Umweltkatastrophe

Der Aralsee verschwindet ins Nichts

12. Juli 2009, 17:28

Längst ist der einst riesige See in einzelne Gewässer aufgesplittert - und die werden bis 2020 austrocknen, wie Satellitenbilder zeigen

Paris - Einst war er das viertgrößte vollständig von Land umschlossene Gewässer der Welt - nun steht der Aralsee vor der Austrocknung in absehbarer Zeit: Das geht aus einem Vergleich von Envisat-Satellitenbildern vom 1. Juli 2006 mit Aufnahmen vom 6. Juli diesen Jahres hervor, wie die Europäische Weltraumagentur ESA mitteilte. Die ESA rechnet damit, dass der Große Aralsee bis 2020 komplett verschwunden ist.

Dass überhaupt von einem "Großen Aralsee" gesprochen werden muss, ist bereits ein Zeichen des Niedergangs in sich, denn die ursprüngliche Wasserfläche ist längst in Einzelteile zersplittert. Der Aralsee ist ein sogenanntes endorheisches Gewässer - das Wasser seiner Zuflüsse, in erster Linie der Amudarja und der Syrdarja, gelangt nicht ins Weltmeer, sondern endet hier. Doch konnte der Zustrom den Wasserverbrauch der Landwirtschaft nicht mehr ausgleichen, nachdem Usbekistan in Zeiten der Sowjetunion zum zweitgrößten Baumwoll-Exporteur der Welt aufgebaut worden war. Dazu leitete die Sowjet-Regierung das Wasser des Amudarja in gigantische Bewässerungskanäle um, der Zufluss für den Aralsee versiegte.

Zerfall und Austrocknung

In den vergangenen 50 Jahren ist der See daher beständig geschrumpft. Vor rund 20 Jahren teilte sich der See schließlich in den nördlich gelegenen Kleinen Aralsee in Kasachstan und den zunächst etwa zehnmal größeren Großen Aralsee  auf kasachischem und usbekischem Gebiet. Dieser annähernd hufeisenförmige See wiederum teilte sich nur zehn Jahre später in ein tieferes westliches und ein flacheres östliches Becken. Letzteres hat in den vergangenen drei Jahren 80 Prozent seines Wassers verloren. Kleinere Teile der einstmals zusammenhängenden Wasserfläche haben sich ebenfalls abgetrennt - der gesamte zerfaserte Südteil des einstmals stolzen Gewässers dürfte in elf Jahren verschwunden sein

Mit dem Verlanden des Sees ging eine dramatische Klimaveränderung einher: Es regnete in der Region kaum noch, eine mittlerweile Aral Karakum genannte Wüste breitet sich aus. In den Gebieten, in denen sich das Wasser zurückgezogen hat, bleiben salzige Flächen zurück, immer häufiger auftretende Sandstürme tragen dieses Salz über hunderte von Quadratkilometern hinweg, verursachen schwere Gesundheitsprobleme und verstärken den Verwüstungstrend: Insgesamt gilt die Austrocknung des Aralsees daher als eine der schlimmsten vom Menschen verursachten Umweltkatastrophen aller Zeiten. (red)

Link
ESA: "Earth from Space: Declining Aral Sea" (mit animierter Darstellung des schrumpfenden Sees)

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watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
00
13.7.2009, 22:34
die armen Fischerln

im Aralsee, die alle eingehen, denkt denn niemand an sie? Natuerlich nicht. Man denkt nur an die egoistischen Baumwollprofiteure, die Felder bewaessern und dadurch ihren Lebensunterhalt verdienen.

Jeder BioBetroffene sollte daher vorsorglich alle Baumwollprodukte boykottieren und nur noch Kunstfaser verwenden!

antonpirulero
00
14.7.2009, 15:32

so als anregung: kunstfasern sind, soweit ich informiert ein erdölprodukt.
so als frage: würde der aufmerksame konsument so nicht der erdöl-industrie in die arme laufen, die ja auch nicht die umweltschonenste zu sein scheint?

Dark Funeral
 
00
14.7.2009, 15:46
Nein

E gibt Kunstfasern aus Erdöl, aber nicht alle sind aus Erdöl. Es gibt auch solche aus Zellstoff (d.h aus Holz), Z.B. Lyocell oder Viskosefasern. Diese werden zur Zeit vor allem in sog. "High-Tech"-Textilien verwendet.

D.S.1
00
14.7.2009, 11:04

Also Arbeiter, die durch Pflücken von Baumwolle mit grossen Schwierigkeiten gerade ihre Familien ernähren können, sind noch lange keine Baumwollprofiteure. Das sind wahrscheinlich nur manche der Zwischenhändler, Veredler- und Endhändler, die mit viel weniger Arbeit viel mehr verdienen. Nicht nur in Usbekistan. Daher sollten wir einmal auch einen kritischen Blick auf uns selber werfen!

Sitacui
00
13.7.2009, 20:34

Die Lösung des Problems wäre ein schlichter Kanal vom Kaspischen Meer zum Aralsee. Wieso ist darauf noch niemand gekommen?

