Zwei Menschen von Polizisten erschossen - Peking verlegt Spezialeinheiten in Uiguren-Region
Urumqi - Bei einem chinesischen Polizeieinsatz in Urumqi, der Hauptstadt der uigurischen
Region Xinjiang im äußersten Nordwesten des Landes, sind am Montag nach
Behördenangaben zwei Menschen getötet worden. Der Einsatz habe sich gegen
Elemente gerichtet, die die öffentliche Ordnung gestört hätten, hieß es. Mit
Messern und Stöcken bewaffnete Uiguren hätten chinesische Sicherheitskräfte
attackiert, diese hätten daraufhin das Feuer auf die Angreifer eröffnet, sagten
Augenzeugen.
In der Hauptstadt Urumqi, die Schauplatz blutiger Zusammenstöße zwischen muslimischen Uiguren und zugewanderten Han-Chinesen war, sind mittlerweile deutlich weniger Sicherheitskräfte zu sehen; die meisten Geschäfte öffneten wieder, wie Korrespondenten am Montag berichteten. Bei den Unruhen wurden nach offiziellen Angaben mindestens 184 Menschen getötet und 1.680 weitere verletzt. Öffentliche Versammlungen bleiben verboten.
Die chinesischen Behörden warnten am Montag, die Opferzahl könne weiter ansteigen, da 74 Menschen noch in Lebensgefahr schwebten. Seit Ausbruch der Unruhen hatte Peking tausende Soldaten und paramilitärische Einheiten in die nominell autonome Region verlegen lassen. Dort kämpfen uigurische Gruppen für die Schaffung eines unabhängigen Staates "Ostturkestan", wie er in den 1940er-Jahren kurzzeitig existiert hatte.
Kulturelle und politische Unterdrückung
Viele Uiguren wehren sich gegen die chinesische Herrschaft und beklagen kulturelle und politische Unterdrückung. Seit Anfang der 1990er-Jahre kam es immer wieder zu blutigen Unruhen, zahlreiche "Konterrevolutionäre" wurden hingerichtet, Hunderte von Moscheen und Koranschulen geschlossen. Gegen pro-chinesische uigurische Funktionäre wurden Attentate verübt, so fiel der regimegenehme Imam der Großen Moschee von Kashgar einem Mordanschlag zum Opfer.
Xinjiang wurde im 18. Jahrhundert unter den Mandschu-Kaisern erobert und erst 1884 dem chinesischen Reich einverleibt. Es ist für Peking von großer strategischer Bedeutung und reich an Bodenschätzen. 1955 wurde von den Kommunisten die "Autonome Region Xinjiang" errichtet. In Lop Nor entstand Chinas Atomtestgelände. Die Ansiedlung von Han-Chinesen wurde in großem Maßstab vorangetrieben. Seit mehr als eineinhalb Jahrzehnten erstarken panislamische und irredentistische Strömungen, wie die kommunistischen Behörden offen zugegeben haben. (red/APA/AP)