Die seltsame Reise eines ehemaligen KZ-Wächters

12. Juli 2009, 17:19

Grüner Justizsprecher sieht "VIP-Betreuung" von Josias Kumpf und fordert Aufklärung vom Innenministerium

Wien - Es klingt nach einem schlechten Nachkriegskrimi. Der Hauptdarsteller: ein ehemaliger KZ-Wächter, der Jahrzehnte nach Kriegsende in Österreich landet. 84 Jahre alt, pflegebedürftig, von den USA ausgewiesen und staatenlos. In den Nebenrollen: Mitarbeiter des Innenministeriums, des Landes Vorarlberg, Caritas-Vertreter und eine Wiener Familie, die bloß einen Mieter suchte.

Eine seltsame Besetzungsliste, findet der grüne Justizsprecher Albert Steinhauser. Denn eigentlich müsste ein Staatenloser gleich behandelt werden wie Asylwerber, also staatliche Grundversorgung erhalten. In diesem Fall lief alles anders. Wieso, will Steinhauser nun mittels parlamentarischer Anfragen an Innen- und Justizressort wissen. "Sehen Sie es als Ihre Aufgabe Ihres Ministeriums an, die Schirmherrschaft für mutmaßliche Kriegsverbrecher zu übernehmen?" , fragt er Innenministerin Maria Fekter (ÖVP). Von Justizressort will er wissen, ob Kumpf "ausgeliefert werden kann" .

Angefangen hat die seltsame "Wanderschaft" des Josias Kumpf, für die nun niemand verantwortlich sein will, im März 2009, als er in Wien-Schwechat landete. Ausgewiesen aus den USA. Kumpf war Mitglied der SS-Totenkopfdivision im deutschen Konzentrationslager Sachsenhausen und später in Polen im Lager Trawniki (in dem tausende Menschen erschossen wurden) stationiert. Ob er in dieses Verbrechen tiefer verstrickt ist, bleibt unbeantwortet - denn Kumpf braucht in Österreich aufgrund von Verjährung (er war damals minderjährig) keinen Prozess zu fürchten - vielleicht in Spanien, aber auch das ist offen.

Zuerst taucht er in einem Spital in Vorarlberg auf, einige Zeit später wird er über Nacht nach Wien zurücktransportiert. Dort mietet eine angebliche Maklerin für den Staatenlosen, wie es später heißen wird, eine "kleine Wohnung". 1000 Euro Miete monatlich und in einem Wiener Nobelbezirk gelegen - die Kaution von mehreren Monatsmieten wird bar hinterlegt. Die Caritas organisiert eine 24-Stunden-Pflege. Warum, fragt Steinhauser in seinen Anfragen, bekommt ein früherer KZ-Wächter eine "VIP-Behandlung" durch den österreichischen Staat? Und wer zahlt das?

Ministeriumskontakte

"Unser Auftrag hat gelautet, die Pflege zu organisieren, Auftraggeber war das Land Vorarlberg. Dafür liegt auch eine Rechnung vor", sagt Caritas-Generalsekretär Stefan Wallner. Das Innenministerium sei nicht unmittelbar involviert gewesen, das Land habe aber von einer Refinanzierung der Kosten durch das Ministerium gesprochen. Der Vorarlberger Gesundheits-Landesrat Markus Wallner (ÖVP) bestätigt immerhin, dass es "jedenfalls Ministeriumskontakt gegeben hat". So sei etwa die Überstellung nach Wien auch in Absprache erfolgt, sagt er vom Standard darauf angesprochen. Eine Sichtweise, die im Innenministerium auf Verwunderung stößt. Dort heißt es nämlich: "Wir haben keine Zuständigkeit", sagt Sprecher Rudolf Gollia. Man habe die Einreise fremdenpolizeilich administriert, "ab da hat das Ministerium nicht mehr mit ihm zu tun gehabt". Und weiter: "Mir ist keine Stelle im Ministerium bekannt, die eine Vereinbarung zur Übernahme irgendwelcher Kosten getroffen hat."

