Weibliche Abgeordnete stellen nur ein Fünftel

13. Juli 2009, 14:22
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Präsidentinnen-Konferenz in Wien eröffnet - Frauen in Entwicklungs- ländern besonders von Finanzkrise betroffen

Wien - Nur jeder fünfte Parlamentsabgeordnete (18,4 Prozent) ist nach Angaben der Interparlamentarischen Union (IPU) eine Frau. Eine gleichwertige Zusammenarbeit von Männern und Frauen im politischen und wirtschaftlichen Leben sei aber zentral für die Demokratie und Entwicklung eines Landes. Das sagte IPU-Präsident Theo-Ben Gurirab bei seiner Eröffnungsrede des 5. Welttreffens der Parlamentspräsidentinnen am Montag, zu dem Nationalratspräsidentin Barbara Prammer ins Hohe Haus nach Wien eingeladen hatte.

Volles Programm

Parlamentspräsidentinnen aus 14 Staaten in Europa, Asien, Afrika und Australien diskutieren am Montag und Dienstag die UNO-Millenniumsziele, den Schutz von Frauen und Mädchen vor Gewalt und die Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise auf Frauen. Bundespräsident Heinz Fischer wird die Parlamentspräsidentinnen am Dienstag in der Hofburg empfangen.

Nur zwölf Prozent aller ParlamentspräsidentInnen sind Frauen, sagte Prammer am Montag in Wien vor JournalistInnen. Bei den Abgeordneten liegt Österreich nach Angaben der IPU, die den Anteil von weiblichen Mandatare in Unterhäusern weltweit verglich, mit 27,9 Prozent an 28. Stelle, und damit direkt vor Afghanistan mit 27,7 Prozent. Führend ist demnach Ruanda mit 56,3 Prozent Frauen im Unterhaus, vor Schweden mit 47 Prozent. Schlusslichter bilden unter anderem Oman, Saudi-Arabien und Katar, wo es keine weiblichen Volksvertreter im Parlament gibt.

Globales Ranking

Regional betrachtet liegen laut IPU die nordeuropäischen Länder mit 41,4 Prozent Frauen im Unterhaus deutlich vor Nord-, Mittel- und Südamerika mit 21,5 Prozent Frauen und Gesamteuropa (inklusive der nordischen Länder) mit 21,2 Prozent. Dahinter liegen Asien (18,4 Prozent Frauen im Unterhaus), das Subsahara-Afrika (18,2 Prozent), der Pazifik (13 Prozent) und die arabischen Staaten (9,7 Prozent).

Das Erreichen des dritten Millenniumsziels bezüglich der Geschlechtergleichstellung ist laut Gurirab für die Entwicklung der Gesellschaft zentral: Ohne Frauen zu stärken, könne die Armut nicht reduziert werden; ohne die Bildungschancen für Frauen zu erhöhen, werde die Kindersterblichkeit nicht sinken; bei der Bekämpfung der Übertragung von HIV/AIDS gehöre die Mutter-Kind-Übertragung berücksichtigt. 2010 würden die Entwicklungen seit der UNO-Weltfrauenkonferenz in Peking 1995 ebenso wie der Fortschritt der Erreichung der Millenniumsziele evaluiert, betonte der IPU-Präsident. Nächstes Jahr werde die IPU außerdem zu der dritten Weltkonferenz der Parlamentspräsidenten einladen.

Fundamentaler Wandel gefordert

"Wie ändert man die Gesellschaft, wie patriarchale Machtgefüge?", fragte IPU-Generalsekretär Anders Johnsson. Es bedürfe eines fundamentalen Wandels, um die gegenwärtigen Machtverhältnisse und Diskriminierung gegenüber Frauen zu beenden. Ines Alberdi, Exekutivdirektorin des UNO-Entwicklungsfonds für Frauen (UNIFEM), appellierte für ein "geschlechtergerechtes Budgetieren". Außerdem sei sicherzustellen, dass Finanzinstitutionen ihre Zusagen für Frauenprogramme auch erfüllten.

Auswirkungen der Wirtschaftskrise

Prammer forderte, "die Beschäftigung mit der (Wirtschafts-) Krise soll nicht eindimensional, sondern mehrdimensional angegangen werden". Die Regierungen sowie die Parlamente sollten sich verstärkt mit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Frauen beschäftigen. Alberdi präsentierte Ergebnisse einer jüngst durchgeführten Untersuchung über die Auswirkungen der Finanzkrise auf die Frauen.  Besonders betroffen seien Frauen in den Entwicklungsländern mit stark exportabhängigen Volkswirtschaften. 22 Millionen Frauen könnten im Zuge dieser Krise weltweit ihren Arbeitsplatz verlieren, prognostierte Alberdi. In diesem Zusammenhang nehme bedauerlicherweise auch das Ausmaß der Gewaltanwendung gegen Frauen zu.

150 Staaten vertreten

Die Interparlamentarische Union (IPU), in der die Parlamente von rund 150 Staaten vertreten sind, gilt als die älteste zwischenstaatliche Organisation und geht auf eine gemeinsame Initiative des englischen Arbeiterführers und Friedensnobelpreisträgers William Randal Cremer und des französischen Pazifisten Frederic Passy aus dem Jahr 1889 zurück. (APA/red)

  • Barbara Prammer gehört einer Minderheit an: Nur 12 Prozent der ParlamentspräsidentInnen weltweit sind Frauen.
    foto: standard/matthias cremer

    Barbara Prammer gehört einer Minderheit an: Nur 12 Prozent der ParlamentspräsidentInnen weltweit sind Frauen.

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