Hillary Clinton übernahm Gerücht, der Golfstaat plane den Bau einer gigantischen Vertretung in Nicaraguas Hauptstadt Managua
Im Mai warnte US-Außenministerin Hillary Clinton vor dem wachsenden Einfluß Irans in Lateinamerika: "Die Iraner bauen eine riesige Botschaft in Managua" sagte sie damals. Zwei Reporterinnen der Washington Post haben sich nun auf die Suche nach dem gigantischen Gebäude gegeben, es aber nicht gefunden.
"Sie existiert nicht" sagte ihnen Ernesto Porta, der Vorsitzende der nicaraguanischen Handelskammer, ‚die einzige "Mega-Botschaft' hier ist die der USA". Auch ein US-Diplomat teilte den Journalistinnen mit, dass er nichts von dem Projekt wisse.
Hartnäckiges Gerücht
Woher die Berichte über die iranische Riesenbotschaft ursprünglich kamen, lässt sich schwer eruieren. Die Meldung taucht jedenfalls seit etwa zwei Jahren immer wieder in Kongressdokumenten, Berichten von Think Tanks und Zeitungsartikeln auf.
Bayardo Arce, ein Berater des nicaraguanischen Präsidenten Daniel
Ortega, verglich die nicht existierende Botschaft sogar mit den
angeblichen Massenvernichtungswaffen des Irak. "Jemand hat die
US-Außenministerin falsch informiert. Der iranische Botschafter und
seine Frau wohnen in einem angemieteten Haus".
Auch bei der nicaraguanischen Opposition weiß man nichts von dem Mega-Projekt: "Wer hat Hillary das erzählt?" fragt sich Francisco Aguirre Sacasa von der Liberalen Partei, "es überrascht mich immer wieder, wie ein Land mit so großen Geheimdienstkapazitäten auf solche Zeitungsenten hineinfällt."
Ein Sprecher Clintons gab an, die Ministerin habe auf einer Tagung in
Mittelamerika von dem Projekt erfahren. "Wenn sich nun herausstellt,
dass es nicht geschieht, ist das doch eine gute Nachricht", sagte
Philip J. Crowley.
Enttäuschte Hoffnungen
Die Iraner hatten 2007 angekündigt, große Investitionen in Infrastruktur und Elektrizitätsversorgung im zweitärmsten Land Lateinamerikas vornehmen zu wollen. Von 10.000 Wohnhäusern, einem Wasserkraftwerk und der Errichtung eines neuen Frachthafens an der Karibikküste war damals die Rede.
Realisiert wurde bisher keines der Projekte: angesichts sinkender Ölpreise hat das iranische Parlament dem umstrittenen Auslandsinvestitionen seine Zustimmung verweigert. "Nicht einmal über eine Verringerung unserer Schulden wollen sie verhandeln", klagt Arce, "sie sagen, dass ihnen der Koran so etwas verbietet." (bed/derStandard.at, 13.7.2009)