Markus Bernath

Dissidenten verhaftet: Schmierenstück in Baku

13. Juli 2009, 18:29

Eine aufklärerische Studentenbewegung ist gefährlich für das Regime

Es gibt viel zu viele Ungereimtheiten, doch dafür ein bewährtes Modell, einen immer wieder erprobten Trick aus den guten alten Tagen der Sowjetunion: Missliebige Oppositionelle, denen es an Respekt und Beugsamkeit fehlt, werden in ein Schmierenstück gestoßen, und dann lässt man sie die Härte des "Rechtsstaats" spüren. Zwei jungen Bürgerrechtlern aus Aserbaidschan dürfte genau das passiert sein. Für sie wurde wohl eine Wirtshausprügelei inszeniert, bei der sie erst malträtiert, dann selbst wegen "Hooliganismus" verhaftet wurden.

Emin Milli und Adnan Hajizadeh, die beiden jungen Bürgerrechtsaktivisten, sind in Wahrheit nicht nur miserable Boxer. Sie repräsentieren vor allem das, was die bessere Zukunft Aserbaidschans sein könnte, der autoritär geführten Republik am Kaspischen Meer, deren Erdgas einmal die "Nabucco" -Pipeline mitbefüllen soll: Beide haben im Westen studiert, beide sind Demokraten, und sie machen den Mund auf. Ihre Anhängerschaft unter gleichgesinnten Aserbaidschanern ist in den vergangenen Monaten nur gewachsen. Eine aufklärerische Studentenbewegung aber, die sich Weblogs, Internetvideos und "Twitter" bedient und in keinen Parteigremien sitzt, ist gefährlich für das Regime.

Milli und Hajizadeh haben in den ersten Tagen nach ihrer Festnahme keinen Arzt und keinen Anwalt gesehen; ihr Prozess fand in einer Freitagnacht statt und muss so brisant gewesen sein, dass keine Beobachter zugelassen waren. Für die OSZE, die seit bald zehn Jahren in Baku rechtsstaatlichen Unterricht gibt, und für die EU, die eine "Ostpartnerschaft" mit den Ex-Sowjetrepubliken gestartet hat, ist die Verhaftung der zwei Bürgerrechtler ein trostloses Ergebnis. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 14.7.2009)

papst benedikt
20
13.7.2009, 19:49

gratuliere: dreissig zeilen heisse luft ala "beide haben im westen studiert, beide sind demokraten..."
zurück zur schülerzeitung ;-)

Lexibald
10
13.7.2009, 21:00

Sie können wohl lesen.

Aber leider nicht verstehen.

Wie waren denn Ihre Schulnoten im kognitiven Bereich?

papst benedikt
20
13.7.2009, 21:50

sie brauchen gar nicht zu lesen. sie begnügen sich mit nachplappern. naja: das lernt man immerhin auch in der schule...

homo zappa
11
13.7.2009, 18:56

keiner will posten wenn linke regime ihre bürger schlagen. traurig !

widiwutsch
00
14.7.2009, 12:00
Schon OK,

aber inwieweit ist Aserbaidschan ein "linkes" Regime? Ich weiß so gut wie nichts darüber, außer, dass es vor 20 Jahren mit Armenien im Krieg war und mehr oder minder muslimisch ist.

el duende
 
01
14.7.2009, 11:47

aha, und warum sollte aserbaidschan ein linkes regime sein? weil der verstorbene alijew-vater mal beim kgb war? das war putin auch... würden Sie deshalb Russland nach wie vor als links bezeichnen? Aserbaidschan ist ein von Nationalisten geführter Polizeistaat, in dem sich die Herrschaftselite dumm und blöd verdient an den Ölexporten und nichts davon in Sozialstrukturen investiert; 40% der AserbaidschanerInnen leben unter der Armutsgrenze. Aserbaidschan hat deshalb wirklich rein gar nichts mit "links" am Hut.

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