Michael Bakunin
00
15.7.2009, 13:02

und wie soll das wasser so weit bergauf fließen? :-)

Paracoccidioidomicosisproctitissarcomucosis
10
14.7.2009, 14:39
sovietische ingenieure hatten schon damals eine ähnlich kluke idee...

...einfach die beiden sibirischen flüsse wolga und jennisei in den aralsee umleiten *doh*

D.S.1
00
14.7.2009, 15:11

Oh je, seit wann ist die Wolga ein sibirischer Fluß? Ich dachte immer, sie wäre der Längste in Europa!

Geahad
00
15.7.2009, 16:09

er meint sicher die wulka

GAGA3
00
13.7.2009, 21:08

Wobei man damit gleichzeitig ein grandioses Wasserkraftwerk erichten könnte. Eine wirklich ausgezeichnete Idee, Sitacui!

D.S.1
01
13.7.2009, 21:51

Nur, der Aralsee wäre in kürzester Frist léer, denn das ganze Wasser würde in die Kaspische Meeressenke fliessen. Der Aralsee liegt nämlich viel höher (31m üMS gegenüber -28 m)!

D.S.1
00
13.7.2009, 16:32
Technisch, wäre die Lösung ganz einfach

Z.:B.: Diese Schleuße

http://maps.google.de/maps?q=42... 09323&z=17

einfach schliessen, dass Wasser bliebe im Amur-Darja.
Das Problem liegt wo anders...

Orkan Kyrill
00
14.7.2009, 12:37
Schleuße?

Was schleußt die?

D.S.1
00
14.7.2009, 14:18
Schleuße

Was das ist? Neuartige Schreibweise für Schleuse. Fragen Sie die DPA!
"Bei dieser Schleuße in Stuttgart-Untertürkheim wurde das Kind gefunden. " Quelle DPA
http://www.kwick.de/magazin/m... 18992.html

Alfons Plopp
00
15.7.2009, 09:34
agenturen

der druck, immer schnell, flott und fetzig zu sein, führt eben leider dazu, dass die rechtschreibung bei agenturmeldungen immer häufiger etwas sch(l)eisig ist

Hans Fuchs1
01
13.7.2009, 18:18

an ihnen sieht man: der mensch hat noch immer nicht gelernt

schuld sind die landwirtschaft und der wasserextensive baumwollanbau an den zubringerflüssen. das muss man in den griff bekommen. allerdings ob sich das ökosystem wider erholt ist eine andere frage (zu hoher salzgehalt, kein austausch im südlichen teil, etc.)

D.S.1
00
14.7.2009, 10:52

Wahrscheinich haben Sie mich nicht verstanden. Die von mir gezeigte Schleuße (war exemplarisch gemeint, ist eingentlich ein System von Schleußen) dient ja genau dem von Ihnen angesprochenen Zweck, der Bewässerung der Baumwollfelder und der Landwirtschaft. Das Problem ist schlichtwegs, dass man natürlich den Aralsee wieder vollständig retten könnte (sicherlich erst nach vielen Jahren), wenn man die Bewässerungsysteme abdrehte. Aber was ist dann mit den Menschen, deren Lebensgrundlage diese Felder waren? Das ist das eigentliche Problem!

Hans Fuchs1
00
14.7.2009, 11:28

nun ja... diese menschen waren früher fischer. und was machen die nun?

D.S.1
00
14.7.2009, 14:23

Sind Sie wirklich absolut sicher, dass alle diese Leute, die jetzt auf den 4 Mio ha bewässerten Land arbeiten und leben, ihren Lebensunterhalt auch mit dem Verkauf der Menge an Aral-fischen decken könnten, die früher aus dem See gefischt werden konnten?

Hans Fuchs1
00
22.7.2009, 22:17

nein, weiß ich nicht. aber ich bin mir sicher, dass nicht so viele dort leben würden, könnten sie dort nicht überleben… allerdings ist das auch nur eine vermutung. wäre interessant mehr zu wissen. jedenfalls werden die menschen dort immer weniger zu essen haben und die umgebung wird immer menschenfeindlicher. von baumwolle jedenfalls kann sich dort niemand ernähren.

Krawutzikapuzi
10
15.7.2009, 18:27
gibts auch Mobil und Esso-Fische ?

George Push
11
14.7.2009, 06:41
an IHNEN sieht man...

die info rüber zu bringen, das ging auch ohne persönlichen angriff, wozu war das notwendig? sinds auch frustriert, wie leicht 95% ihrer mitmenschen?
So sieht man an Ihnen, der mensch hat noch immer nicht gelernt (zufrieden zu sein)!
MfG

Zinnmo
 
00
13.7.2009, 18:41
der wasserINTENSIVE Anbau

Extensiv ist mit wenig Wasser.

Hans Fuchs1
00
14.7.2009, 11:27

danke

D.S.1
16
13.7.2009, 16:29
Umfrage

Was glauben Sie?
Wenn heute eine Volksabstimmung in Usbekistan abgehalten würde mit der Frage:
Wollt Ihr Baumwoll- und Gemüsefelder oder
wollt Ihr die Wiederauffüllung des Aralsees?
Was, glauben Sie, würden die Usbeken antworten:
Grün: den Aralsee retten
Rot: die Baumwoll- und Gemüsefelder behalten

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