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Heftige Kritik von Umweltschützern

13. Juli 2009, 12:51

Greenpeace: "Nabucco-Pipeline kommt uns noch teuer zu stehen" - Global 2000: "Verfehlte Energiepolitik"

Ankara/Wien - Umweltschutzorganisationen übten am Montag neuerlich heftige Kritik an der geplanten - und nun per Regierungs-Abkommen abgesegneten - Gas-Pipeline "Nabucco". "In den nächsten Jahren wird Strom aus Sonnenenergie deutlich billiger sein als jener aus Erdgas", kommentiert Greenpeace-Energieexperte Jurrien Westerhof das Vorhaben. "Mit dem Nabucco-Vertrag verpflichtet sich Österreich jedoch auf Jahrzehnte, Erdgas von den Förderländern im kaspischen Raum zu beziehen - egal zu welchem Preis", so Westerhof.

Die Greenpeace-Kritik richtet sich vor allem gegen die langfristige Festlegung auf Gas für die Energieversorgung. "Damit wird der Ausbau von Erneuerbaren Energien gebremst, weil mit der Entscheidung für eine neue Erdgas-Pipeline auch die Entscheidung für die Errichtung von weiteren Gaskraftwerken fällt." Die Inbetriebnahme der Nabucco-Pipeline würde bedeuten, dass die europäischen CO2-Emissionen jedes Jahr um sechzig Millionen Tonnen zunehmen würden.

"Verfehlte Energiepolitik"

"Die Gaskraftwerke, die man nun baut, werden Jahrzehnte lang laufen", so Westerhof. "Und genauso lang werden wir auch gezwungen sein, dieses Gas zu beziehen - welcher Preis auch immer eines Tages dafür verlangt werden wird." Mit den Kosten, die der Bau der Nabucco-Pipeline verschlingt, könnte man rund 8.000 Megawatt Windenergie bzw. viertausend große Windräder in Betrieb nehmen, rechnet Westerhof vor. "Das entspricht einer deutlich größeren Strommenge, als alle österreichischen Haushalte gemeinsam benötigen."

Auch bei GLOBAL 2000 zeigt man sich enttäuscht über die "verfehlte Energiepolitik Österreichs". Mit der Nabucco-Gaspipline werden "veraltete Konzepte verfolgt, die in keiner Weise den Zielen des Klimaschutzes sowie der Energieunabhängigkeit dienen. Einerseits beklagt sich Außenminister Spindelegger über die Unzuverlässigkeit der Ukraine bei den Gaslieferungen, anderseits schafft man mit der Gaspipeline Nabucco neue Abhängigkeiten von fragwürdigen Regimen", so Manuel Graf, Klima- und Energiesprecher von GLOBAL 2000.

Opposition: Falscher Weg der Energiepolitik

Auch die Oppositionsparteien FPÖ, Grüne und BZÖ haben am Montag in Aussendungen die österreichische Energiepolitik und die daraus resultierende Annäherung an die Türkei kritisiert. Begrüßt wird das rund 8 Mrd. Euro schwere Nabucco-Projekt hingegen von der Industriellenvereinigung (IV) und der E-Wirtschaft.

Nach Ansicht von FPÖ-Energie- und Umweltsprecher Norbert Hofer kostet das Projekt "Österreich sehr viel Geld und dazu nachhaltig die Chance, sich endlich energiepolitisch unabhängig zu machen". Von Nabucco profitiere die Türkei massiv, etwa durch die "reverse-flow"-Klausel, die bei Bedarf den Gastransfer auch in die umgekehrte Richtung ermögliche. Darüber hinaus erhalte die Türkei "die Kontrolle über alle durch Nabucco fließenden Gasimporte", so Hofer laut Aussendung.

Die Grünen sehen in dem Projekt eine "kolossale Fehlinvestition". Umweltsprecherin Christiane Brunner zufolge blockiert das Projekt die Energiewende in Österreich. "Wir müssen endlich von unsicheren Gaslieferanten unabhängig werden", forderte sie.