Als das Land jedenfalls die Zahlung an die Caritas einstellt und die Vermieterin Kumpf aufgrund dessen dunkler Vergangenheit delogieren will, bricht das System zusammen. Letzte bekannte Station Kumpfs: das AKH. "Diese Form der kollektiven Unzuständigkeitserklärungen ist mir noch nie untergekommen", sagt Caritas-Generalsekretär Wallner. Laut Profil stellt Wien nun bei Gericht einen Antrag auf Bestellung eines Sachwalters.

Efraim Zuroff vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem und Leiter der "Operation letzte Chance", die NS-Kriegsverbrecher sucht, hofft, dass es noch zu einer Anklage in Spanien oder Polen kommt. Österreichs stellt er ein schlechtes Zeugnis aus: Über Jahre habe das Land gezeigt, dass es keinen politischen und rechtlichen Willen gebe, NS-Kriegsverbrechen strafrechtlich zu verfolgen. Im Gegenteil: "Es wurde jede Anstrengung unternommen, es so schwierig wie möglich zu machen, derart Kriminelle vor Gericht zu bringen" , findet Zuroff. ZumFall Kumpf sagt er lediglich: "Vielleicht werden Sie ihn in eines der schönen Schlösser bringen?" Das Geld, das für dessen Sonderbehandlung aufgewendet worden ist, "hätte man besser dafür ausgeben sollen, die letzten NS-Kriegsverbrecher zu finden und anzuklagen, bevor es zu spät dafür ist". (Peter Mayr, DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2009)

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RuNe
10
13.10.2009, 10:34
Fremdengesetz Österreich

Das ist ja wieder typisch Österreich. Verriegelt sich von allen Seiten, lasst kaum noch Menschen einreisen. Kommt aber ein Schwerverbrecher ohne Staatsangehörigkeit ABER mit Kohle: "Herzlich Willkommen in Österreich. Was darfs denn sein. A weng a Pflege, a schene Wohnung"
traurig traurig!

Hans Haid
 
45
13.8.2009, 07:36
Efraim Zuroff vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem

HerrnEfraim Zuroff vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem sei gesagt, dass er lieber vor der eigenen Türe kehren solle.
Wie kann er sich erlauben das Land Österreich schlecht zu machen. Wie kann er sich die Frechheit anmaßen zu hoffen, dass Krumpf in Spanien oder Polen vor ein Gericht gestellt wird?
Ich habe etwas gegen Leute die keinerlei Beweise haben und Andere vorverurteilen, nur weil sie " dabei " waren!!!

Kohlhaas1
00
28.9.2009, 17:05
Vor ein Gericht wird man üblicherweise gestellt wenn es Indizien gibt.

Und der Prozess dient der Beweisfindung.
Und wenn bestimmte Vorgänge in einem anderen Land strafbar und verfolgbar sind , so sind wir zur Amtshilfe und damit Auslieferung verpflichtet.
Vermutlich würde der seine spanische Strafe dann hierzulande und auf unsere Kosten absitzen.

Zellozin
 
00
18.9.2009, 11:50
Deshalb:

"Wie kann er sich die Frechheit anmaßen zu hoffen, dass Krumpf in Spanien oder Polen vor ein Gericht gestellt wird?"

Weil alles was die österreichische Justizministerin zu diesem Fall zu sagen hat ist: Die Taten, die ihm zur Last gelegt werden sind eh schon verjährt.

Jeder Depp weiß, dass Mord nicht verjährt... und Kriegsverbrechen verjähren auch nicht.

