User fragen, derStandard.at antwortet

Warum brennen am 14. Juli in Frankreich Autos?

14. Juli 2009, 18:07

Und: Worauf lässt sich das historisch zurückführen? derStandard.at hat nachgefragt

User jo eh fragt:

In der Nacht vor dem Nationalfeiertag am 14. Juli werden in Frankreich immer wieder Autos in Brand gesetzt. Interessante Tradition, worauf lässt sich die denn historisch zurückführen?

derStandard.at hat bei dem französischen Journalisten Luc Bronner, der seit Jahren für die Pariser Tageszeitung Le Monde aus den Vorstädten berichtet, nachgefragt:

derStandard.at: Warum brennen am 14. Juli in Frankreich Autos?

Luc Bronner: Das hat vor allem zwei Gründe: einerseits betrachten es einige Jugendliche in den Vorstädten als "Rendezvous" mit der Polizei, also als Gelegenheit, gegen die Staatsmacht zu kämpfen. Und zweitens sind die Unruhen für junge Teenager, etwa ab einem Alter von zehn, eine Art reales Videospiel, mit den Polizisten Katz und Maus zu spielen. Klarerweise kann so etwas schnell sehr gefährlich werden. Diese beiden Faktoren haben uns in der vergangenen Nacht mehr als 300 verbrannte Autos gebracht. Eine politische Botschaft sehe ich überhaupt nicht.

derStandard.at: Der Nationalfeiertag bietet also kein Symbol, um gegen den französischen Staat anzukämpfen?

Luc Bronner: Nein, das glaube ich nicht. Es ist eher so, dass im Juli viele junge Leute Ferien haben und darum gerade in den Vorstädten hunderte Menschen bis spät in die Nacht draußen unterwegs sind. In den Banlieues wurde die alte französische Tradition des Böllerschießens von den Jugendlichen aufgegriffen und gegen die Polizei gerichtet. Klarerweise herrscht dann eine sehr gewalttätige Stimmung, ich war gestern in den Pariser Banlieues und es war ziemlich gefährlich.

derStandard.at: Wer sind diese Unruhestifter?

Luc Bronner: Das sind hauptsächlich sehr junge Leute, es beginnt mit Zehnjährigen und endet meist, wenn die Leute 16 oder 17 werden. Die Unruhen spielen sich meist in sozial marginalisierten Gegenden mit hoher Arbeitslosigkeit ab, viele Beteiligte haben Migrationshintergrund, etwa aus Afrika oder den nordafrikanischen Ländern.

derStandard.at: Die Konflikte sind nicht nur auf die Vorstädte der großen französischen Städte wie Paris, Lyon und Marseille beschränkt. Warum kommt es auch in Provinzsstädten immer wieder zu Ausschreitungen?

Luc Bronner: Ich denke das liegt daran, dass sich die Berichterstattung hauptsächlich auf die Großstädte konzentriert. Dabei gibt es etwa in Städten wie Amiens oder, wie vor einigen Tagen erst, Firminy, genau die gleichen Probleme in den Vorstädten. Die jungen Leute dort fühlen sich von der Gesellschaft ausgeschlossen und wollen gegen die Polizei kämpfen, die sie als Vertreterin des Staates betrachten. (derStandard.at, 14.7.2009)

Kommentar posten
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Hümmgor II.
83
17.7.2009, 02:50
Es heißt ja gleichheit freiheit geschwisterlichkeit

jedoch wird nicht das gelebt sondern es wird versucht alles gleich zu machen und das ist das selbe wie faschismus... die franzosen udn französinnen haben nicht ganz gepeilt was ihr spruch bedeutet ;)

also im endeffekt sprüche klopfen aber nix dahinter.. frankreich ist dem kapitalismus viel zu stark verfallen.... sie habne super gesellschaftlcihe gesetze, aber ein haufen bürokratie, kaum ein sozialsystem und das schlimmste von allem eine kack bildungpoltik....(es beginnt schon damit dass die häuser alle baufällig sind)

kll cirr
11
21.7.2009, 10:54
Viel Ahnung können Sie aber nicht haben.

der berufsjungendliche
22
19.7.2009, 22:40
ferndiagnose.

sie sollten sich besser informieren, vor allem aber überschätzen sie ihre kenntnisse.
fakt: eines der besten sozialsysteme und laut who 2000 das beste gesundheitssystem weltweit.