Nach Ansicht von BZÖ-Wirtschaftssprecher Robert Lugar wird die Nabucco-Pipeline die österreichische Importabhängigkeit im Energiesektor "noch weiter verschärfen und die Gaspreise in die Höhe treiben". Der heutige Tag sei "eine schwarze Stunde für die österreichische Energiezukunft".

IV: "Verhandlungserfolg"

Positiv wird das Projekt von der IV bewertet. "Die heutige Vereinbarung ist ein Verhandlungserfolg für das federführende Unternehmen OMV ebenso wie für Österreich", erklärte IV-Vize-Generalsekretär Peter Koren am Montag. Die russisch-ukrainische Gaskrise Anfang 2009 habe gezeigt, dass Europa eine neue Transitroute brauche. Mittelfristig gebe es noch keine Alternative zu fossilen Energieträgern - trotz der Bemühungen zum sinnvollen Ausbau der erneuerbaren Energie. Es sei "eines der wichtigsten Infrastrukturprojekte der EU", so die IV.

Auch die österreichische E-Wirtschaft zeigte sich erfreut über die Unterzeichnung des Regierungsabkommens. Österreichs Stromproduktion sei derzeit zu rund 15 Prozent von Gas abhängig. Die geplante Nabucco-Pipeline werde die Versorgung mit Gas verbessern und durch die Diversifizierung der Lieferanten Österreich auch unabhängiger machen, erklärte die Generalsekretärin des Verbands der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ), Barbara Schmidt. (red/APA)

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21 Postings
Achmo Ledbid
77
13.7.2009, 16:14
womit...

.....heizen eigentlich die umweltschützer?
- mit bösen russichen erdgas?
- mit holz wo böse leute die wälder fällen?
- mit strom oder wärmepumpe, wo man immer noch an das märchen glaubt wenn das die ganze welt macht kann die heizung rund um die uhr ohne spitzenausgleichende energie von gaskraftwerken oder atomkraftwerken betrieben werden?

oder sitzen diese einfach nur zuhause in ihren vier wänden und schimpfen über kraftverkehr ohne nachzudenken wie die baustoffe für ihre vier wände an ihren ort gekommen sind und schimpfen über böse pipelines ohne sich zu fragen warum es drinnen auch im winter 22°C hat. vielleicht sind sie wirklich gut-menschen die auf madagaskar wohnen und sich vegetarisch vom wald ernähren und kein handy brauchen.

Andreas Bogeschdorfer
21
13.7.2009, 22:03
Ihre Argumente sind mittelalterlich!

Wärmepumpen können mit Strom aus erneuerbaren betrieben werden, Solaranlagen können bedeutende Beiträge zur Wärmeversorgung stellen, Biomasse ist in Österreich ausreichend verfügbar (Stückholz, Hackschnitzel, Pellets, Biogas, Stroh, biogene Abfälle,..) Wärmedämmung senkt den Bedarf, Solararchitektur kann auf zugelieferte Energie verzichten, die Stromerzeugung kann auf Wind, Wasser, Kraft-Wärme gekoppelte Biomasse, Photovoltaik und Wasserkraft, sowie Geothermie aufbauen (die wiederum auch Wärme liefern kann), der Verkehr kann auf Elektromotoren umgestellt werden, bzw. teilweise auf Biotreibstoffe (aus Altölen und Fetten, Öl aus Futterraps, Holz und Strohpyrolyse, aber sinnvollerweise nicht aus Palmölimporten) gespeist werden.

