Experte Mangott

"Nabucco-Projekt wurde immer politischer"

12. Juli 2009, 17:12
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    foto: dave bullock

Aus einem rein wirtschaftlichen Projekt wurde ein Showcase für die Energiesicherheit Europas, erklärt der Russland-Experte Gerhard Mangott im Interview

STANDARD: Heute, Montag, unterzeichnen Österreichs Bundeskanzler und der Wirtschaftsminister den Vertrag über die Gas-Pipeline Nabucco in Ankara. Sind wir damit weniger abhängig von Russlands Gas?

Mangott: Die gesicherten Gasreserven Russlands sind sicher größer als die, die man im kaspischen Raum vermutet. Die mittel- bis langfristige Bedeutung Russlands als Gasversorger Europas wird sich also nicht ändern.

STANDARD: Kurzfristig scheint die Nabucco-Pipeline aber eine Bedrohung der Interessen Russlands zu sein.

Mangott: Russland braucht einen hegemonial-imperialistischen Zugriff auf das zentralasiatische Gas, vor allem auf turkmenisches und aserbaidschanisches, weil die eigene Gasproduktion im Augenblick sogar rückläufig ist. Die Felder im nordwestlichen Sibirien, aus denen schon seit den 60er-Jahren Gas gefördert wird, haben einen hohen Erschöpfungsgrad erreicht. Der Binnenverbrauch ist auch nicht gesenkt worden. Russland braucht also Importgas. Die Gasexportleitungen aus Zentralasien sind bisher ausschließlich über russisches Territorium verlaufen. Die Transportinfrastruktur der sowjetischen Zeit ist so ausgelegt gewesen, dass die Länder nie in die Lage kommen sollten, unabhängig ihr Gas auf den Markt zu bringen.

STANDARD: Und Nabucco durchbricht diese hegemoniale Stellung?

Mangott: Ja, aber sie ist nicht die einzige. Größere Sorge macht Russland sicher das Engagement Chinas in Turkmenistan und Kasachstan.

STANDARD: Seit den jüngsten Gaskrisen dürfte Nabucco den Europäern ein wirkliches Anliegen geworden sein, oder nicht?

Mangott: Die Nabucco-Idee war aber 2002 eine andere. Man wollte vor allem iranisches Gas nach Europa bringen, es war ein rein wirtschaftlich motiviertes Projekt und nicht mehr. Seit den Gaskrisen 2006 und 2009 ist das Projekt immer politischer geworden. Die Europäer haben erkannt, sie brauchen nicht nur neue Lieferanten, sondern auch ein diversifiziertes Importnetz. Es ist ein Problem, wenn 20 Prozent des EU-Gas-Konsums nur über ein Transitland, nämlich die Ukraine, gehen. Die ursprüngliche Idee hat sich natürlich auch aufgrund der iranischen Problematik völlig verändert.

STANDARD: Wie wird der russische Monopolist Gasprom reagieren?

Mangott: Gasprom wird sicher die Konkurrenzleitung South Stream vorantreiben. Doch man darf nicht vergessen, Russland hat derzeit nicht genug Gas. Russland wird Gas, das über die Ukraine geht, abzweigen und müsste auch zentralasiatisches Gas über Southstream führen. Insofern ist es ein Wettbewerb um das gleiche Gas. Und auch China beteiligt sich daran. Man übersieht oft, dass China in Turkmenistan die besten Karten hat. Europa ist da mittendrin.

STANDARD: Die Konsumenten hierzulande dürfen sich trotz allem auf ein höheres Preisniveau einstellen?

Mangott: Das hängt ein bisschen auch von der Preisformel ab, die in den Nabucco-Verträgen festgelegt wird. Mit der Gasprom gibt es eine - nie wirklich offengelegte - Formel, wonach sich der Preis an vier Erdölderivaten orientiert. Die Frage ist, ob man das in den Lieferverträgen mit diesen Staaten durchsetzen kann. Die wissen ja genau, in welcher vorteilhaften Situation sie sind. Die geradezu absurde Konsequenz aus dieser Diversifizierung wird sein, dass wir mehr Gas von mehr Partnern mit höherer Sicherheit bekommen werden, aber zu höheren Preisen.

STANDARD: Wem nützt Nabucco also am meisten?

Mangott: Letztlich den Förderländern im kaspischen Raum. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Printausgabe, 13.7.2009)

Zur Person

Der Russland-Experte Gerhard Mangott (43) lehrt Politikwissenschaften an der Universität Innsbruck.

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Posting 1 bis 25 von 53
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zimbo
 
00
14.7.2009, 08:15
Aha, was für Förderländer ?

Nur der Irak hat angeboten, somit die USA.