Legio
 
13
17.7.2009, 21:29
Kennen Sie Frankreich ?

1. Die Franzosen wissen sehr genau was der Leitspruch der Republik bedeutet.
2. Die Bürokratie ist nicht schlimmer als in Ö, mit einem Minimum an Intelligenz erhält man das gewünschte schnell.
3. Der einzige Schwachpunkt im Sozialsystem ist die kurze Karenzzeit von 3 Monaten. Und vielleicht auch der Umstand das man das System ausnutzen kann bis zum geht nicht mehr wenn man nicht ganz so ehrlich und arbeitswillig ist.
4. Meine Töchter besuchen die Schule in F, meine Nichten im gleichen Alter in Ö. Zur Zeit sehe ich eher einen Vorteil in F. Das dann später jedem cretin eine Matura nachgeschmissen wird ist ein anderes Problem.
5. Ich sehe hier nicht mehr baufällige Gebäude als anderswo.

der_kleine_pariser
 
52
17.7.2009, 23:40

(3)der grösste schwachpunkt : ein kaum vorhandenes system an sozialwohnungen. sicher gibt's die HLMs aber das sind nicht wirklich viele, wenn ich das mit genossenschafts- gemeindewohnbauten etc. in östereich oder deutschland vergleiche. und das hebt wieder die preise auf dem freien markt in schwindelerregende höhen.

für mich auch eine soziale komponente : abgesehen von der bonzenschleuder TGV ist der öffentliche verkehr in frankreich praktisch inexistent. Übrigens eines der hauptprobleme in den banlieus.

kll cirr
11
21.7.2009, 10:53
Wo leben Sie bitte??

Ich kenne mehrere Städte in der Provinz mit sehr gut ausgebautem öffentlichen Verkehrssystem. In Nizza, Montpellier, Bordeaux, Lyon und Lille funktionieren die genauso gut wie in Österreich.
Der Zugverkehr ist wenn nicht der beste, dann einer der besten der EU und für mich funktioniert die SNCF besser als die ÖBB, wenn man von den Streiks absieht. Schauen Sie sich mal hier die ÖBB an, dann werden Sie sehen was nicht funktioniert.

der_kleine_pariser
 
01
25.8.2009, 22:44

bordeaux hat selbst 200 000 ew, der ballungsraum fast 1 mio. das strassenbahnnetz ist etwa das halbe von graz.

diese systeme scheinen nur so gut, weil der anteil des ÖV am gesamtverkehr so niedrig ist (modal split).

städte wie chartres (50 000 ew, + die nachbarstädte = 150 000 ew) ohne sonntagverkehr, auch kein einzelfall, ballungsraum vglbar mit innsbruck!

Eisenbahn : auf einen frz. kommen 50cm netzlänge auf einen Ö 75cm, das schienennetz im PV ist also in Ö 50% grösser als in frankreich. städte mit mehr als 10 000 ew ohne bahnhof gibt's in ö nicht, fra : städte mit 25 000EW ohne Bhf sind durchaus üblich.

der berufsjungendliche
12
19.7.2009, 23:30
der öffentliche verkehr in frankreich inexistent?

das ist unseriös. ich habe mehrere jahre in frankreich verbracht, bin jetzt noch mehrmals im jahr dort und habe die öffentlichen verkehrsmittel auch in der province sehr positiv in erinnerung. sie funktionieren nicht nur hervorragend und um nichts schlechter als in österreich, sondern das netz ist auch sehr gut ausgebaut. Auch die pariser u-bahn funktioniert unterm strich hervorragend.
dass für die banlieues und deren anschluss an die ballungszentren wenig getan wurde, stimmt allerdings.

den öffentlichen verkehr als inexistent zu bezeichnen, lässt an ihrer objektivität stark zweifeln.

und so unterschiedlich können die erfahrungen sein: gegenüber österreich hatte ich dort mit den behörden immer weniger probleme.

