Aktivisten wollen zweites Hainburg

14. Juli 2009, 15:50
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Bürgerinitiativen wollen Augartenspitz beim geplanten Konzertsaal-Baubeginn im Herbst wieder besetzen

"Wien soll Hainburg werden", fordert Eva Hottenroth vom Verein "Freunde des Augartens". Gemeinsam mit Raja Schwahn-Reichmann vom "Josefinischen Erlustigungskomittee" kündigte sie bei einer Pressekonferenz an, weiter gegen den Bau des Konzertkristallsaales am Augartenspitz zu protestieren.

Mit der Besetzung könne zwar derzeit nicht weitergemacht werden, aber "wir werden uns mit unseren Festchen durch die Stadt bewegen", sagt Schwahn-Reichmann. Zudem wollen die Aktivisten weiter wöchentliche Mahnwachen am Augarten-Spitz abhalten und vor dem Augarten-Palais der Wiener Sängerknaben protestieren. Sollte es tatsächlich zum Baubeginn kommen, könne man mit einer Besetzung der Baustelle rechnen, so Hottenroth.

"Wo Au drauf steht, ist Widerstand drinnen"

Nach der Zwangsräumung durch die Sondereinheit WEGA des Augartenspitzes vergangene Woche ziehen die Aktivisten Parallelen zu der Verhinderung des Baus eines Wasserkraftwerkes in der Hainburger Au 1984. Unser Motto ist: "Wo Au drauf steht, ist Widerstand drinnen", sagte Schwahn-Reichmann. "Es gibt keine Fragen über irgendwelche Gesetze", sagt Schwahn-Reichmann in Anspielung darauf, dass Teile des Augartenspitzes rechtlich gesehen Bauland sind. Man müsse durch das "Sitzen Gesetze verwendbar machen", so die Aktivistin.

24-Stunden Überwachung

Das Areal, auf dem der Konzertsaal errichtet werden soll, ist bereits eingezäunt. Auf der Fläche steht bisher nur eine mobile Toilette, zudem sitzen zwei Sicherheitsleute auf Klappsesseln am Rasen und beobachten die Aktivisten 24 Stunden am Tag. Am Montag wurden erste Probebohrungen durchgeführt, für die es laut Bürgerinitiative keine wasserrechtliche Genehmigung gab. Laut dem zuständigen Magistrat 58 war für die Bohrungen allerdings keine Erlaubnis notwendig, da sie nicht tief genug waren. Ein Sprecher kündigte aber an, dass ein Gutachten erstellt wird. Die Bürgerinitiativen fordern, dass die Stadt Wien mit dem Finanzier des Konzertkristallsaales, Peter Pühringer, verhandelt. Es soll ein anderer Bauplatz gefunden werden, dass der Saal im Park gebaut wird, ist für Hottenroth ausgeschlossen. Der Saal würde in den Augarten-Spitz "reingestopft". "Er hat hier keinen Platz", so die Sprecherin der "Freunde des Augartens".

Burghauptmannschaftleiter als "Problembär"

Der Eigentümer des Augarten-Spitzes ist die Burghaupmannschaft. Ihr Leiter, Wolfgang Beer, sei der "Problembär" der Konzertsaal-Gegner, so Schwahn-Reichmann vom Erlustigungskomitee. "Er ist untragbar, ich bin noch nie so viel angelogen worden", sagte Hottenroth am Rande der Pressekonferenz.

Grüne fordern Ersatzort

Auch die Wiener Grünen fordern einen "geeigneten und attraktiven Ersatzstandort" für den Konzertsaal. Zudem sei die Vorgangsweise der Burghauptmannschaft den Bürgerinitiativen gegenüber "unverhältnismäßig", so Planungssprecherin Sabine Gretner.

Bürgermeister Häupl kritisierte die Bundesbehörde ebenfalls für ihr Vorgehen gegen die Besetzer: Er wünschte sich in einer Aussendung eine "höhere Sensibilität" und Gespräche statt Polizeigewalt, machte jedoch klar, dass er weiterhin für den Konzertsaal-Bau am Augarten-Spitz sei.

VP: "Kein Öl ins Feuer gießen"

VP-Stadtrat Norbert Walter hat zur Deeskalation des Konfliktes aufgerufen. "Kampf-Parolen dienen nur dazu, weiteres Öl ins Feuer zu gießen und tragen ebenso wenig zur Beruhigung der Lage bei wie der von Komitee-Sprecherin Schwahn-Reichmann bemühte Vergleich mit der Hainburger Au". Die Vertreter der Bürgerinitiative sollten den gültigen Flächenwidmungsplan akzeptieren. Die FPÖ kritisierte die "professionellen Demonstranten der Grünen" und sprach sich erneut für den Bau aus. (Lisa Aigner, derStandard.at, 14. Juli 2009)

  • Raja Schwahn-Reichmann vom Erlustigungskomitee (links) und Eva Hottenroth von den "Freunden des Augartens" kündigen mehr Proteste an.
    foto: derstandard.at/aigner

    Raja Schwahn-Reichmann vom Erlustigungskomitee (links) und Eva Hottenroth von den "Freunden des Augartens" kündigen mehr Proteste an.

  • Sie prophezeien im Augarten ein neues Hainburg, denn "Wo Au draufsteht, ist Widerstand drin".
    foto: derstandard.at/aigner

    Sie prophezeien im Augarten ein neues Hainburg, denn "Wo Au draufsteht, ist Widerstand drin".

  • Das Areal, auf dem der Konzertsaal gebaut werden soll, ist bereits eingezäunt und wird rund um die Uhr von zwei Sicherheitsleuten bewacht.
    foto: derstandard.at/aigner

    Das Areal, auf dem der Konzertsaal gebaut werden soll, ist bereits eingezäunt und wird rund um die Uhr von zwei Sicherheitsleuten bewacht.

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