Didi und die Kinder der Sportplatzstraße

12. Juli 2009, 17:57
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Ferien-Fußballcamps sind schon länger ein Renner. Für ehemalige oder aktive Profis sind sie oft mehr als ein lukrativer Nebenjob. Team­chef Constantini zieht Kinder und Jugendliche massenhaft an

Bad Vöslau / Wien - Nein, Spaß ist das keiner, wenn Günther Caha den Eindruck gewonnen hat, dass die jungen Herren glauben, sie seien im Urlaub. Natürlich sind sie das prinzipiell, aber sie sollen in einem Fußballcamp, für das ihre Eltern ja bezahlt haben, etwas lernen. Und sei es nur, dass zum Kicken das Hirschen dazugehört.

Also schimpft Caha, der drahtige ehemalige Vienna-Spieler der 70er-Jahre, wenn auch nicht ganz so, wie er es wohl seinerzeit im Döblinger Kuglerpark gelernt hat, wo er für den echten Fußball entdeckt worden war. "Der Didi sagt manchmal, dass ich zu streng bin mit den Buben. Aber die meisten hier kommen von einem Verein. Dort können sie im Training auch nicht laschieren" , sagt Caha.

Der Didi, mit vollem Namen Dietmar Constantini, mit vollem Titel Fußball-Nationalteamchef und also quasi oberster Trainer Österreichs, ist inzwischen vor allem mit Organisatorischem beschäftigt, an diesem schwülen, heißen Sommervormittag auf dem schmucken Sportplatz in der Sportplatzstraße zu Bad Vöslau.

Die stimulierenden Namen

Auch wenn die meisten der mehr als 100 Kinder und Jugendlichen zwischen sechs und 16 Jahren gekommen sind, um unter jenem Mann zu trainieren, unter dem auch die ÖFB-Elite trainiert, kann der 54-jährige Tiroler das alles unmöglich alleine erledigen. Also organisiert Constantini vor allem, er schreibt Listen, teilt Mannschaften mit stimulierenden Namen (Real Madrid, Barcelona, Manchester United) ein, dreht seine Runde über die beiden feinen Rasenplätze, geht von Gruppe zu Gruppe, schlapft da und dort einen Ball zurück ins Geschehen. Constantini tut, was die Teilprothesen in den Knien so zulassen.

Der Einsatz kommt an bei den Freizeitschützlingen. "Der Didi, der kann was" , sagt Alex. Der Neunjährige weiß, wovon er spricht, er spielt schließlich in der U12 des SC Sollenau.

Im elften Jahr bietet Constantini nun schon sommers Fußballcamps an. Die Idee dazu hatten schon andere vor ihm. "Hermann Stessl macht das schon viel länger." Wie's geht, hat sich Constantini aber seinerzeit fünf Wochen lang in der Vogelsinger Soccer Academy in Santa Barbara / Kalifornien angeschaut, wo auch Peter Koncilia, ein alter Freund aus Innsbrucker Tagen, wirkte. Das Angebot wurde von Beginn an gut angenommen. Der Reiz, unter dem Teamchef zu trainieren, fördert die Auslastung zusätzlich. "Jetzt brauche ich halt keine Werbung mehr."

Die ideale Kombination

Die Camps trugen dazu bei, dass er in den Ruf geriet, ein Kurzzeittrainer sein. "Weil mir die Camps immer wichtig waren, weil sie mir die Möglichkeit gegeben haben, oft bei meiner Familie zu sein. Und wenn ich etwas mache, dann zu hundert Prozent." Die Kombination Teamchef/Campchef sei eine ideale. "Wir haben im Sommer nur ein Länderspiel. Und Spielbeobachtungen finden ja am Abend statt. Im Büro ist nicht viel zu tun. Wenn ich Kinder trainiere, ist jedem geholfen." Die Camps aufzugeben war bei den Verhandlungen über den Teamchef-Vertrag daher auch kein Thema gewesen.

Constantini hat da auch eine gewisse Verantwortung dem Personal gegenüber. Das ist recht illuster. Herbert Janko, ehemaliger Hochspringer und Vater von Salzburgs Torschützenkönig Marc Janko, ist zum Beispiel für Bewegungskoordination zuständig. Ervand Soukiassian, einst FC-Tirol-Legionär, kommt jedes Jahr für zwei Monate nach Österreich, um in den Camps den Zug zum Tor zu lehren. Die ehemaligen Bundesligaspieler Marcus Pürk und Oliver Lederer zeigen, wie das dann mit dem Abschluss geht.

