Komischer Landesverrat mit Belcanto

13. Juli 2009, 16:56
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Bravourpartie: Daniela Fally als Marie in der Sommeroper "Die Regimentstochter" im Stift Klosterneuburg

Nein, aus der Sicht der Andreas-Hofer-Fans ist Gaetano Donizettis Opera buffa Die Regimentstochter nicht geschrieben - auch wenn Regisseurin Pascale-Sabine Chevroton bei der diesjährigen Sommeroper im Kaiserhof des Stifts Klosterneuburg Tiroler Freiheitskämpfer zum Auftakt mit Sensen, Rechen und Dreschflegeln auftreten lässt.

Dann aber geht es aufs Landesverräterischste weiter: Der kernige Tiroler Bursch Toni (kalauernd als Skilehrer) schließt sich den französischen Besatzungstruppen an, natürlich der Liebe wegen! Aber er hat die Rechnung ohne die Gräfin von Berkenfeld gemacht: Die taucht nämlich unversehens auf und erkennt in Tonis Braut ihre verlorene Tochter. In der Folge muss sie mit aufs Schloss, wo eine standesgemäße Verheiratung droht. Zum Schluss gibt's ein Happyend, dazwischen Situationskomik, Koloratursopranarien und jede Menge sonstiges Belcanto, dazu Militärmarschmusik und Tiroler Walzerklänge.

Die Regimentstochter Marie - eine Bravourpartie für einen jungen Sopran: Volksopernstar Daniela Fally erntete für ihre Darbietung denn auch tosenden Applaus. Eine solide, wenngleich nicht so strahlende Leistung als Toni bot Tenor Caner Akin. Clownesk: Bariton Clemens Unterrainer als Regimentskommandant Sulpice. Einen schrill inszenierten Auftritt hat Tini Kainrath als blasierte Herzogin: Ihr Flirt mit Dirigent Enrico Calesso mündet in eine Jodel-Arie. Das Bühnenbild mit stilisiertem Alpengipfel beschränkt sich auf Geometrie und schiefe Ebenen, ist aber sehr zweckmäßig. - Etwas fürs Zwerchfell, etwas fürs Herz, dazu schöne Stimmen: Mehr muss man von einer Sommeroper nicht verlangen. (hast, DER STANDARD/Printausgabe, 14.07.2009)

>> Oper Klosterneuburg, bis 4. 8.

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    foto: roland ferrigato
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