Krise drückt auf Zeitarbeitsbranche

14. Juli 2009, 17:32

Zahl der Leiharbeiter geht um 28 Prozent zurück, unqualifizierte Arbeiter sind am meisten betroffen - Erholung erst für 2011 erwartet

Wien - Die Rezession und hohe Arbeitslosigkeit sind für den Leiharbeitsmarkt Gift. 2008 haben Personaldienstleister für österreichische Unternehmen gut 68.000 Mitarbeiter auf Zeit bereitgestellt, heuer ist der Bedarf auf knapp 69.000 gesunken. 2010 werden nur mehr 46.000 Leihkräfte gebraucht. Das gesamte Marktvolumen bricht bis dahin um nahezu 27 Prozent ein. Darauf deutet eine aktuelle Untersuchung des Consulters Interconnection hin.

Leiharbeiter sind in der Regel in Krisenzeiten die ersten, die gehen müssen. Einbrüche habe es bereits vergangenen Herbst gegeben, heuer habe der Markt noch einmal um bis zu 30 Prozent nachgegeben, bestätigt Georg Karner, Chef des Personalbereitstellers APS. Trenkwalder-Prokuristin Irmgard Prosinger spricht von Rückgängen in Sparten wie der Autoindustrie von 40 Prozent. Die Krise habe alle schwer erwischt, "wir waren aber darauf vorbereitet, haben Kosten reduziert".

Springt die Konjunktur ab 2011 in Österreich neu an, werde der Bedarf an Zeitarbeitern jedoch explodieren, glaubt Interconnection-Geschäftsführer Frederik Lehner. Die Branche sei die erste, die vom Aufschwung profitiere. Denn das System, dass Unternehmer mit Leihpersonal flexibler auf Auftragseinbußen reagieren können, habe sich bewährt. Und es werde sich gerade in größeren Betrieben einbürgern, gewisse Teile der Belegschaft mit Zeitarbeitern abzudecken.

Licht und Schatten

Viele Gewerkschafter halten diese Entwicklung freilich für bedenklich, sie befürchten die zunehmende Verdrängung der regulärer Beschäftigung. Damit verbunden sei die Gefahr, Gehälter wie Mindeststandards zu drücken und Beschäftigte gegeneinander auszuspielen.

In Österreich arbeiten zwei Prozent der unselbstständig Beschäftigten auf Zeit. EU-weit liegt die Quote bei 2,4 Prozent, Großbritannien und die Niederlande kommen auf fünf Prozent. Lehner erwartet einen ähnlichen Anteil auf längere Sicht auch in Österreich, ungehobenes Potenzial gebe es etwa in Tourismus und Handel. Generell steigen die Anforderungen an Ausbildung und Qualifikation: Während die Arbeitslosigkeit unter ungelerntem Personal rasant zunimmt, sind Spezialisten und Techniker auch in wirtschaftlich mageren Jahren gefragt. Trenkwalder sucht derzeit etwa rund 150 Buchhalter. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2009)

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Posting 1 bis 25 von 49
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Otto von Wagner
00
Trenkwalder sucht derzeit etwa rund 150 Buchhalter.


Wenn Trenkwalder 150 Buchhalter sucht, warum finden sich auf seiner Webseite bloß 6 (in Worten: sechs) Angebote für (Bilanz-)Buchhalter?
(Ältestes Angebot vom 13. Juli)

Verar***en kann ich mich selber. Ganz ohne Trenkwalder.

Strichcode am Genick
01
31.7.2009, 06:46
hoffentlich gehen jetzt rasch

einige sklavenfirmen in konkurs und verschwinden für immer von der bildfläche.

Michail Bakunin
05
15.7.2009, 09:47

Österreich, 2007: "Nach einer Untersuchung leben 65 Prozent der zeitarbeitenden Frauen und 40 Prozent der Männer an der Armutsgrenze. Das Einkommen betrage oft weniger als 800 Euro, nur ein Drittel der Leiharbeitenden könne von der Arbeit gut leben..."

Namibia, 2008: "Leiharbeit ist verboten. Das neue Gesetz stellt unter Strafe, dass „niemand gegen Entgelt eine Person anstellen darf, in der Absicht, sie einer dritten Partei als Arbeitskraft zur Verfügung zu stellen.“ ...dass Leiharbeit ein gefährliches Mittel der Ausbeutung sei, die den Arbeitern ihre Würde nähme. Leiharbeit ist nichts anderes als "moderne Sklaverei".

www.chefduzen.de / www.chefduzen.at / Leiharbeit
www.fau.org

macindd
00
31.7.2009, 09:51

Namibia ist weiter als Österreich. Unfassbar, da bleiben einem die Worte weg ...

Strichcode am Genick
00
31.7.2009, 06:47
leiharbeiter

haben keine chancen auf rente, wie sollen sie auch die jahre zusammenbekommen ??

Laird of Glenmore
00
14.7.2009, 22:46
@ Redaktion:

Irgendetwas stimmt hier nicht ...