Topo_Gigio
20
23.8.2009, 08:37
na Moment....

bitte vermischen Sie nicht zwei Konflikte:
a) Naziproblem mit ehem. Verbrechern in DE und AT
b) Nahostkonflikt zwischen Israel und Palästina

Dieser Herr vom Wiesenthalzentrum ist KEIN Vertreter des Staates Israel, daher können Sie ihm nicht die Probleme Israels vorwerfen. Das sind zwei verschiedene Themen.
Die Aufgabe des Herrn Zuroff ist es, damalige Naziverbrecher zu finden und vor Gericht zu stellen (finde ich legitim, dass jemand auch noch Jahrzente später diese Form der Gerechtigkeit anstrebt)

Sie können jetzt nicht, nur weil der Staat Israel ein Problem mit seinen Nachbarn hat, dem Wiesenthalzentrum oder sonst jemandem das Recht abstreiten, für Gerechtigkeit in der Frage der Naziverbrecher zu kämpfen.

Deus Ex Coquina
 
66
17.7.2009, 12:16

In diesem Forum gibt es mehr Nazisympathisanten als mir lieb ist. Diese braune Sch... stirbt wohl nie aus in diesem Land. Hauptsache sie sitzen im Parlament, geduldet von ÖVP uns SPÖ!

Ludwig N.
66
18.7.2009, 15:57
Frage an die zu spät geborenen Antifaschisten

Was genau hätte der 17-jährige Bauernjunge Josias Kumpf 1942 tun können (oder sollen) um nicht zur SS eingezogen zu werden. Emigrieren ? Als Volksdeutscher Jugendlicher zu Titos Partisanen gehen? Oder was? Für eine gute Antwort wäre ich äußerst dankbar. Ähnliche Fragen habe ich zwanzig Jahre später meinem Großvater gestellt, der ebenfalls aus Neu-Pasua stammt wie Herr Josias Kumpf. Seine Antwort war " gebe dem Kaiser, was des Kaisers ist". Bei dieser obrigkeitshörigen Erziehung haben die Jugendlichen gemacht was man ihnen angeordnet hat. Es gab kein kritisches Denken geschweige Handeln.

Kohlhaas1
00
28.9.2009, 17:07
Wenn er als 17 Jähriger keine Verbrechen begangen hat

dann wird ihm auch niemand an den Hals wollen.
Dazu dient der Prozess.

Zellozin
 
00
18.9.2009, 12:15
Kein einziger...

KZ-Wärter wurde dazu gezwungen. Es gibt keine Überlieferung, dass jemand bestraft wurde, weil er den Job nicht machen wollte. Man hat sich eher freiwillig gemeldet. Man stand vor der Wahl entweder Front oder KZ-Wärter.

Klar: Was hätte er tun sollen??? An der Front hätte er wahrscheinlich das Leben verloren.

Es gab kein kritisches Denken, aber ich brauche nicht viel zu denken, damit ich weiß, dass Hungerleichen zu traktieren, nicht zu meiner Art gehört.

Kumpf hat es nichts ausgemacht, hat mitgemacht und das ist doch eindeutig ein Verbrechen: Beteiligung am Massenmord

Topo_Gigio
40
23.8.2009, 08:43

ja, er hätte z.B. auswandern können... er hätte sagen können "für dieses verbrecherische Regime mag ich nicht kämpfen". Und by the way: er war nicht "einfacher Soldat" sondern KZ-WÄCHTER.

Und wenn Sie ihn schon verteidigen wollen mit "er hat nur seine Pflicht getan, er konnte nicht anders" => genau aus dieser Form von Zivilcouragelosigkeit entstehen solche Terrorregimes.

Bitte bleiben wenigstens SIE JETZT wachsam, und wählen Sie heute klar gegen die FPÖ, denn wenn alles nochmal passieren sollte werden Sie vermutlich sagen "naja, was kann ich denn dagegen tun, als wie ein kleiner Fisch mitschwimmen" und werden genauso schuld daran sein, wie damals dieser Hr. Kumpf.

Stahlhoden
12
23.8.2009, 17:03

Genau DAMIT das NICHT MEHR passiert, wähle ich diesmal die FPÖ.