der_kleine_pariser
 
01
25.8.2009, 22:29

dass öffis in fra. ganz offensichtlich schlecht sind, zeigt die statistik.

der modal split in frankreich ist auf jeder ebene so ÖV-ungünstig wie in sonst keinem west- oder mitteleuropäischen land.

selbst in paris werden nur etwas mehr als 20% der wege mit dem öffi zurückgelegt, und das trotz dauerstaus auf dem periph und den anderen strassen.

und paris ist eben nicht frankreich.

und : eine bahnreise in die bretagne geht ja noch, aber dann in der bretagne sich mit öffis zu verpflanzen... ich rate ihnen viel literatur mitzunehmen. von einem stundentakt (in stosszeiten halbiert) zwischen zwei orten wie salzburg und mattsee können's selbst in dicht besiedelten gegenden wie der provence nur träumen.

der_kleine_pariser
 
03
17.7.2009, 23:36

(5) soweit ich mich erinnere, leben sie im osten frankreichs. da wird von vornherein schon solider gebaut. im süden auch. das folgt eher einer kontinentaleuropäischen baukultur.

aber in westfrankreich und in der ile de France wird schon von vorneherein recht schwindelig gebaut. im wohnbau herrschen da standards wie in deutschland oder österreich vor 30 jahren! (schallschutz; wârmeschutz etc.). abgesehen ist die ile de france und paris schon recht abgef**t. viele andere gegenden frankreichs auch. recht englisch, von der baukultur her.

der_kleine_pariser
 
12
17.7.2009, 23:32

(4) also, die frz schulen erinnern mich mehr an kasernen.

auch der drill, der dort herrscht, hat mit lernen nix zu tun.

und für den mehraufwand an stunden und den drill und leistungskampf (der übrigens das wichtigste hintanstellt, nämlich teamgeist), dem die frz schüler ausgesetzt sind, haben's dann auch nicht mehr wissen. und das fängt schon mit 4 jahren in der ecole maternelle an!

der berufsjungendliche
11
19.7.2009, 22:32
ich kenne das frz. schulsystem sehr gut,

kann aber ihre behauptungen überhaupt nicht bestätigen.

der_kleine_pariser
 
02
17.7.2009, 23:26

ad (3) selbstbehalt im krankheitsfall, beim zahnarzt, siehe oben. auch die grundsâtzliche einkommenssituation in frankreich ist absolut unausgewogen 'die hôchten spitzengehâlter europas und der durchschnitt nur auf platz 14)

der berufsjungendliche
11
19.7.2009, 23:49
auch da liegen sie falsch. der hdr der undp (anerkannte größe) weist vom einkommen je kopf ppp mit 30.386 $ frankreich europaweit auf dem 12. platz

(nicht eu staaten wie ch, norwegen oder island inkludiert) aus, noch vor deutschland (29.461).

im allgemeinen ranking 2007/2008 das die entwicklung einer gesellschaft wiedergibt und die verschiedensten aspekte wie einkommen, medizinische versorgung, demokratisierung, infrastruktur und viele sozialindikatoren (zugang zu bildung, lebenserwartung uvm) berücksichtigt, liegt frankreich weltweit auf platz 10. österreich liegt an 15., deutschland an 22. stelle. soweit zu den fakten.

ihre latente antifranzösische haltung in allen rubriken fällt langsam auf und lässt wie gesagt an ihrer objektivität zweifeln. nur österreichische maßstäbe anzusetzen und diese als einzigen gradmesser zu verwenden, ist ein wenig kleinkariert.

der_kleine_pariser
 
01
25.8.2009, 22:42

nur dass sich die franzosen von ihrem hohen einkommen nicht sonderlich viel kaufen können.

so lag das jahreseinkommen vor etwa 5 jahren um 120 euro über dem der österreicher, die kaufkraft allerdings 850 euro drunter.

dass sich frankreich in den letzten 2 jahren vom 14. auf den 12. platz verbessert hat, kann sein, vielleicht war der 14. platz eben auch nach abzug der weltmeister-spitzengehälter für die verbleibenden normaleinkommen gerechnet und nicht für den landesdurchschnitt.