"2008 haben Personaldienstleister für österreichische Unternehmen gut 68.000 Mitarbeiter auf Zeit bereitgestellt, heuer ist der Bedarf auf knapp 69.000 gesunken. 2010 werden nur mehr 46.000 Leihkräfte gebraucht."

Bitte nochmal lesen.

Otto von Wagner
00

Wenn 69000 weniger als 68000 sein sollen, was lernen wir daraus? Richtig, dass das Beherrschen der Grundrechnungsarten nicht zu den Aufgaben einer Redaktion gehören.

schnurri (so heisst mein auto)
00
30.7.2009, 16:20

http://www.startpeople.at/upload/fi... beiter.pdf
2002 31_000
2003 38_000
2004 44_000
2005 47_000
2006 59_000
2007 67_000
2008 68_000
2009 55_000 (prognose)
2010 57_000
2011 64_000

Das Kapital ist die wahre Macht
31
14.7.2009, 22:19
Zeitarbeit sollte für mittlere bis größere Firmen verpflichtend sein.

Gerade die aktuelle Krise zeigt, wie schnell und wie tief auf Einflüsse von außen oft reagiert werden muss. Diese Krise ist für viele Manager wie ein Gewitter ohne Vorwarnung hereingebrochen. Ohne Kurzarbeit wären die alle sehr im Ars..!

Nur durch Zeitarbeiter konnte eine Flexibilität genutz werden und die plötzlich unnötigen Arbeitskräfte nach Hause geschickt werden. Ohne große Bürokratie, Sozialprogramme oder Genehmigung von regionalen Politikern die um ihre Wähler fürchten.

Die Firmen müssen künftig so flexibel wie eine Zieharmonika werden. Einmal ganch flach und dann wieder ganz ausgeblasen weil soviele Aufträge wie nie eintrudeln. Aber wie lange hält so ein Trend?

Künftig wird das Auf und Ab sicher noch ausgeprägter!

Otto von Wagner
00

Ich glaube, Sie haben sich mit dem Terminus ZEITARBEIT noch nicht eingehend genug beschäftigt.
Und das war noch diplomatisch ausgedrückt...

wunderwutzler
01
15.7.2009, 11:22

AN können so oder so nach hause geschickt werden. Die Frage ist, ob ein Parasit dazwischen sei oder nicht. Wenn der Beschäftiger den überlassenen heim schickt, macht der DG (Arbeitskräfteüberlasser), wenn dieser keinen neuen Einsatz für die Arbeitskraft findet, i.d.R. wird er/sie in Urlaub geschickt, oder es wird eine Einvernehmliche gemacht. Tolle Sache!

Hugo Wiesinger
20
14.7.2009, 20:35
Unqualifizierte Dämonisierungen

Zeitarbeitsfirmen müssen den Kollektivvertrag zahlen.
Wenn ihre Leihperson bei A keinen Job mehr hat kommt der zu B.
Gibt's nirgend für die Leihperson einen Job wird sie gefeuert.
Sprich genausso wie in jeder anderen Firma, welche sich am freien Markt behaupten muss.

Aber in Österreich gibt es einen grossen Geschützen Bereich, in dem man sich z.T.z.B. nicht mal vorstellen kann, dass die Mittagspause unbezahlt ist.

macindd
00
31.7.2009, 09:55

Also ich bekomme die Mittagspause nicht bezahlt. Und dabei arbeite ich (noch) in einem Amt, wo ja angeblich alle so privilegiert sind.

Laird of Glenmore
05
14.7.2009, 23:14
Na furchtbar, es gibt Arbeitnehmerrechte.

Leiharbeit bedeutet oftmals, dass es keine Überzahlung des KV gibt. Sozialleistungen der Stammfirma erhalten LeiharbeiterInnen nicht (von Sodexho-Gutscheinen bis hin zu Kinderzuschlägen und Betriebsausflügen).

Wann werdet ihr Neoliberale endlich verstehen, dass die Produktivität/Qualität und nicht die Repression/Entmündigung entscheidend ist?

Hugo Wiesinger
00
15.7.2009, 10:02
Neoliberal?

Wenn Leihpersonal anders wie das Stammpersonal, liegt das im Bereich der Anmieterfirma, die angeblich "Guten".
Innerhalb einer "guten" Firma, gibt's ja auch massive Unterschiede zwischen den Alteingesessenen und Neueintretenden Mitarbeiter.
Sollten sie den geschützen Bereich verteidigen wollen, ja den Preis dafür zahlen auch noch unsere Kinder. Aber ist nicht von Interesse wenn diese Generation vor die Hunde geht. Besitzstand wahren ohne Rücksicht auf Verluste. Einfach Österreich :-)

Laird of Glenmore
00
30.7.2009, 19:08
Ich bin für einen echten Arbeitsmarkt der Fairness,

während Sie für die Fortführung des Menschenmarktes plädieren. Derzeit gibt es aber nicht einmal ansatzweise ein Gleichgewicht zwischen Arbeitgebern und -nehmern, wobei selbst innerhalb der beiden Gruppen tiefe Gaps zu konstatieren sind:

ArbeitgeberInnnen:
1) KMUs, die sehr viele Leute beschäftigen, werden gesellschaftlich/politisch überhaupt nicht oder nicht ausreichend anerkannt und gefördert.
2) Zentralisierungstendenzen und Großkonzerne werden mit Staatsgeldern gefördert, gleichzeitig reduzieren diese den Mitarbeiterstamm.