homo zappa
20
13.7.2009, 18:40

die thematische allianz von global 2000 und fpö und bzö sag doch schon alles. sektierische kleindenker, die glauben ein windrad ersetzt eingaskraftwerk ! 4.000 Windräder wo wollen sie denn die aufatellen ? wer will die vor seinem Haus haben ? die verwirren doch die Zugvögel usw usw. und wind weht anscheinnde immer in Ö. oder nur denn köpfen von greenpeace. bei denen müssten die meere ja schon seit jahren übergegangen sein und die wälder sollte eigentlich auch nichtmehr geben. global 2000 ist auch schon um 9 jahre zu alt. gähn. das man mit neuen gaskraftwerken alte andere ölkraftwerke ersetzten könnte ist ihnen schon zu hoch oder passt nicht in die strategie. es ist schon fad und keiner kriegt mehr angst...

SmithWinston
24
13.7.2009, 16:19
...

Methangas aus Eigenerzeugung :)

Mausinn
40
13.7.2009, 15:59
Joschka Fischer ist Nabucco-Berater

Die Grüne sind käuflich und die Türkei in der EU ist viel wichtiger als Umweltschutz.

Andreas Bogeschdorfer
00
13.7.2009, 22:04
..die Türkei in der EU ist viel wichtiger als Umweltschutz.

Und darum sind die Europäer auch aus dem Illisu-Projekt ausgstiegen gell?

Fetznschädel
25
13.7.2009, 14:34
Die Umweltorganisationen haben völlig recht.

Aber auch die intelligenten Wirtschaftsforscher schreien auf.

Die österreichische Energiepolitik spricht wirtschaftlich und ökonomisch gesehen gegen jeden gesunden Hausverstand.

Traurig das solche, in meinen Augen, wirtschaftlichen Kernthemen in Österreich scheinbar uninteressant sind.

Für mich ist sowas zumindest Grund genug diese Regierungsparteien nie wieder zu wählen, dafür steht zu viel auf dem Spiel, es werden derzeit enorme Zukunftsperspektiven verbaut.

f 3
01
13.7.2009, 15:01

sie haben recht. nur betrifft das ja leider nicht nur die regierungsparteien, sondern - abgesehen von den grünen - alle parteien.
... und leider auch viele "interessensvertretungen"

homo zappa
00
13.7.2009, 18:43

alle sind böse und blöd und sehen die zeichen nicht an der wand ! nur ihr wisst wo es lang geht....nur keiner hört zu zzzzz

Heavyweather
00
13.7.2009, 23:16

Nur Pussis haben Angst vor Ökostrom. Alle vernünftigen Mensche freuen sich über den Fortschritt.

Andreas Bogeschdorfer
00
13.7.2009, 22:14
..nur keiner hört zu zzzzz

Sorry, Sie schließen von sich auf andere. Die Wahrheit ist, dass immer mehr Menschen die Vorteile Erneuerbarer Energien erkennen, Biomasseheizungen, thermische und elektrische Solaranlagen montieren, sich an Windparks beteiligen, in Solaraktien investieren, Ökostrom beziehen etc.

Während erneuerbare Energien vor zehn Jahren noch eine Nischenrolle spielten, sind sie inzwischen zum vielbeachteten Thema geworden:

Bei Landwirten, Häuselbauern, Architekten, in Medienberichten, bei Entwicklungsorganisationen, auf internationalen Konferenzen, bei Messen, sogar in der Regierung der USA.

Über 100 Staaten sind bereits Mitglied der im Jänner gegründeten Int. Agentur f Ern. Energien. (IRENA)

Weil keiner zuhört?
Witzbold!

Heavyweather
00
13.7.2009, 14:09

Man könnte Nabucco immer noch nutzen um Biogas nach Österreich zu leiten. Müsste man halt vorher in den richtigen Ländern auch in nachhaltige Strukturen investieren anstatt deren Bodenschätze aus zu beuten. Später wieder gebundenes CO2 in die Erde zurückpumpen. Anscheinend ist die OMV dem dreckigen Geld aber näher als dem Leben.
"Das Plankton Manifest"

Fetznschädel
11
13.7.2009, 14:39

Und warum das Biogas nicht einfach in Österreich erzeugen wo es gesamtwirtschaftlichen Nutzen bringt?

