Längst ist der einst riesige See in einzelne Gewässer aufgesplittert - und die werden bis 2020 austrocknen, wie Satellitenbilder zeigen
Paris - Einst war er das viertgrößte vollständig von Land umschlossene Gewässer der Welt - nun steht der Aralsee vor der Austrocknung in absehbarer Zeit: Das geht aus einem Vergleich von Envisat-Satellitenbildern vom 1. Juli 2006 mit
Aufnahmen vom 6. Juli diesen Jahres hervor, wie die Europäische
Weltraumagentur ESA mitteilte. Die ESA rechnet damit, dass der Große
Aralsee bis 2020 komplett verschwunden ist.
Dass überhaupt von einem "Großen Aralsee" gesprochen werden muss, ist bereits ein Zeichen des Niedergangs in sich, denn die ursprüngliche Wasserfläche ist längst in Einzelteile zersplittert. Der Aralsee ist ein sogenanntes endorheisches Gewässer - das Wasser seiner Zuflüsse, in erster Linie der Amudarja und der Syrdarja, gelangt nicht ins Weltmeer, sondern endet hier. Doch konnte der Zustrom den Wasserverbrauch der Landwirtschaft nicht mehr ausgleichen, nachdem Usbekistan in Zeiten der Sowjetunion zum zweitgrößten
Baumwoll-Exporteur der Welt aufgebaut worden war. Dazu leitete die
Sowjet-Regierung das Wasser des Amudarja in gigantische
Bewässerungskanäle um, der Zufluss für den Aralsee versiegte.
Zerfall und Austrocknung
In den vergangenen 50 Jahren ist der See daher beständig geschrumpft. Vor rund 20 Jahren teilte sich der See schließlich in den nördlich gelegenen Kleinen Aralsee in
Kasachstan und den zunächst etwa zehnmal größeren Großen Aralsee auf kasachischem und usbekischem
Gebiet. Dieser annähernd hufeisenförmige See wiederum teilte sich nur zehn Jahre später in ein tieferes westliches und ein flacheres östliches Becken. Letzteres hat in den vergangenen drei Jahren 80 Prozent seines Wassers verloren. Kleinere Teile der einstmals zusammenhängenden Wasserfläche haben sich ebenfalls abgetrennt - der gesamte zerfaserte Südteil des einstmals stolzen Gewässers dürfte in elf Jahren verschwunden sein
Mit dem Verlanden des Sees ging eine dramatische Klimaveränderung einher: Es regnete in der Region kaum noch, eine mittlerweile Aral Karakum genannte Wüste breitet sich aus. In den Gebieten, in denen sich das Wasser zurückgezogen hat, bleiben salzige Flächen zurück, immer häufiger auftretende Sandstürme tragen dieses Salz über hunderte von Quadratkilometern hinweg, verursachen schwere Gesundheitsprobleme und verstärken den Verwüstungstrend: Insgesamt gilt die Austrocknung des Aralsees daher als eine der schlimmsten vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen aller Zeiten. (red)