ArbeitnehmerInnen:
1) Klassenkampf von oben seitens der Politik, d.h. Berufsstände und Menschen werden gegeneinander ausgespielt.
2) Arbeitslosigkeit bedeutet den Verlust jeglicher sozialer Rechte.

FranzR
00
14.7.2009, 18:57
leihfirmen: konzept generell fragwürdigst

arbeit auf stundenbasis finde ich prinzipiell nicht schlecht.

man arbeitet eine stunde, verrechnet eine stunde. recht simpel und in meinen augen auch fair.

seltsam ist aber:
wenn man nicht aufpasst gilt man aber schnell als "scheinselbständig", was auch immer das wort bedeuten soll.

in ordnung ist es aber, wenn man bei einer leihfirma "angestellt"(*) ist und (aus firmensicht) auf stundenbasis bei einer firma arbeitet.

einziger unterschied:
man muss den parasiten erhalten.

ergibt das sinn?????

(*) und da kennt wahrscheinlich jeder die gschichtln, bei denen der betreffende gar ned so schnell schaun hat können, war er da seitens der leihfirma gekündigt als letztes jahr die verträge mit den firmen nicht verlängert worden sind.

jMor
 
00
15.7.2009, 07:19

Auf Stundenbasis wie mal bei ner Doku gezeigt wurde.
Da muss einer den ganzen Tag in der Nähe von so nem Opelwerk hocken. Unbezahlt weil Freizeit, aber auf Abruf muss er in 20 min in Firma sein. Dann kommt ein LKW mit irgendwelchen Teilen. Er bekommt anruf, fährt ins Werk, zieht sich in Halle um (Spint gibts keinen für einen der nur schnell vorbeikommt) um dann den Lastwagen 1-3 Stunden lang auszuräumen und Teile zu kontrollieren. Dann schicken sie ihn wieder weg. Bekommt er Geld für 1-3 Stunden halt.
Das ist dann wohl kein Parasit, oder?

Keyser
00
16.7.2009, 00:08

Meinen sie die Herrn Breitscheitl? Leiharbeit Undercover? http://www.youtube.com/watch?v=ZII0LvIVU1w Oder eine der genialen Doku von Günter Walraff?

Unabhängig davon empfiehlt sich für alle Befürworter der Leih oder Zeitarbeit, sich mal bei youtube mit folgenden Suchwörtern zu informieren:

Leiharbeit, Zeitarbeit, Lohnsklaven, Leihfirma

Sabine Werner
00
14.7.2009, 17:25

Oh, wie schrecklich. Wie wird die Wirtschaft nur ohne die Sklavenhändler überleben können, wie ging es früher nur? Anscheinend super gut, da ging halt jeder wie es sich gehört zur Firma, stellte sich in der Personalabteilung vor, und hatte den Job oder auch nicht, und war direkt angestellt!!
Umso besser, von mir aus soll noch mehr von diesen Buden zusammenkrachen.

Zensur Du HXr!
03
14.7.2009, 15:35
Zeitarbeit war..

noch vor knapp 20 Jahren in Österreich verboten....



nicht ohne Grund...

Gramurcki
00
15.7.2009, 09:58
und dann kam die EU!

... und diese denkwürdige Nicht-Raunzer Kampagne der Regierung dieser Jahre...

koschka
113
14.7.2009, 15:00
Dies Art der Sklaverei gehört sofort verboten.

Die mittelqualifizierten Mitarbeiter bekommen EUR 16, das Sklavenunternehmen EUR 70 und mehr. Dafür kann ein Unternehmen die Leute sehr kurzfristig los werden und die Sklavenhalter werden auch nicht lange fackeln was man am deutlichen Beschäftiungsrückgang in der Leiharbeit ablesen kann. Jeder der eine fixe Arbeit hat wird das verstehen: maximale Unsicherheit, keine Zukunftsplanung, schon gar keine Kinder. Leiharbeit gehört sofort verboten, damit wieder Fixstellen entstehen. Sollte der Aufschwung kommen, was sicher nicht vor 2015 geschehen kann, müssen da feste Arbeitplätze draus werden und die Sklavenhalter sollen sich beim AMS anstellen.

The Man from Earth
00
14.7.2009, 23:11
Selten

einen solchen Schwachsinn gelesen... €70/h Lol

strangerinastrangeland
 
00
14.7.2009, 22:58

16€/h sind 2.667€/m, davon bleiben etwa 1.750€ netto. Nicht schlecht für einen mittelqualifizierten "Sklaven", ich kenne eine Haufen Akademiker, die weniger verdienen.

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