nacht draußen unterwegs sind. In den Banlieues wurde die alte französische Tradition des Böllerschießens von den Jugendlichen aufgegriffen und gegen die Polizei gerichtet. Klarerweise herrscht dann eine sehr gewalttätige Stimmung, ich war gestern in den Pariser Banlieues und es war ziemlich gefährlich.
derStandard.at: Wer sind diese Unruhestifter?
Luc Bronner: Das sind hauptsächlich sehr junge Leute, es beginnt mit Zehnjährigen und endet meist, wenn die Leute 16 oder 17 werden. Die Unruhen spielen sich meist in sozial marginalisierten Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit ab, viele Beteiligte haben Migrationshintergrund, etwa aus Afrika oder den nordafrikanischen Ländern.
derStandard.at: Die Konflikte sind nicht nur auf die Vorstädte der großen französischen Städte wie Paris, Lyon und Marseille beschränkt. Warum kommt es auch in Provinzsstädten immer wieder zu Ausschreitungen?
Luc Bronner: Ich denke das liegt daran, dass sich die Berichterstattung hauptsächlich auf die Großstädte konzentriert. Dabei gibt es etwa in Städten wie Amiens oder, wie vor einigen Tagen erst, Firminy, genau die gleichen Probleme in den Vorstädten. Die jungen Leute dort fühlen sich von der Gesellschaft ausgeschlossen und wollen gegen die Polizei kämpfen, die sie als Vertreterin des Staates betrachten. (derStandard.at, 14.7.2009)