Weil die Vernaderung, der Gesinnungsterrorismus, die Sippenhaftung, die es bei den Roten und Grünen gibt, ist inzwischen unausstehlich.

Für die echten Probleme der Österreicher interesssieren sich die Herrschaften und die Leßpen hingegen überhaupt nicht.

Zellozin
 
00
18.9.2009, 12:05
Die echten Probleme...

der Österreicher in Zeiten der Wirtschaftskrise sind Ausländer??? Und die Welle der Arbeitslosigkeit, die auf uns zukommt, verhindert man am Besten, indem das Wiederbetätigungsgesetz aufgehoben wird und Ausländer keine Familienbeihilfe bekommen???

Will ja nicht sagen, dass die anderen Parteien den Ernst der Lage erkannt haben, doch die FPÖ interessiert sich nur für radikales Stammtischgerülpse.

Traurig, dass Ausländer als "die wirklichen Probleme der Österreicher" angesehen werden.

VON NICHTS EINE AHNUNG; ZU ALLEM EINE MEINUNG!!!

hamstertier
24
22.7.2009, 23:23
an ludwig n.

hören sie auf mit dem nonsense. der mann war kz-wächter.

Hubert Ungeist
 
02
14.7.2009, 12:12
Ist kumpf Österreicher?

Warum wurde er von USA überhaupt nach Ö gebracht - und nicht gliech in ein Land wo Anklage vorliegt?

neutral ino
00
14.7.2009, 16:00

es liegt in keinem land eine anklage vor.

nach österreich, weil er von österreich in die usa gegangen ist. zu diesem zeitpunkt war er deutscher staatsbürger, die deutsche staatsbürgerschaft hat er aber verloren, weil er die amerikanische annahm.

österreich musste ihn wegen einem abkommen mit den usa aufnehmen.

alles nachzulesen im profil

Athene Pallas
33
13.7.2009, 13:52
"so, jetzt geht's,.."

wird man ihm gesagt haben, dem Kumpf. "In Österreich verjährt, das Inneministerium 'administriert' die Einreise, Stadt Wien und Bund zahlen, alle anderen halten den Mund." Es hat niemand damit gerechnet, dass es in unserem Land noch immer Leute gibt, die das publik machen - unter "Schweinerei" wohlgemerkt, nicht "willkommen". Bravo Albert Steinhauser!

free spirit
20
13.7.2009, 13:27
wir haben grauslige leute

in den ministerien sitzen...

philidor85
13
13.7.2009, 16:24

allen voran die frau fekter...wenn sie von ihr ein video im nigerianischen fernsehen ausstrahlen haben wir wirklich kein "asylantenproblem" mehr

da überlegt sichs jeder dreimal bevor er nach österreich kommt

trotzdem
03
13.7.2009, 14:12

Die Ehre, die da Treue heißt, hilft sich eben gegenseitig.
"Der Schoss ist fruchtbar noch....."

Placebo
 
10
14.7.2009, 18:27
Der Schoss der FPÖ ist besonders furchtbar. Ups. Tippfehler.

free spirit
00
13.7.2009, 13:25
1925 geboren

zum zeitpunkt des beitrittes also vielleicht siebzehn

Placebo
 
01
14.7.2009, 18:27
Lausbubenstreich?

free spirit
01
13.7.2009, 13:18
17 war er also erst...

wieviele der opfer waren noch nicht einmal so alt?

sonst fällt mir spontan nur diese frischenschlager- geschichte ein. ab dann verstumme ich resignierend...

Ja wenn das so ist - dann Prost!
 
108
13.7.2009, 13:17
Die präpotente Überheblichkeit Zuroffs geht mir auf die Nerven.

Zum Glück gibts auch noch sympathische Juden mit Humor!

Zellozin
 
00
18.9.2009, 12:40
Zu wessen Glück???

Zu deinem, da du sonst quasi gezwungen wärst Antisemit zu sein, oder zum Glück der Juden, weil dir nicht alle auf die Nerven gehen???

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