gesundheitssytem : dass frankreich bei den medikamentenkosten nicht nur europameister sondern sogar weltmeister ist, weiss ich. ob das ein indikator für ein gutes gesundheitssytem ist, bezweifle ich.

der_kleine_pariser
 
03
17.7.2009, 23:25
ehrlichgesagt, da sind meine erfahrungen andere...

ad (2) statistik : zb. dass in österreich etwa 12% der beschäftigten beamte sind, in frankreich fast 20%.

was ich mit post, steuer, bahn.. in frankreich in den 5 jahren schwierigkeiten hatte, hatte ich in meinem ganzen vorherigen leben nicht in österreich.

oder die bürokratie im gesundheitswesen! entsetzlich.

erst alles zahlen, dann um refundierung ansuchen, dauert monate. refundiert werden 60% der arztkosten, wer nicht zusatzversichert ist, blecht!

beim zahnarzt ist's am ersichtlichsten: weil's kostet, haben die franzosen gebisse fast wie die engländer!

private bürokratie : banken, versicherungen, immobilenmakler arbeiten wie österreichische ämter vor 30 jahren.

Legio
 
12
18.7.2009, 09:23

Persönlich hatte ich in mehr als 15 Jahren nur ein einziges Problem, bezüglich meiner Hochzeit. Ein Anruf des juristischen Offiziers beim Staatsanwalt regelte das jedoch innerhalb kürzester Zeit. In den meisten Fällen ist es jedoch so dass der Antragsteller irgendwo einen Fehler gemacht hat und daraus dann Verzögerungen entstehen.

Leute mit schwachem Einkommen haben die CMU, der Rest sollte es doch schaffen eine gute Mutuelle zu bezahlen.

Ich kann mir durchaus vorstellen das die Rückerstattung in Ballungszentren wie Île de France etwas länger dauert als am Land.

Versicherungen und Banken sind sicher unter den schlechtesten, die haben noch nicht begriffen was Dienstleistung bedeutet.

der_kleine_pariser
 
01
18.7.2009, 10:08

die armee ist der einzige bürokratische apparat frankreichs der funktioniert, sagen die franzosen.

wenn sie und ihr lebenspartner jeweils 1500 euro brutto verdienen und sie 900 euro für die wohnung ablegen, verdienen's für den CMU grad einmal zu viel, eine mutuelle können's aber nur schwer bezahlen.

die rückerstattung selbst geht nicht sonderlich langsam, sie ist nur verhältnismässig bürokratisch. wo in Ö oder D ein arzt ein bündel krankenscheine im quartal abschickt und basta sind in frankreich PRO KRANKHEITSFALL der arzt, der patient und EIN BEAMTER DER SOZIALVERSICHERUNG beschäftigt.

und haben's schon einmal einen frz und österreichsichen lohnzettel zugleich in der hand gehabt?

jo eh
01
17.7.2009, 23:47

ihre postings sind übrigens sehr interessant

der_kleine_pariser
 
01
18.7.2009, 21:03

und sie lesen bücher, von denen es wichtig ist, dass es sie gibt und dass sie gelesen werden.

jo eh
00
17.7.2009, 17:03

"kaum ein sozialsystem"? das stimmt definitiv nicht. wie kommen sie darauf?

Hümmgor II.
20
17.7.2009, 17:57

im vergleich zu skandinavien, österreich, schweiz, deutschland ists nix... :P

der berufsjungendliche
01
19.7.2009, 22:37
das frz. sozialsystem kann sich mit dem österreichischen

durchaus messen, das gesundheitssystem wurde im jahr 2000 in punkto qualität und versorgung von der who als das weltbeste befunden.

jo eh
00
17.7.2009, 18:34

schweiz? wo es nicht mal ordentlichen mutterschutz gibt?

werden sie doch etwas präziser - warum ist das frz. sozialsystem "kaum existent"?
wenns geht anhand von konkreten beispielen und vergleichen zb mit schweiz und deutschland.

Hümmgor II.
00
19.7.2009, 16:30

was ist bitte mutterschutz? Ich gib nur das weiter was mir franzosen und französinnen gesagt haben.....
mutterschutz ist das das gleiche wie karenz????

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