Zahl der Leiharbeiter geht um 28 Prozent zurück, unqualifizierte Arbeiter sind am meisten betroffen - Erholung erst für 2011 erwartet
Wien - Die Rezession und hohe Arbeitslosigkeit sind für den Leiharbeitsmarkt Gift. 2008 haben Personaldienstleister für österreichische Unternehmen gut 68.000 Mitarbeiter auf Zeit bereitgestellt, heuer ist der Bedarf auf knapp 69.000 gesunken. 2010 werden nur mehr 46.000 Leihkräfte gebraucht. Das gesamte Marktvolumen bricht bis dahin um nahezu 27 Prozent ein. Darauf deutet eine aktuelle Untersuchung des Consulters Interconnection hin.
Leiharbeiter sind in der Regel in Krisenzeiten die ersten, die gehen müssen. Einbrüche habe es bereits vergangenen Herbst gegeben, heuer habe der Markt noch einmal um bis zu 30 Prozent nachgegeben, bestätigt Georg Karner, Chef des Personalbereitstellers APS. Trenkwalder-Prokuristin Irmgard Prosinger spricht von Rückgängen in Sparten wie der Autoindustrie von 40 Prozent. Die Krise habe alle schwer erwischt, "wir waren aber darauf vorbereitet, haben Kosten reduziert".
Springt die Konjunktur ab 2011 in Österreich neu an, werde der Bedarf an Zeitarbeitern jedoch explodieren, glaubt Interconnection-Geschäftsführer Frederik Lehner. Die Branche sei die erste, die vom Aufschwung profitiere. Denn das System, dass Unternehmer mit Leihpersonal flexibler auf Auftragseinbußen reagieren können, habe sich bewährt. Und es werde sich gerade in größeren Betrieben einbürgern, gewisse Teile der Belegschaft mit Zeitarbeitern abzudecken.
Licht und Schatten
Viele Gewerkschafter halten diese Entwicklung freilich für bedenklich, sie befürchten die zunehmende Verdrängung der regulärer Beschäftigung. Damit verbunden sei die Gefahr, Gehälter wie Mindeststandards zu drücken und Beschäftigte gegeneinander auszuspielen.
In Österreich arbeiten zwei Prozent der unselbstständig Beschäftigten auf Zeit. EU-weit liegt die Quote bei 2,4 Prozent, Großbritannien und die Niederlande kommen auf fünf Prozent. Lehner erwartet einen ähnlichen Anteil auf längere Sicht auch in Österreich, ungehobenes Potenzial gebe es etwa in Tourismus und Handel. Generell steigen die Anforderungen an Ausbildung und Qualifikation: Während die Arbeitslosigkeit unter ungelerntem Personal rasant zunimmt, sind Spezialisten und Techniker auch in wirtschaftlich mageren Jahren gefragt. Trenkwalder sucht derzeit etwa rund 150 Buchhalter. (vk, DER STANDARD, Printausgabe, 15.7.2009)