Olympia 2010 ohne Skispringerinnen

13. Juli 2009, 09:57
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Gericht weist Gemeinschaftsklage auf Teilnahme ab

Vancouver/Wien - Dem Bemühen der Skispringerinnen, doch noch im olympischen Programm der Spiele 2010 in Vancouver Aufnahme zu finden, wurde in der Nacht auf Samstag quasi ein gerichtlicher Riegel vorgeschoben. Richterin Lauri Ann Fenlon vom Obersten Gerichtshof von British Columbia wies eine Klage von kanadischen, us-amerikanischen und europäischen Skispringerinnen gegen das Organisationskomitee der Winterspiele zurück. Die Sportlerinnen fühlen sich diskriminiert.

IOC untersteht nicht Oberstem Gerichtshof

Richterin Fenlon stellte in ihrem Urteil auch fest, dass es tatsächlich diskriminierend sei, die Skispringerinnen nicht zu den Spielen zuzulassen. Den Klägerinnen werde die Teilnahme "aus keinem anderen Grund als ihrem Geschlecht verwehrt". Allerdings habe das Internationale Olympische Komitee (IOC) das Recht, Bewerbe ins Programm aufzunehmen oder eben nicht. Das IOC unterstehe "nicht diesem Gericht".

Anton Innauer, der als nordischer Sportdirektor für Sprunglauf und Kombination im österreichischen Skiverband großes Interesse an der Zulassung von Skispringerinnen hat, sprach von einer "erwarteten Entscheidung". Die sei ja sportrechtlich und sportpolitisch länger festgestanden. Hätte das Gericht anders entschieden, wäre man "in Bosman-Dimensionen hineingekommen". Die seinerzeitige EU-Entscheidung, Ablösezahlungen für SpielerInnen nach deren Vertragsende zu verbieten, hat die Grundlagen des Profifußballs nachhaltig verändert.

Die Skispringerinnen hoffen, dass sie in Vancouver wenigstens außerhalb des Wettkampfprogramms ihr Können demonstrieren können. Das Organisationskomitee wird sich allerdings hüten, das IOC derart zu reizen. Innauer sieht auch wenig Chancen. "Unsere Perspektive sind die Winterspiele in Sotschi, da müssen wir schauen, dass wir die Skispringerinnen hineinbringen." Die US-Amerikanerin Lindsey Van (24), die sich im Februar in Liberec zur ersten offiziellen Weltmeisterin gekürt hatte, muss sich also ebenso bis 2014 gedulden wie Österreichs Beste, die Steirerin Daniela Iraschko (25). (Sigi Lützow, DER STANDARD, Print, 13.7.2009)

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    Im Bild: Lindsey Van (links) und Katie Willis vom kanadischen Nationalteam.

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