
12.07.2009 17:57
Die Kasachstan-Connection
Die Affäre Alijew als einer der Auslöser der Debatte
Alles begann im Jahr 2007 mit einer offensichtlich etwas zu verwegenen Ambition: Rakhat Alijew, damals Schwiegersohn des kasachischen Präsidenten Nursultan Nasarbajew und Botschafter seines Landes in Wien, spielte mit dem Gedanken, selbst bei der Präsidentschaftswahl in Kasachstan anzutreten. Das erzeugte in Astana, der Hauptstadt der ölreichen zentralasiatischen Republik, einiges Missvergnügen. Alijew wurde als Botschafter abgesetzt, die kasachische Justiz verurteilte ihn wegen einer angeblichen Verwicklung in mehrere Mordfälle, der Ex-Diplomat tauchte schließlich unter.
Seither spielt sich in Wien ein seltsames Match zwischen Lobbyisten und PR-Agenturen ab. Geheimdienste sind ebenso mit von der Partie wie vorgebliche NGOs, mutmaßlich bestochene (und festgenommene) österreichische Polizisten sowie die unter dem bemerkenswerten Hin und Her in dem Fall zunehmend ächzenden, weil dafür zuständigen, Ministerien.
Verbindungen Rakhat Alijews in hohe und höchste Kreise der Republik wurden in den vergangenen 24 Monaten bekannt. Der vormalige Botschafter hatte sich ein dichtes Netzwerk an Beziehungen auch in Bank- und Wirtschaftskreise aufgebaut. Von angeblichen Parteispenden war ebenso die Rede wie von ordinärer Bestechung.
Alijew selbst hält sich weiterhin mit einem griechischen Schengen-Visum in Europa auf - von einem Wohnsitz London wird berichtet, noch öfter soll er aber in Wien und Westösterreich anzutreffen sein. Zuletzt veröffentlichte er über die Aktivitäten seines autoritär regierenden Ex-Schwiegervaters ein Buch mit dem vielsagenden Titel Godfather in Law.
Mordgerüchte
Zuletzt machte aus Moskau kommend das Gerücht die Runde, der frühere Diplomat sei ermordet worden. Nach ein paar Schrecksekunden konnte das Innenministerium Entwarnung geben, Alijew hatte sich verpflichtungsgemäß telefonisch gemeldet. Auch sein Verleger sagte damals: Die Nachricht vom Mord sei wohl etwas, was sich manche Kreise in Astana zu sehr wünschten. (red, DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2009)
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