Die alte Schule

Und Walter Skocek macht mit, "weil es eine Freude ist, mit den Kindern zu arbeiten. Und ich bin in der frischen Luft." Der 68-Jährige war als Spieler mit Rapid viermal Meister. Er hat die Hütteldorfer dann auch trainiert, betreute Klubs in Spanien, Griechenland, Saudi-Arabien und Zypern, ehe er heimkehrte, um noch bei der Austria und der Vienna zu arbeiten. In Bad Vöslau funktioniert und klingt das nicht viel anders als damals: "Kopf hoch, Dribbling, ja, und Pass, aufpassen, Schuh offen, schärfer, schärfer, schneller, du musst explosiver sein."

Drüben bei Caha knistert es inzwischen immer noch. Und es wird auch kein Spaß sein, wenn er beim nächsten Camp ab heute in Mieming den Eindruck gewinnt, dass die jungen Herren glauben, sie seien im Urlaub. (Sigi Lützow, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 13. Juli 2009)

der Standard Webtipp: www.constantini.at

  • Obacht, der Teamchef spricht. Schon im elften Jahr bietet Dietmar
Constantini im Sommer Fußballcamps für Kinder und Jugendliche an.
    foto: andy urban

    Obacht, der Teamchef spricht. Schon im elften Jahr bietet Dietmar Constantini im Sommer Fußballcamps für Kinder und Jugendliche an.

  • Soweit es die lädierten Knie eben zulassen, ist Dietmar Constantini bei seinen Camps auch selbst am Ball. Der Tiroler ist aber als Organisator auch gut ausgelastet.

Camps für Kinder und Jugendliche werden seit Jahren von ehemaligen Spielern und Trainern abgehalten. Der erste Anbieter in Österreichs war Hermann Stessl: Sein nächstes Camp beginnt am 26. Juli in Hollabrunn. stessl.nwy.at
Herbert Prohaska, der Ex-Teamchef, erstellt Trainingspläne, z. B. für das Camp ab 26. Juli in Steinbrunn, und schaut vorbei. unlimitedsoccer.com 
Michael Konsel vermittelt ab 17. August in St. Pölten Torhüter-Knowhow.  konsel.at
Helge Payers Torhütercamp in Hinterbrühl ist diesen Sommer ausgebucht, im Winter geht was. hp-torwartschule.at
Christian Keglevits lässt auch auf Kreuzfahrten kicken. Das nächste Camp auf dem Trockenen beginnt am 3. August in Illmitz. keglevits.szm.com
Willi Ruttensteiner ist technischer ÖFB-Direktor und ab 13. Juli der Gastgeber in Wolfern. ruttensteiner-fussballcamp.at
Je nach Dauer und Art kosten die Camps 220 bis 430 €.
    foto: andy urban

    Soweit es die lädierten Knie eben zulassen, ist Dietmar Constantini bei seinen Camps auch selbst am Ball. Der Tiroler ist aber als Organisator auch gut ausgelastet.

    Camps für Kinder und Jugendliche werden seit Jahren von ehemaligen Spielern und Trainern abgehalten. Der erste Anbieter in Österreichs war Hermann Stessl: Sein nächstes Camp beginnt am 26. Juli in Hollabrunn. stessl.nwy.at

    Herbert Prohaska, der Ex-Teamchef, erstellt Trainingspläne, z. B. für das Camp ab 26. Juli in Steinbrunn, und schaut vorbei. unlimitedsoccer.com

    Michael Konsel vermittelt ab 17. August in St. Pölten Torhüter-Knowhow. konsel.at

    Helge Payers Torhütercamp in Hinterbrühl ist diesen Sommer ausgebucht, im Winter geht was. hp-torwartschule.at

    Christian Keglevits lässt auch auf Kreuzfahrten kicken. Das nächste Camp auf dem Trockenen beginnt am 3. August in Illmitz. keglevits.szm.com

    Willi Ruttensteiner ist technischer ÖFB-Direktor und ab 13. Juli der Gastgeber in Wolfern. ruttensteiner-fussballcamp.at

    Je nach Dauer und Art kosten die Camps 220 bis 430 €.

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