Hauptsache die Röhre ist teuer.

Steffman
11
14.7.2009, 00:49
Es wird nur eine Abhängigkeit gegen eine andere getauscht

Die Pipeline "Southern Stream" verbindet Russland direkt mir der EU.

Stattdessen muss man jetzt den von der NATO/USA gewollten Nabucco-Weg durch die Türkei gehen, wo die Pipeline schon als EU-Beitrittszusage gefeiert wird.

Glückwunsch, EU, dank der Russland-Phobie mancher Politiker und Medien hat man jetzt ganz andere Abhängigkeiten aufgebaut.

Anstatt nur die russischen Gas-Rechnungen zu bezahlen, muss man jetzt alle Nabucco-Länder mit Samthandschuhen anfassen.

zimbo
 
00
14.7.2009, 08:18
schätze das Problem ist die Erpressung durch die Ukraine.

Wir haben schon einmal deren Gas bezahlt (technisches Gas, das 2x verschwunden ist).
Heuer wirds nicht anders sein, die EU will uns zu Gassolidarität zwingen.D.h. unsere teuren Gasdepots bzw. deren Inhalt geht in Länder ohne Gasdepots, wie z.B. Bulgarien.

Andreas Bogeschdorfer
00
13.7.2009, 21:45
Die mittel- bis langfristige Bedeutung Russlands als Gasversorger Europas wird sich also nicht ändern.

Was hier als unverrückbare Tatsache dargestellt wird, ist in Wahrheit eine verengte Perspektive. Denn die Bedeutung Russlands als Gasversorger Europas, hängt auch von der europäischen Politik ab. Wer sich mit Erneuerbaren Energien von fossilen Importen unabhängig macht, teilt auch den Lieferländern eine neue Rolle zu. Aber die europäischen Länder sind in dieser Frage halbherzig unterwegs, zementieren ihre Abhängigkeit und mit ihr eine klimabelastende, blutgetränkte, demokratiezerstörende Energiegewinnung. Gleichzeitig locken sie die Atomlobbyisten aus ihren Löchern.

dr.no3
00
13.7.2009, 19:47
deshalb der umsturzversuch im iran

deshalb hatten die VSA auch kein besonderes interesse

Marihuana Fun
00
13.7.2009, 17:46
kluges österreich

nabucco kostet geld,
nichteinhaltung der klimaziehle kostet geld,
arbeitslosigkeit kostet geld,
wo bleibt die umsetzung der positiv gewerteten machbarkeitsstudie, welche einem hr. pröll ca. 2006 vorgelegt wurde?
energieautarkes österreich nach dem modell güssing bundesweit möglich! incl arbeitsplatzschaffung und technologievorreiterschaft.
im moment kommt die ganze welt dafür zu uns - schildbürgerstaat österreich schaut wie immer weg.
ich hoff unsere enkel revangieren sich bei den bald alten entscheidern...

nonixnarretz
00
13.7.2009, 18:22

interessant, bitte mehr info zur studie, gibts die im netz, wer hat sie vorgelegt?

Andreas Bogeschdorfer
00
13.7.2009, 21:37
Studien zur Vollversorgung mit Erneuerbaren finden Sie bei Eurosolar.

Ob dabei auch eine auf Österreich bezogene Studie verfügbar ist weiß ich nicht, aber Eurosolar ist die führende Organisation in Fragen für den Umstieg auf erneuerbare Energien. Machbarkeits- und Finanzierungsstudien für zahlreiche europäische Länder sind bereits erstellt worden.

www.eurosolar.de

so go
00
13.7.2009, 16:54
ausgezeichnet...

jetzt muss nur noch der Iran ausgepresst werden, damit die Leitung auch immer voll ist.

Zweifellos wurde die pipeline gebaut, um nicht von den russischen Zulieferern abhängig zu sein!

Shadow
01
13.7.2009, 12:59
und der grüne joschka fischer als berater mit im boot...

M K
 
01
13.7.2009, 20:27
Grün?

Gut, er war bei den Grünen, er war sogar der Obgrigste bei den Grünen.
Bloß grün war der nie, er ist ein eitler, rücksichtsloser Egomane, und sein Ansehen gebietet Rückschlüsse auf Intelligenz und Redlichkeit seiner Verehrer- und -innen.

zimbo
 
00
14.7.2009, 08:20
Ist ja wohl ein Zeichen, dass er in den USA für die Neocons Vorträge hält.

