Auftritt der rebellischen Töchter

14. Juli 2009, 10:56
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In dem brandneuen Stück "The Song" und dem Klassiker "Rosas danst Rosas" wird Anne Teresa De Keersmaekers Virtuosität bei der Gestaltung von poetisch-visionären Gruppen-formationen erlebbar

"The Song" heißt das neue Stück der belgischen Starchoreografin, die durch ihre mathematische Präzision bekannt wurde. De Keersmaeker sagt dazu: "Ich habe mich sehr für die Geschichte von Geometrie interessiert. In ihr geht es darum, wie man Raum ausfüllt."

Elf Tänzer - neun Männer und zwei Frauen - widersetzen sich dem zunehmenden Tempo unserer Gesellschaft und werden so zum "Auge des Hurrikans" . Zusammen mit der Lichtdesignerin Ann Veronica Janssens modelliert De Keersmaeker einen nackten Theaterraum, in dem die Körper nur durch Licht, Klang und Bewegung skulpturiert werden.

Obwohl kaum Musik zu hören ist, bilden Songs von den Beatles die rhythmische Tiefenstruktur. Die Tänzer als zugleich fragile und widerständige Figuren "erklingen" als Echos ihrer Zeit. Ihre Bewegungen und ihr Innehalten organisieren das aufs Wesentliche verdichtete Geschehen, das nur durch berührende Erzählmomente dramaturgisch unterbrochen wird.

Rosas danst Rosas gilt heute als Tanzklassiker. De Keersmaeker versteht schon in diesem richtungweisenden Stück aus den 1980er-Jahren Tanz als eine Sprache, die soziale Strukturen nicht nur aufzeigen, sondern auch subversiv unterlaufen kann.

Die abstrakte Visualisierung des Arbeitsalltags in einer Fabrik mit mechanischen Bewegungen und rhythmisierten Arbeitsvorstellungen bleibt nicht erzählerisch oder bloß linear. Körperliche und technologische Zeit erweisen sich als vielschichtig und miteinander korrespondierend.

Die Choreografin greift Elemente des amerikanischen Postmodern Dance, wie etwa Alltagsgesten, auf und setzt sie in eine streng formale Struktur. Ihr Spiel mit Wiederholungen, Rückkoppelungen, Fallen und Rotationen hat hohe Suggestivkraft. Das Spannungsverhältnis von Distanz und Engagement, von Sich-selbst-Tanzen und zur theatralen Figur werden, zeigt sich bei Anne Teresa De Keersmaeker vor allem im Körper, der ihrer Meinung nach "unser Haus ist, mit dem wir jeden Morgen aufstehen. Er bleibt das individuellste und gleichzeitig universellste Element unseres Daseins." (Nicole Haitzinger, DER STANDARD/Printausgabe, 14.07.2009)

"The Song" , 17., 18. und 19. 7., Volkstheater, 21.00
"Rosas danst Rosas" , 27. und 28. 7., Museumsquartier, Halle E, 21.00

  • Als De Keersmaeker 1983 mit "Rosas danst Rosas" ihren Durchbruch
feierte, galten die Tänzerinnen als "Béjarts rebellische Töchter". In
Wien tanzt die Choreografin nun selbst in ihrem Stück.
    foto: sorgeloos

    Als De Keersmaeker 1983 mit "Rosas danst Rosas" ihren Durchbruch feierte, galten die Tänzerinnen als "Béjarts rebellische Töchter". In Wien tanzt die Choreografin nun selbst in ihrem Stück.

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