Wieso sollten wir Geld in unsichere Krisenregionen pumpen obwohl man es bei uns sicher und arbeitsplatzfördernd investieren könnte?

Heavyweather
10
13.7.2009, 15:02

Weil es auch in Afrika Nutzen bringt. Entwicklungshilfe. Diese Regionen werden sich auch an den Koste beteiligen wenn ein Konzept steht.

Nicht ganz Afrika ist eine einzige Krisenregion. Da gibte sehr stabile Staaten die auch an wirtschaftlicher Entwicklung interessiert sind.

Bei uns ist es zu kalt. Wir haben nicht genug Fläche bzw. die Fläche ist zu teuer.
Plankton in offenen Becken verdoppelt seine Masse alle 1-2 Tage. Bei uns würde dieser Prozess doppelt so lange dauern weil zuwenig Licht da ist.

Michael Jack Dundee
 
01
13.7.2009, 16:00
Nabucco-Projekt

hat nichts mit Afrika zu tun.

Heavyweather
00
13.7.2009, 21:54

Ja...aber dort wo Nabucco hinführt ist auch gut Plankton züchten.

Michael Jack Dundee
 
00
14.7.2009, 21:59
Plankton läßt sich an vielen Orten züchten

Was ich aber nicht weiß, sind die Idealbedingungen für Plankton.

Jsf1984
11
13.7.2009, 13:55
widersinniger Windkraftvergleich

Ich bin auch kein Befürworter davon, sich noch mehr in die Gasabhängigkeit zu begeben. Doch der Vergleich, man könne so und so viele Windräder darum bauen ist nicht zulässig.
Denn Gaskraftwerke haben, im Gegensatz zu Flusslaufkraftwerken und Kohlekraftwerken den Vorteil, dass man sie praktisch auf Knopfdruck ein- und ausschalten kann. Deshalb werden sie neben Spitzenstrom vor allem als Backup für erneuerbare Energien verwendet, wenn gerade kein Wind weht oder die Sonne von Wolken verdeckt ist.
Will man also mehr Windräder (vornehmlich im Osten Österreichs) bauen, muss man dort auch Gaskraftwerke hinstellen. Denn die Stauseen und Pumpspeicher sind großteils im Westen und die Leitungen von dort schon jetzt an der Grenze der Belastbarkeit.

Andreas Bogeschdorfer
01
13.7.2009, 21:55
Backup für erneuerbare Energien

Sorry, aber Sie argumentieren sehr verengt. Denn als Backup für erneuerbare Energien sind fossile Kraftwerke überflüssig. Denn diese bestehen neben Wind und Sonne auch aus Wasser, Biomasse und Geothermie. Im intelligenten Verbund dieser Optionen liegt die Energiezukunft: Unabhängig, flexibel, umweltschonend, demokratiefördernd, kapitalstreuend. Längst gibt es virtuelle Kraftwerke die diesen Verbund organisieren können. Ein Parallelbetrieb der zentalisierten fossil-atomaren und der dezentral Erneuerbaren Energien ist nicht nur unnötig, sondern ineffizient und unwirtschaftlich.

Heavyweather
01
13.7.2009, 14:12

Deswegen wäre es auch intelligent Biogas aus zu bauen und auch z.B. an den Küstenregionen Afrikas Biomasse zu erzeugen. Für Strom und die Nahrungsmittelindustrie (Aquakulturen).
Traurig dass diese Optionen auch in der Presse immer ignoriert werden. Da fehlt einfach den alten Männer die notwendige Kreativität.

Der Cygeuner
16
13.7.2009, 13:41
Schön ...

... das nennt man Konsequenz: unsere Energiepolitik ist genauso kurzsichtig und dumm wie die Industrie- und Verkehrpolitik.

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