Verbales Fetzenfliegen

12. Juli 2009, 18:21
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"Gemma Libro?" - Verkürztes Sprechen ist in. Zum Beispiel in Serien - Siehe die überkandidelten Teenager in "Gossip Girl"

Verkürztes Sprechen ist in. Die abrupt nach ihrer Entdeckung ausgestorbenen Krocha haben es noch gepflegt ("Fix Oida!"). Und auch die schriftliche Kommunikation via Handy verlangt nach talentierten Reduktionisten. Warum sich zu Konjunktiven oder Gliedsätzen aufraffen, wenn "Gemma Libro?" auch genügt?! Und da kommt - Überraschung - nun das Fernsehen ins Spiel, das entsprechend seiner Pflicht ganz unterschiedliche Sprechweisen abbildet.

Zum Beispiel in Serien. Sie repräsentieren zumeist auch sprachlich signifikante Milieus. Siehe die überkandidelten Teenager eines New Yorker Elitegymnasiums in "Gossip Girl", die seit 2007 mit den üblichen Kalamitäten zwischen Erfolgsdruck, Familienkonflikten und Gspusis das amerikanische Jugendpublikum verzücken. Es ist freilich Teufelswerk, für dieses Mainstream-Format eine Lanze zu brechen, doch in puncto verbaler Streitkultur liefert die Teenie-Serie all jene Sätze frei Haus, mit dem sich auch das junge ORF-Publikum am Samstagnachmittag noch für den Discobesuch wappnen kann.

Eltern oder Lehrer, die angesichts von Gossip Girl für ihre Schützlinge Hopfen und Malz verloren sehen, seien beruhigt. Und auch wenn man kein Upper-Class-Aficionado ist, also ganz ohne Golfschläger lebt, so hat man ja doch seine Feinde und möchte, anstatt einfach nur "Blöde Kuh!" zu sagen, gegebenenfalls doch etwas ausführlicher werden.

Etwa: "Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dir verzeihen werde, ist sehr gering. Aber wenn du mich jetzt verlässt, dann verspreche ich dir, dass ich dich vernichte." Vielleicht könnte man Schillers Maria Stuart im Unterricht gar einmal mit Gossip Girl aufpeppen. Die New Yorker Azubis sind harte Konkurrenz. (Margarete Affenzeller/DER STANDARD; Printausgabe, 13.7.2009)

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