Shadow
00
13.7.2009, 22:24
da macht man es sich aber etwas zu einfach.

fischer ist von den grünen (anhängern) in seine positionen und ämter gewählt worden. leute die vielfach noch immer keine konsequenzen daraus gezogen haben. ohne diese leute wäre fischer auch heute noch taxifahrer.

nein, man muss sich fragen wie eine ganze partei+wählerschaft auf solche leute wie fischer reinfallen kann. gerade bei den grünen, die den anspruch haben gebildet und intelligent zu sein.
aber mit özdemir hat man sich doch schon wieder jemanden als vorsitzenden geholt der in cdu oder fdp besser aufgehoben wäre.
allerdings, nach der bonusmeilen-affäre damals ist er zumindest zurückgetreten. aber wohl auch nur um gestärkt zurück zu kommen...

Blumen sagen mehr als Worte-Eins in die Fresse auch
 
00
13.7.2009, 18:09
Eine neue Phase in der Metamorphose von Joseph Fischer ist erreicht...

...und mit ihr der letzte Rest an Glaubwürdigkeit!

Captain Smoker
00
13.7.2009, 15:04

Naja, Schröder und Fischer zeigen halt aus welchen Holz sie wirklich sind. Für mich war es schon immer ein Rätsel wie sich so viele Menschen so lange von den Beiden blenden haben lassen.

Shadow
01
13.7.2009, 17:31

Aus meiner Sicht waren Schröder und Fischer nie wirkliche Sozis bzw. Grüne. Und nicht nur die beiden.
Wie sonst konnten die Grünen Deutschland erstmals nach 60 Jahren wieder in Kriege verwickeln oder die SPD Hartz IV einführen. Und die Liste ist beliebig fortsetzbar.
Hier haben sich Leute in einer Partei hochgearbeitet die nichts mit den idealen die man dieser Partei eigentlich zuschreibt gemein hatten.
Allerdings, die SPD verliert seit Schröder jede Wahl. Die Grünen dagegen sind relativ stabil. Auch interessant.

sally
00
13.7.2009, 14:33
ja, das ist ziemlich S......e

Bin schwer enttäuscht - pragmatisch sein ist ja ok, aber so gänzlich gegen jede grüne Logik aufzutreten ist mir unbegreiflich.

Shadow
00
13.7.2009, 17:34
Pragmatisch?

Das ist kein Pragmatismus. Das ist beliebigkeit, solange man selber davon profitiert.
Aus meiner Sicht hat die Rot-Grüne Regierung unter Schröder damals die Reputation und den Ruf beider Parteien auf Jahre hinaus ruiniert.

M K
 
22
13.7.2009, 12:58
Ostseeleitung?

Kann mir jemand darüber Auskunft geben, was eigentlich mit der Ostseeepipeline los ist?
Wird die nun gebaut oder nicht?
Immerhin würde diese Leitung die Ukraine als Erpresser ausschalten.
Im Übrigen bin ich um vieles lieber von den Regierenden im Kreml abhängig als von irgendwelchen Moslems in Zentralasien der Türkei, ...., und das sollte so schnell als möglich auch in den Köpfen der im Westen noch Regierenden Platz greifen!

zimbo
 
00
14.7.2009, 08:24
Es gibt Vetos der Anrainerstaaten, nicht unberechtigt.

Denn, wenn so eine Leitung leckt, ists vorbei mit dem Fischfang.
Russland hat verlässlich geliefert, erpresst werden wir von der Ukraine, die Pleite ist.
U. will Russlands Flotte aus Sewastopol, daher hat Putin beschlossen den international üblichen Gaspreis einzufordern.Den aber kann es nicht zahlen, und stiehlt somit das europäische Gas.

Karl Heiden
00
13.7.2009, 17:25

North-Stream wird gebaut, dafür sorgt schon Herr Schröder. Der will sich doch sein Geld vom Kreml nicht schenken lassen ....

Walter von Wegen
12
13.7.2009, 12:37
ES LEBE DER OPTMISMUS!



Der unberechenbare Iran, unzuverlässige Aserbajdschan, und unsicherer Irak liefern das Gas durch das unberechenbare Georgien und die unzuverlässige Türkei nach Europa. Eine durch und durch optimistische Vision.

zimbo
 
01
14.7.2009, 08:25
In Georgien sitzt ein Diktator der EUSA.

tramtatam
00
13.7.2009, 13:53
es war auch klar: minus mal minus = plus

der Volksmund liefert noch weitere Beispiele für Optimismus:

der Feind meines Feindes ist mein Freund.

im gegebenen Fall sind allerdings viele neue Freunde auch gute Freunde des alten (Klassen?)Feindes.
^^

derpradler
93
13.7.2009, 11:12
Ein neuerlicher Schwachsinn

unserer Pseudoregierung. UIn Zukunft wierden dann Öl und Gas gegen Minarette getauscht?!

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